VERBOTE

admin am 27. Januar 2012 um 16:28

Als ich letzte Woche am Strand zum ersten Mal ein Schild sah, auf dem darum gebeten wurde, NICHT mit dem Auto AUF den Strand zu fahren, musste ich noch grinsen, denn der Brasilianer braucht tatsächlich teilweise Verbote für Dinge, die doch eigentlich selbstverständlich sind. Mit dem Auto auf den Strand??? Schon einen Tag später sah die Sache ganz anders aus, nämlich als wir beschlossen, AN den Strand von Jureia zu fahren.

IMG_7915Dieser Strand erstreckt sich über 20 km, ist sehr wild und verlassen und an seinem nördlichen Ende wuchert der Regenwald ins Meer. An seinem Anfang sind wir gelandet und waren etwas irrtiert, als ein kleiner Bus, bepackt mit biertrinkenden und grölenden Brasilianern an uns vorbei zog, zum Strandzugang durch eine Düne bretterte und dann Richtung Norden verschwand.

IMG_7897Da haben wir nicht lange überlegt – und sind hinterher! (Ja ich weiß: Böse, Böse, ja ich weiß!!!) Aber eigentlich hat dort keiner wirklich überlegt – auf dem Strand parkten jede Menge Autos und viele sind auf diesem Weg natürlich auch weiter nach Norden gefahren. ;-) Und bis auf einige Prile, die man durchqueren musste, übrigens eine sehr angenehme Fahrbahn und ein riesen Spaß!

IMG_7898Irgendwann hieß es dann via Schild: “Stopp, hier bitte nicht weiterfahren, Gefahr stecken zu bleiben!” (Aha, man ging also von offizieller Seite doch klar davon aus, dass die meisten allen Verboten zum Trotz mit dem Auto anreisen würden – großartig!). Wir haben also sicherheitshalber geparkt und sind zu Fuss los. Der kleine Bus vor uns übrigens nicht. Die haben kurz eine kleine Schleife gedreht, sind durch den Pril und holla die Waldfee weiter …

Etwa eine Stunde später folgendes Bild:

IMG_7920Nun ging mir allerdings auch etwas der Hut, denn die Flut war zu allem Überfluss im Anmarsch und ich hatte überhaupt keine Lust, etwas ähnliches zu erleben, nämlich auch stecken zu bleiben. Also hab ich unseren Rückweg “erquengelt”, was bedeutete, nicht bis zum Ende laufen, nicht den Regenwald genießen, sonder Ratz Fatz zurück. Ganz bald saßen wir dann auch wieder im Auto und sind heil durch die Einfahrt/Ausfahrt-Düne gefahren, ohne dass Schlimmeres passiert wäre. Puuuuh!

IMG_7927Das Auto ließen wir nun außerhalb des Strandes und bauten unser Lager in der Nähe direkt hinter ein paar Hölzern auf, die in den Boden gerammt waren, damit niemand durch- und auf die andere Seite fahren kann. Das nenn ich mal ein funktionierendes Verbot! :-) Dort hatten wir dann großen Spaß, die weniger glücklichen Fahrer beim Versuch zu beobachten, durch die Düne zu kommen, denn die Spurrillen waren zwischenzeitlich vollkommen ausgefranst. Da wurde Anlauf genommen und geschoben und getrickst, dort versammelten sich Menschen, die gute Ratschläge oder ein zupackendes Wesen hatten, um den Steckengebliebenen zu helfen, doch erst ein LKW – ja genau – ein LKW AUF dem Strand brachte die Spur letztendlich wieder ans Laufen.

Am sympathischsten an der Geschichte finde ich, dass der Brasilianer ein Verbot auf Schilder schreibt, dieses dann später noch mal verstärkt, nach dem Motto: “Doch, es ist uns wirklich ernst” um dann zum Schluss eine Sperre aufzubauen, weil er genau weiss, dass sich keine Socke daran hält :-) pe

Hier ein kleiner Film >>> Autostrand

BRASILS NEXT TOP KREBS

admin am 26. Januar 2012 um 15:44

IMG_7913

DIE ZOCKER VON IGUAPE

admin am 25. Januar 2012 um 11:47

IMG_7847karteIguape ist eine kleine Kolonialstadt im Süden des Bundesstaates São Paulo und etwa 2,5 Autostunden (unter normalen Bedingungen – dazu ein ander’ Mal mehr) von São Paulo entfernt. Nah am Meer gelegen, mit einer vorgelagerten Insel, der Ilha Comprida, einem reichhaltigen Angebot an Krustentieren und Fischen aufgrund der üppigen Mangrovenlandschaft, einem fruchtbaren Tal im Rücken – also allem, was man rein geografisch gut gebrauchen kann, um eine florierende Handelsstadt zu werden.

