EMBU

Embu ist ein kleines Städtchen in der Nähe von São Paulo. Dort haben sich Künstler, Kunstgewerbetreibende und eine Art Antiquitätenhändler niedergelassen. Am Wochenende ist Markt und dann geht da ordentlich die Post ab, denn neben den Paulistas, die dort allen möglichen Schnickschnack fürs Heim erwerben, ist Embu auch eine feine Touristenattraktion.

Wir haben uns diesmal Möbel angesehen und da gibts schöne Sachen für wenig Geld – zumindest wenn man das mit Deutschland vergleicht. Richtige Antiquitäten findet man dort warscheinlich nicht, aber die Möbel werden auf alt getrimmt, indem die Hölzer angeschliffen, mit Farbe bemalt und dann wieder abgeschliffen werden. Das verschiedene Male mit verschiedenen Farben und schon hats einen scheinbar alten, verwitterten Schrank, Stuhl oder Tisch. Hört sich vielleicht merkwürdig an, aber die Sachen haben was und da wir noch einen Tisch (etc.) brauchen … 😉

Richtig heftig ist allerdings der „Landhausstil“ à la Ponderosa oder so ähnlich. Wagenräder, schiefe Balken und fette Stämme in dunkel und massiv werden zu Sesseln oder Schränken verarbeitet. Keinen davon kann man einen Millimeter bewegen – also wenn’s steht, stehts. Aber die Brasilianer scheinen das toll zu finden. Hmmm?

Tinnef musste aber neben all dem Möbelgucken trotzdem her. Here we proudly present: Elsa!

Keine Ahnung, warum Perlhühner hier als Aufsteller chic sind – muß ich mal recherchieren – aber wir konnten auch nicht ohne 😉 pe

TAG AM SEE

 

Wir wollen ja nicht in Interlagos wohnen, aber so ein Tag am See: bitte gerne! Man kann dort Boote mieten und sich eine Weile über den See tuckern lassen. In der Mitte des Sees gibt es eine kleine Insel: Isla de Makakas, auf der wilde Affen leben. Die kleine Insel darf nicht betreten werden, weil Naturschutz, aber die Bootsführer haben ihre Tricks, um die Affen anzulocken. Füttern dann wohl zeitweise inklusive, obwohl man ja nicht auf die Insel darf … Ähm???

Wir haben auch tatsächlich einen Affen gesehen – siehe Jo’s Suchbild: „Doch, da is einer drauf!“ Yep, is auch einer drauf! 😉 Dazu: Wir haben eine neue Kamera weil Frau Bähner, die Königin im Sachen verlegen, letzte Woche in einem Taxi die Kamera „verlegt“ hat. Dieses Mal wird die Kamera wohl nicht wie von Zauberhand zurückkommen, wie diverse andere Gegenstände – Räusper – daher hats jetzt eine Neue mit verstecktem Zoom ;-)!

Wirklich bemerkenswert war die Skyline von São Paulo ganz weit hinten. Die Stadt ist schon irre! pe


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FAVELARÄUMUNG

Wir haben gerade erst erfahren, dass gestern morgen im Süden São Paulos eine Favela geräumt wurde. Über 1000 Menschen ohne Bleibe und ohne Aussicht auf eine. Da kommt mir mein Artikel über die Appartements wie eine Farce vor.

Das sind Kontraste, mit denen wir hier täglich zu tun haben und es ist schwer, damit umzugehen. Viele sagen, man gewöhnt sich daran. Ich glaube, man blendet es irgendwann aus. Am Sonntag sind wir mitten im Centro an einer belebten Straßenecke vorbeigekommen, wo ca 30 Menschen – Männer, Frauen und Kinder wohnen – auf Decken, Kartons und allem, was ein wenig warm hält. Armut gibt es auch in Deutschland. Aber das was wir hier sehen, ist damit nicht zu vergleichen. pe

ES GEHT VORAN

Wir haben unsere Carteiras – also die Ausweise, die bestätigen, dass wir jetzt in São Paulo leben und die für uns erstmal 180 Tage gültig sind. Damit stünde jetzt auch unserer Containerverschiffung nichts mehr im Weg und wir könnten in etwa 2 Monaten umziehen. Wie gesagt – alles noch im Konjunktiv und schnell auf Holz geklopft.

