WASCHEN AUF BRASILIANISCH

maquina

Das mit der eigenen Kategorie fürs Handwerk war durchaus ernst gemeint … wenden wir uns nun dem Elektro/Sanitärwesen zu!

Waschmaschine
(gesprochen Màquina de lavar roupa)

Der Brasilianer wäscht seine Wäsche bevorzugt mit kaltem Wasser. Bah Pfui rümpft da die gute, deutsche Hausfrau die Nase, das wird doch nicht sauber!!! Wird es doch irgendwie. Das Wasser ist hier megaweich und daher scheint es eine sehr gute Waschkraft zu haben. Sagt man. Außerdem gibt es ja Chlor, das hier gerne und reichlich zur Reinigung eingesetzt wird! Wir finden das nicht so richtig und sind daher froh, unsere eigene Waschmaschine mit bakterienkillenden 60-95°C importiert zu haben. Anschließen und dem Brasilianer mal zeigen: Nicht nur sauber, sondern rein – Guten Abend! Haben wir gedacht:

1. „Dona da Casa“ macht sich Sorgen über Breite der Türen im Waschraum … 55 cm bzw. 58 cm … könnte knapp werden

2. Maschine kommt an – 62 cm

3. „Chefe da Familia“ montiert Front und Tür ab und baut Gerät an Ort und Stelle wieder zusammen

4. Maschine funktioniert nicht

5. Elektrolux-Fachmann wird verständigt

6. Elektrolux-Team kommt, will aber nichts machen, da Maschine 50 Hz hat. Hier sind 60 Hz normal. Handwerker hat aber Schwager, der günstig gebrauchte Geräte vertickt, schlägt vor, Maschine mitzunehmen und Gebrauchte zu verkaufen

7. Chefe da Familia berät mit Kollegen – Ergebnis: ist Quatsch, Handwerker will abzocken.  50 Hz funktioniert – kann nur leichter kaputt gehen

8. Anderer Handwerker/Elektriker (Empfehlung) kommt – mißt und stellt fest, Platine ist kaputt, hat Feuchtigkeit abbekommen. Hat Bruder, der gebrauchte Geräte vertickt, will uns gebrauchte Maschine verkaufen

9. Wir entscheiden, neue Platine zu bestellen (billiger) und aus Deutschland mitbringen zu lassen

10. Senior Klein organisiert, Peter bringt mit (Zeitfenster 2 Wochen)

11. In der Zwischenzeit Waschsalon (sehr teuer) und Handwäsche

12. Neue Platine ist da, Elektriker kommt

13. Maschine funktioniert nicht

14. Elektriker nimmt Teile mit zum prüfen

15. Prüfung ohne Ergebnis – Maschine definitiv kaputt

16. Elektriker schlägt vor, Maschine zu verschrotten (Gerät 8 Monate alt) und vom Bruder eine Gebrauchte zu kaufen

17. Wäscheberge stapeln sich – 2 Monate ohne Waschmaschine – Waschsalon und Handwäsche – Dona und Chefe entscheiden, Deal zu machen, Maschine soll Samstag (heute) eintreffen

18. Elektriker ruft Freitag an – Deal klappt nicht – Bruder hat keine Maschine

19. Dona und Chefe entscheiden, ganz Neue zu kaufen

20. Dona checkt online Geräte kleiner als 58 cm – wird fündig

21. Dona und Chefe testen Geräte in verschiedenen Läden – Angaben stimmen nicht, Maschinen zu breit oder zu tief

22. Ein Gerät hat 59 cm – Dona hysterisch, Chefe sehr verstimmt

23. Chefe schlägt vor, 60 cm Maschine in der Küche zu installieren

24. To be continued …

Ach tut das gut, die Sch**** mal aufzuschreiben! Irgendwann können wir darüber lachen. Ich geh dann jetzt mal „waschen“ 🙁 pe

HANDWERK AUF BRASILIANISCH

telefon

Es lohnt sich, zu diesem Thema eine eigene Kategorie zu eröffnen. Mittlerweile hatten wir mit diversen Bereichen der Handwerkskunst zu tun: Internet, Telefon und TV, Elektroinstallation, Sanitärwesen, Maler und Lackierarbeiten sowie Gärtnerei. Und wir können zu folgendem Schluß kommen: Nichts ist so wie es scheint und man sieht sich immer mehrmals. Und: Gelassenheit ist eine Tugend, die, wenn man sie nicht hat, am besten umgehend gelernt werden sollte. Aber nun alles hübsch der Reihe nach!