Das wurde man auch – vor allem dank des Reisanbaus und dessen guter Qualität – sodass Mitte des 19Jhds blühender Wohlstand herrschte: 5 Reisfabriken sorgten dafür, dass wöchentlich etwa 10 Frachtschiffe Richtung Europa aufbrechen konnten, Banken handelten die Deals aus und finanzierten die Unternehmungen, 6 Zeitungen kursierten, es gab ein reichhaltiges kulturelles Angebot, zum Teil mit europäischen Künstlern und sogar ein französisches Konsulat. Im Netz las ich, dass die Stadt etwa die Bedeutung Rios oder Salvadors hatte – damals. Heute nicht mehr. Was war denn da los?

IMG_7883Nun, der Abtranport der Waren aus dem Hinterland lief den findigen Geschäftsleuten einfach nicht perfekt genug, denn die Ware musste über einen Fluß, den Ribeira, transportiert werden, wurde dann auf Wagen umgeladen, zu einem Hafen gebracht und konnte dort erst verschifft werden. Doof, wenn man das Ganze doch theoretisch komplett auf dem Wasserweg lassen und damit logistisch vereinfachen könnte, indem man einen Kanal baut, der Fluss- und Seeweg miteinander verbindet um damit die künftige wirtschaftliche Lage aufs Feinste zu optimieren.

Gesagt – Antrag gestellt! Dank der Bedeutung der Stadt gelang es, das Anliegen beim damaligen König Don Pedro II vor- und durchzubringen, sodass der Kanal dann 1855 fertiggestellt werden konnte, stolze 4 km lang. Doch leider hatte man die Rechnung ohne den Fluss gemacht: Die Wassermassen hatten nun eine prima Abkürzung Richtung Meer, wurden reissender und spülten gleich mal alles drumhherum mit weg. Iguape Land unter!

Kein Hafen mehr, keine Geschäfte mehr und somit gab es einen rapiden wirtschaftlichen Abstieg, der zur Folge hatte, dass viele Bewohner die Stadt verliessen. Die wenigen, die blieben hatten mit einem weiteren Problem zu kämpfen, denn der Bestand an Krustentieren und Fischen dezimierte sich rasch aufgrund der ernormen Süßwassermengen.

Erst durch die Einwanderung der Japaner Anfang des 20ten Jhds. stabilisierte sich die Region wieder. Heute werden dort Reis, Tee und Bananen angebaut, Krustentiere gefangen und der Tourismus wird sanft und ökologisch gefördert. pe

AUF EIN NEUES

admin am 14. Januar 2012 um 10:02

zwei23 Grad, kein Regen und freundliche Aussichten – so darf das neue Jahr in São Paulo gerne beginnen! Wir fanden es sehr schön in Deutschland und haben uns gefreut, all die Lieben wieder zu sehen. Dankeschön für die gute Zeit! Es hat auch dieses Mal leider nicht mit allen geplanten Treffen geklappt, aber da wir jetzt nur noch ein halbes Jahr hier bleiben, ist die Zeit ja nicht mehr so lang und man sieht sich “jetzt in Echt” im SOMMER! pe & jo

FELIZ NATAL!

admin am 22. Dezember 2011 um 09:11

FN

GRISWOLD-LANDIA

admin am 12. Dezember 2011 um 11:36

IMG_7810_2

FUTEBOL IN SÃO PAULO

admin am 6. Dezember 2011 um 17:47

Als wir nach São Paulo kamen wurde uns recht schnell Eines klar: In Sachen Fußball hat man hier keine liberale Einstellung, man ist Fan, man steht nur auf einer Seite und man muß sich entscheiden: FC São Paulo oder Corinthians oder Palmeiras. Basta!