Daher haben wir jetzt Kontakt zu Wohnungsmaklern aufgenommen und gestern hatte ich die erste Besichtigungstour. Die ersten beiden Appartements hätte ich eigentlich gar nicht betreten wollen – Auweia! Aber man muß ja auch die Schattenseiten kennenlernen, um dann die Sonne genießen zu können 🙂

Das dritte Ding war der Hammer. Total 70ies, loftartig und über 2 Etagen mit Dachterrasse und Pool. Da hat das Mädchenherz einen Megahüpfer getan, weil es schon in Gedanken saucoole Sommerparties feiern wollte und sofort bereit war, den bisher nicht vorhandene grünen Daumen hervorzukramen, um die Zeit mit Hege und Pflege des noch nicht vorhandenen Dachgartens zu verbringen.

Aber Jungs sind da ja pragmatischer. Falsche Seite – die Terrasse geht nach Süden, was unserem Norden gleichkommt, weil selten Sonne. Ein Zimmer zu wenig. Vielleicht zu teuer. Warscheinlich zu teuer. Zu teuer. Im Moment! Den Aufzug hört man. Eventuell muß ein Dachfenster neu abgedichtet werden. Und die Planken um den Pool sind in einem schlimmen Zustand.

Hab trotzdem schon mal vorsichtshalber eine Skizze gemacht und virtuell Möbel verteilt 🙂

Die nächsten beiden Appartements waren ok, aber nicht begeisternd. Wie auch, nach Nr. 3 🙂 Die Aufteilung ist hier fast immer gleich. Die Wohnung gliedert sich in drei getrennte Bereiche: Küche + Waschküche + Raum fürs Personal / ein großer Wohn- und Essraum / weitere kleine Räume zum Arbeiten, Schlafen oder für die Kinder. Meist gibt es zwei Eingangstüren. Die eine führt direkt in die Küche und ist für die Empregada*, also die Hausangestellte. Die andere führt in den Wohnbereich. Je nach Budget fällt das Ganze großzügig oder lausig aus. Bisher haben wir eher zweiteres  gesehen, aber am Freitag gehts weiter mit der Besichtigungstour. Dann werden wir uns auch ein Haus anschauen – bin mal gespannt. pe

*EMPREGADA

Gleich Hausangestellte. Mit deutlich mehr Aufgaben als die „klassische“ Raumpflegerin in Deutschland. Meist ist sie so etwas wie die sogenannte gute Seele, kümmert sich ums Einkaufen, Kochen, Saubermachen und Waschen. Und um die Kinder, wenn vorhanden. Doch nicht immer mit dem Guten-Seelen-Status. Die hierarchische Trennung ist ganz klar.

Wir haben zur Zeit auch eine Empregada: Rosa, gesprochen Hossa.

Sie gehört hier zum Haus und reinigt jeden Tag die Wohnung, wäscht ab, macht da Bett uns so weiter. Warscheinlich lebt Rosa in einer Favela und fährt morgens eine halbe Ewigkeit mit dem Bus, um in die Stadt zu kommen. Sie hat drei Kinder und die sind ihr ganzer Stolz. Monatlich verdient sie etwa 300-400 RS, also zwischen 100 und 150 Euro. Soweit mein Informationsstand, zu mehr Konversation reicht mein portugiesisch leider noch nicht.

Letzten Freitag haben wir ihr das Trinkgeld für einen Monat gegeben – das waren 40 RS und laut Aussagen von Kollegen war das wohl mehr als ok. 10% ihres Monatslohns – im besten Falle. 15 Euro.

Vermutlich gehts Rosa besser als vielen anderen, weil sie einen festen Job hat.

Wir haben bisher gesagt, wir möchten keine Empregada, wenn wir ein eigenes Appartement haben. Weil wir unseren Kram gut selber erledigen können und weil es für uns ein sehr befremdendes Gefühl ist, eine Hausangestellte zu haben. Und nu?

Wie seht ihr das? pe

SOHO

Oh Gott, ich muß zum Friseur. Letzte Woche war es soweit. Ich hätte es ja noch länger aussitzen wollen, aber Babett meinte zurecht: Geh lieber, wenn deine Haare noch ungefähr so aussehen, wie du sie haben möchtest, damit die den Schnitt erkennen. Ich habe mir dann so ’ne Art Arno ausgesucht – heißt hier Soho – also großer Laden, jede Menge Frisuere, die Hälfte davon schwul und mit den unglaublichsten Farben im Haar. Blau ist gerade in! Und so ne Art 80er-Style. Passt ja 🙂

Dort läuft das so ab: Du entscheidest dich erstmal, ob du das Basic- oder Extendedprogram möchtest, das sich aber nicht auf die Art der Anwendung, sondern auf die Qualifikation des Friseurs bezieht. Das geht dann bis zum Artist … aber det hab ick mir nicht jetraut! Daher: Bitte Stylist.

Dann: Oberteil aus – Kimono an! Zum Glück ein chices Teil und cooler als der übliche Plastikumhang. Rückwärts auf eine Bahre, der Kopf wird auf ein kleines Söckelchen gebettet, das Ganze über dem Waschbecken. Man wählt dann verschiedenen Pflegeprodukte aus – kannte ich sogar: L’Oreal und Redken – und lässt sich aber sowas von den Kopf waschen.

Als nächstes auf dem Programm: Schulter-bzw. Rückenmassage. Und dann darfste an den eigentlichen Ort des Geschehens, bekommst doch noch den Plastikumhang, nen grünen Tee, Zeitschriften und den Stylisten. In meinem Fall Miori, eine kleine Japanerin und die einzige, die halbwegs Englisch sprechen konnte.

Die hat die ganze Zeit gekichert und fand meine Haare so babyhaft – na toll – jaja, die Menschen in Brasilien haben dickes kräftiges Haar – jaja, die Frauen tragen ihre Haare lang und erst wenn sie älter … und so weiter! Neben uns stand ein Lehrling, vermute ich, der in den Schneidepausen einen Spiegel an den Hinterkopf gehalten hat, damit ich überprüfen konnte, ob alles den rechten Gang geht. Ging es. Sehr vorsichtig – aber ok!

Um das Föhnen und das Styling habe ich mich dann selbst gekümmert – als Zuschauer Miori + Lehrling – die mein Getue aber doch faszinierend fanden. Das Ergebnis war absolut ok. Und mit 51 RS (18 Euro) ziemlich günstig. Jo meinte:  Man sieht ja gar nichts! Alles richtig gemacht 🙂 pe

TAG AM MEER

Eigentlich waren es drei, aber der Samstag letzter Woche gilt! Wegen des schönen Wetters. Und des Strandes! Von São Paulo fährt man etwa 2-3 Stunden zu den ersten schönen Stränden. Davor ist es doof, weil die Küste um Santos herum zwar eigentlich schön, aber voller chemischer Industrieanlagen ist! Und der Brasilianer hat es mit dem Umweltschutz ja nicht sooooo!