Jeder Club pflegt ein Image, welches sich aus seiner Herkunft erklärt. Als Beispiel: Ein einfacher Arbeiter aus der Zona Norte wird vermutlich NIIIEMALS Fan vom FC São Paulo sein können, wenn er in seinem Viertel lebend die Straße überqueren möchte. Dieses Imageding ist wahrscheinlich in deutschen Fußballclubs auch nicht anders, oder ihr Fußballexperten? Als dann, hier die Szene São Paulos:

SPFCDer FC São Paulo (SPFC) wurde 1930 gegründet, dann ein zweites Mal 1935. Beim zweiten Mal wurden zwei Vereine zusammengelegt, die bereits um die Jahrhundertwende aktiv waren. Einer davon, Athletico São Paulo, zählt zu den Ersten der brasiliansichen Fußball-Liga. In seinem Gründungsjahr 1901 war Fußball in Brasilien noch nicht populär. Die Briten hatten den Sport mitgebracht, daher spielte man in den ersten Jahren ausschließlich im elitären Kreis britischer Einwanderer beziehungsweise in der Oberschicht.

corinthiansDamit kommen wir zu den Corinthians Paulista. Dieser Verein wurde 1910 gegründet und sollte, im Gegensatz zum “britischen” Prinzip, ein Fußballverein für alle, also auch für die einfachen Arbeiter sein. So wurde auch der Name der englischen Amateurmannschaft “Corinthians” übernommen, die im Jahr 1910 alle Spiele gegen brasilianische Teams (Oberschicht) gewannen. Das Image des “Arbeiterclubs” haftet den Corinthians bis heute an und wird liebevoll gepflegt. Dies gilt im übrigen auch für das elitäre Image des FC São Paulo, der passenderweise sein Heimatstadion in Morumbi hat, einem wohlhabenden Stadtteil São Paulos.

PALMEIRASPalmeiras, die Dritten im  Bunde, gibt es seit 1914. Gegründet wurde der Club von Corinthians-Anhängern italienischer Abstammung, die, inspiriert durch den Besuch zweier italienischer Fußballvereine, nun ihr eigenes Team haben wollten (typisch Italiener!): genannt Palestra Itália – heute Palmeiras. Schnell wanderten viele ehemalige Corinthians-Anhänger ab, die in der Folge als Verräter bezeichnet wurden. Bis heute lebt diese Rivalität und die beiden Clubs sind wirklich erbitterte Gegner.

Also stark vereinfacht: Elitär = SPFC / Proletarisch = Corinthians / Proletarisch mit Niveau = Palmeiras

Vorgestern standen Palmeiras gegen Corinthians im Heimatstadion der Corinthians “Pacaembu” in der Entscheidung zum brasilianischen Fußballmeister. Palmeiras war schon lange raus, aber die Corinthians hatten als Tabellenerster eine gute Chance, wenn sie das Spiel gewinnen oder der Tabellenzweite, Vasco da Gama aus Rio, nicht mehr als ein Unentschieden schafft. Zweiteres ist geschehen und im Anhang der Jubel der Corinthians-Fans in unserem Veedel kurz nach Abpfiff.

Übrigens: unsere Straße scheint halbehalbe Corinthians/Palmeiras zu sein. Das können wir jeden Spieltag hören, wenn sich die Fans der beiden Mannschaften quer über die Straße Schimpfworte an den Kopf brüllen oder sich ein Gefecht mit Krachern liefern. Chupa (Sch…lutscher) ist dabei der Ausdruck allererster Wahl :-) pe

>>> zum Film Corinthians

2011 – ODYSSEE IN S.P.

admin am 3. Dezember 2011 um 13:41

2001

EIN DRITTES SCHWERGEWICHT

admin am 25. November 2011 um 21:14

palestra2palestra

BALD IST WEIHNACHTEN

admin am 25. November 2011 um 11:20

xmasSão Paulo macht sich für die Feiertage parat und das geht auch an unserem Condominio nicht spurlos vorbei. Seit Tagen werden Lichterketten und Lampen verkabelt, künstliche Tannengirlanden an den Eingängen drapiert und einen mechanischen Santa werden wir auch bald auf der Wiese haben, der den Deckel von einer Kiste abhebt, in der ein Schneemann wohnt. Jawohl! Alles wird mit ganz viel Sorgfalt und Liebe zum Detail hergerichtet und ich finde es ganz rührend, daher kann ich euch nicht den Blick vorenthalten, den wir neuerdings morgens haben, wenn wir den Aufzug verlassen! pe