Wir haben einen der „Bähner-Spots“ aufgesucht – so nennt Jo immer die Orte, die ich schon von meinen vorherigen Besuchen kenne und ihm unbedingt zeigen muß – und waren in Jureia und Juquehi. Ich brauche diese Déjà-Vu’s und stehe dann immer vollkommen fasziniert an den Orten und muß ständig sagen: Ich hätte ja nieeee, geglaubt, dass ich hier nochmal hinkomme. Jo kann das übrigens lippensynchron 😉

Auf dem Weg dorthin haben wir die eigentlich Schnellspurtstrecke Rua dos Imigrantes verpeilt und sind auf der Rua Anchieta gelandet. Eigentlich tun sich die beiden Straßen nix, die Anchieta ist sogar schöner gelegen, aber dort quält sich der Fernverkehr die Serpentinen herunter während man auf der anderen chic und dreispurig mit 120 ans Meer brettern kann. Um ans Meer zu kommen, muß man über ein Bergmassiv. Dieses ist gleichzeitig auch die Wetterscheide und das quasi via An-und Ausschalter. Echt abgefahren – du fährst bei schönster Sonne – vor dir wirds neblig – knipps biste in der dicksten Suppe und hast  fortan und am Meer schlechtes Wetter, währende in S.P. die Sonne scheint.

Na ja, aber dafür hatten wir ja den Samstag! Ich möchte nicht klagen, aber der Sand überall, ständig eincremen – Nein :-): SONNE! STRAND! LECKER  PLATZ MIT LIEGE! LECKER WELLEN – HOHE WELLEN – SEHR HOHE WELLEN! LECKER CAIPIRINHA! LECKER  WELLENREITER/INNEN! LECKER GLOTZEN! ALLES GROSSARTIG!

Sonntags dann wieder eher trübes Wetter, Daher haben wir uns Rädschn geliehen, die besser funktioniert haben, als sie aussahen, und sind über Schlammpisten orteweise an der Küste weitergefahren. Das war schon ein bißchen Urwaldfeeling und das zurecht – die Wälder dort gehören zum Mata Atlântica, dem atlantischen Regenwald, der sich die gesamt Ostküste hochzieht und heute zum Teil unter UNESCO-Schutz steht.

Nachmittags zurück ins Städtchen S.P. und natürlich unbedingt via Imigrantes. Daraus wurde dann Landstraße, weil die Stimme von Otto – unserem elektronischen Zurechtfinder „der hat ja keine Ahnung“ nix galt und Monsieur Klein seiner inneren Stimme – sprich Eingebung gefolgt. Kommt schon mal vor. Und ist ja schön- so eine Landpartie von 250 km 🙂 Bis auf den Stau. Und die Polizeikontrollen.

Uns haben sie 2x kontrolliert, aber nix beanstandet. Dennoch – da geht schon ordentlich der Puls, weil man ja nie weiß, ob die Jungs gute Laune und „schon ausreichend nebenher verdient haben“, wie böse Zungen behaupten. Außerdem sehen die wirklich gefährlich aus: blaues Hemd, schwarze Weste, schwer bewaffnet, schwarze Hose, hohe Lederstiefel, Helm, dicke Brille –  Militärpolizei. Angeblich gibt es kein Pardon, wenn etwas nicht stimmt, man kann aber wohl verhandeln … trotzdem: besser den aufgefüllten Feuerlöscher unterm Sitz und auf jeden Fall alle Papiere dabei haben. Und freundlich sein! Aber das ist nach einem Wochenende am Meer ja nicht soooo das Problem 🙂 pe

BETTHUPFERL

 

Statt Schokolade: Die Überspannungssteckdose. Die Stomschwankungen sind hier so heftig, dass gerne mal die Netzteile der Geräte durchknallen. Daher immer rechtzeitig alles wieder aufladen. Und wenn das mal nicht klappt, muß Mann halt mit halbabrasiertem Bart in die Schule fahren … 😉 pe

ONLINE!

Adé Café do Ponto! Seit letzter Woche sind wir endlich im Appartement online. War ein bißchen Gefummel, aber jetzt haben wir eine funktionierende Leitung via Ethernet. Welt, du hast uns wieder! Übrigens könne wir jetzt auch telefonieren – daher legt euch doch bitte einen hübschen Skype-Zugang zu, dann können wir uns sogar zuwinken 🙂 pe

MOTORBOYS

Wie die Heuschrecken und man kann nicht Augen genug haben!!! Aber die Motorboys sind die einzigen, die es halbwegs schnell schaffen, durch die Stadt zu kommen. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass ihnen auf den meist dreispurigen Straßen der schmale Streifen zwischen linker und mittlerer Spur gehört. Das bedeutet: immer schön Abstand halten und beim Spurwechsel am besten den Beifahrer bitten, die Hand herauszuhalten, damit die Jungs das mitkriegen. Denn selbst bei Stau sausen die mit ca. 50 Sachen durch die Autokolonnen. Leider gibt es daher auch täglich ca. 8 Tote.

Neuerdings gibt es die Regelung, dass nur noch eine Person pro Motorrad erlaubt ist. Funktioniert super, wie man sieht 🙂 Das Gesetz ist erlassen worden, da der Beifahrer bei Raubüberfällen auf der Straße derjenige mit Knarre ist. Das hat riesen Proteste und einen tagelangen Streik gegeben – und da stand S.P. still – keine Lieferungen, keine Post, kein Fastfood – nix hat mehr geklappt. Seitdem sehen das alle wieder locker! pe

PAULISTA VON OBEN

Höher gehts nicht in São Paulo, es sei denn, man besteigt den Helikopter. Das ist die Avenida Paulista: Bankenmeile und höchste Stelle der Stadt. Die Straße ist wie eine Schneise und teilt die Stadt nicht nur geographisch, sondern auch sozial: Auf der einen Seite Jardins mit seinen Villenvierteln, auf der anderen Seite gehts runter ins Centro. Die großen Masten auf den Dächern sind nachts zum Teil in quitschbunten Farben beleuchtet und von weither sichtbar. pe

CENTRO


Sonntag: Unser erster Trip in die Altstadt von São Paulo. Hier prallen Welten aufeinander. Es gibt wunderbare Gebäude aus dem Ende des 19.Jh, die zum Teil renoviert sind, leider aber größtenteils verfallen. Ansonsten wird das Stadtbild von mehr oder weniger tristen und heruntergekommenen Hochhäusern geprägt. Die Altstadt muß einmal sehr schön gewesen sein, doch das kann man jetzt nur noch ahnen.

Leider ist es auch nicht ganz ohne, die Altstadt zu besuchen, da hier die Kriminalität sehr hoch ist. Daher hat uns Christian, ein Kollege von Jo begleitet, der sich gut auskennt, da er schon lange in São Paulo lebt. So wusste er auch, wo es gefährlich ist und man besser nicht aus dem Auto steigt und wo man relativ sicher herumlaufen kann.

Wir haben den Complexo Cultural Estaçao Júlio Prestes besucht. Zentrum ist der alte Bahnhof der Stadt Estação da Luz. Im Bahnhof selbst ist es sicher – drumherum wird einem schon mulmig, denn wie warscheinlich auf allen Bahnhöfen dieser Welt versammeln sich dort alle, die Drogen, Geld oder wer weiss was suchen. In der Nähe des Bahnhofes gibt es direkt einen Zweiten. Auch der ist in Betrieb, beherbergt aber zusätzlich einen Konzertsaal, den Sala São Paulo. Merkwürdige Vorstellung, auf der einen Seite des Gebäudes klassische Musik zu hören und auf der anderen Seite das Quitschen der Züge? Aber funktioniert wohl.

Direkt an den Bahnhof schließt sich die Estação Pinacoteca an. Das Gebäude war während der Militärdiktatur (1964-1985) der Ort, an dem Tausende von Menschen verhört und gefoltert wurden. Und verschwunden sind. Daher hat das Gebäude in Brasilien eine traurige Berühmtheit. Dort ist jetzt das Memorial da Resistênca. Die Ausstellung ist sehr bedrückend, da man die Räume wieder so hergerichtet hat, wie sie während der Diktatur benutzt wurden. Man begeht die Zellen der Gefangenen, liest Inschriften auf den Wänden und kann, sofern man portugisisch versteht, Tondokumente von Zeitzeugen hören. Dazu jede Menge Filmmaterial ansehen. Sehr gut gemacht – für uns halt leider kaum zu verstehen, da es keine englische Übersetzung gibt.

Zu dem Complexo Cultural Estaçao Júlio Prestes gehört auch ein Park mit tollem, alten Baumbestand und vielen Skulpturen, der Parque da Luz. Vor einigen Jahren hätte man einen Spaziergang dort warscheinlich nicht überlebt, doch es hat Bemühungen gegeben, den Park wieder sicher zu machen. Es gibt Wachen und so bleibt man relativ geschützt.

An den Park schließt sich die Pinacoteca do Estado an, das älteste Museum der Stadt. Von außen eher eine Ruine, aber innen eine Ausstellungshalle mit beindruckender Architektur. Dort findet man Kunst aus dem Bundesstaat São Paulo, eine Mischung aus Kunst aus dem 19. Jh und der Moderne. Wir hatten nicht viel Zeit, alle Ausstellungen zu sehen, holen das aber sicher bald nach, wenn es „ausnahmsweise“ mal wieder regnet … gerade scheint nämlich die Sonne! 🙂

Gerne hätten wir an unserem ersten Tag im Centro noch mehr angesehen, aber es wurde langsam dunkel und somit Zeit, die Altstadt zu verlassen. Denn bei Dunkelheit wollte auch unser Begleiter lieber im Auto bleiben. pe

>>> Website der Pinacoteca

ZG (CERVEJARIA & FRUITOS DE MAR)

 Da sind wir ganz zufällig gelandet. Eigentlich stand ein Besuch des Aquariums auf dem Plan. Nicht weil wir die absoluten Fischfreaks sind, sondern eher, weil wir davon ausgegangen sind, dass es dort WARM ist. Nach zwei Wochen Regen und Kälte ohne Heizung braucht man: WÄRME!!!

 

Na jedenfalls hat sich unser Navi verhaspelt – war wohl ein doch ein „Eingabefehler“ und so haben wir unser Ziel vor einer Autowerkstatt in Itaim Bibi erreicht. Das Aquarium war auf der anderen Seite der Stadt. Wieder zurückfahren? Neee! Daher Not/Tugend/Planänderung und von innen wärmen: Essen!

Das ZG – warum das so heißt ist mir überhaupt nicht klar – hat den Charme einer italienischen Markthalle. Hier muß man Fußball gucken – am besten Italien/Brasilien! Die Beamer und Leinwände geben Anlass zur Vermutung, dass das hier auch regelmäßig getan wird. Überall wuseln Kellner, es ist irre laut und urgemütlich. Es gibt eine Karte mit zig Bieren, die dort auch mittags schon reichlich konsumiert werden und genau ein Gericht, das mündlich offeriert wird: Fisch mit einem Drumherum, bestehend aus Scampis, Gemüse, Salat, Reis, Pürree, Farofa (geröstetes Maniokmehl), scharfen Soßen und auf Wunsch Bohnensuppe. Einfach, viel und sehr köstlich!

Der Patrone – zumindest macht er den Eindruck – wacht über allem, palavert und flirtet hier und dort, dirigiert seine Kellner und ist natürlich außerordentlich wichtig. Er sieht selbst aus wie ein dicker Karpfen und passt großartig in das Ambiente. Der ganze Spaß hat uns umgerechnet 36 RS gekostet – das sind 6,50€ pro Nase. Wir kommen wieder! Und: Wir wollten Fisch. Und hatten Fisch. pe