Internet, Telefon und TV – auch genannt NET
(gesprochen Netschie)

NET ist hier der Monopolist, d.h. braucht man Telefon, TV  oder Internet, kommt man an NET nicht vorbei. Sie sind die günstigsten und schnellsten mit dem besten Angebot. Sagt man. Die Beantragung erfolgt online und ist sehr übersichtlich und gut strukturiert. Dann wird ein Termin mit einem Team von Technikern vereinbart, die das Gewünschte im Heim installieren. Einfach, oder? Haben wir auch gedacht:

1. Techniker sollen Basisinstallation von TV, Intermet und Telefon vornehmen, Zeitfenster von 12-18h

2. Techniker kommen um 19h, wir nicht mehr da

3. Erneuter Anruf bei NET (ca. 1 Stunde, das Gespräch führt ein, der portugisischen Sprache mächtiger Kollege von Jo, da man durch mehrere Instanzen weiterverbunden wird – sehr kompliziert) und Terminvereinbarung 2 Tage später, Zeitfenster 6 Stunden

4. Techniker kommen und installieren alles. Internet + Telefon fehlen noch im Büro

5. Anruf bei NET (ca. 1 Stunde wie gehabt) wegen Büro

6. NET-Mitarbeiter kommt und nimmt die Wünsche entgegen, um dann 2 Tage später ein Team zu schicken, das alles installiert

7. Wünsche: Verlegung des Internetzugangs + TV im Haus, Organisation der vielen, in alle Richtungen laufenden Kabel, Installation eines zweiten Internetzugangs und Telefon im Büro

8. Team kommt nicht (Zeitfenster 6 Stunden)

9. Erneuter Anruf bei NET (ca. 1 Stunde wie gehabt) und Terminvereinbarung 1 Woche später, Zeitfenster 3 Stunden

10. Techniker kommt, kann aber nichts machen, weil für anderen Spezialbereich

11. Zweiter Techniker kommt und montiert das Gewünschte im Büro und erhält von der „Dona da Casa“ eine Kurs im rechtwinkligen Kabelverlegen – der Brasilianer ist da ja nicht sooooooo

12. Telefone funktioniern nicht mehr

13. Anruf bei NET (ca. 1 Stunde wie gehabt), Terminvereinbarung 3 Tage später, Zeitfenster 6 Stunden

14. Techniker kommt zu früh – keiner da

15. Techniker kommt nochmal,  kann aber nichts machen, weil für anderen Spezialbereich. Verständigt anderen Techniker

16. Anderer Techniker kommt am nächsten Tag und installiert Telefon. Dabei liegen Kabel wieder diagonal, kreuz und quer, Techniker erhält ebenfalls Kabelverlegungskurs – „Dona da Casa“ am Rande der Hysterie – Nein: hysterisch

17. To be continued …

Wenn wir hier nicht lernen, ganz entspannt mit den Unwägbarkeiten des Alltags umzugehen, lernen wir es nirgendwo auf der Welt 😉 pe

ULTIMO ADÉUS

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch für Begräbnisstätten und daher lohnt es sich ja immer, im Urlaub auch mal einen Friedhof zu inspizieren – abgesehen davon, dass es dort meistens ruhig und friedlich zugeht.

Also wir auf den Cemitério São Paulo in Pinheiros direkt umme Ecke und mal gucken, wie der Brasilianer so begräbt. Mein lieber Scholli! Ganz schön heißblütig, die Herren Steinmetze! Da kann das mit der Besinnung ja durchaus in eine andere Richtung gehen.

Es sind wunderschöne Skulpturen zu sehen, wie die meistbesprochene São Paulos, das Ultimo Adéus von Alfredo Oliani (siehe oben). Die Einen sehen darin ein wunderbares Beispiel der ästhetischen Erotik, die Anderen empfinden es als Missbrauch der Grabeskunst. Uns gefällt’s! pe

IN KÖLLE JEBÜTZT

Erst mal: Kölle Alaaf aus São Paulo! Hoffe, ihr habt heute ordentlich Gas gegeben 🙂 Aber was musste ich denn da lesen? In Kölle jebützt – das Motto für die Session 2010 mit der Erklärung:

„Das Motto ist eine Aufforderung an alle, sich vom Kölschen Lebensgefühl anstecken zu lassen. Außerdem zeigt es die Verbundenheit zwischen zwei Menschen – wo geknutscht wird, schlägt man sich nicht!“

Ja klar, Herr Kuckelkorn, make Love, not War! Das wird sicher eine schöne Weiberfastnacht: Menschentrauben in lustvoller Umarmung, kopulierende Massen auf dem Heumarkt, Matratzenlager in den angesagten Kneipen, Kondome gratis und „Schetähm“ neu interpretiert als kölsche Karnevalshymne! Ach herrlich! 😉 pe

RECYCLING

pap_03

Das Papierrecycling ist in São Paulo einfach. Man muss nur jemanden fragen, der genug Leute kennt (Donisätschi) und schon kommt ein alter Mann mit Holzkarren und lädt auf. Er hat fast den gesamten Papierberg vor dem Haus in seinem Karren verstaut und ist dann zu Fuß über die lärmenden Straßen den Berg hoch Richtung Vila Mariana gelaufen, um das Papier gegen Dinheiros einzutauschen. 50 RS war der Haufen in etwa wert, das sind 20 Euro. Circa 1,5 Stunden später war er wieder da, um die Reste mitzunehmen.

Als ich ihn fassunslos gefragt habe, ob er das jetzt alles nach Vila Mariana den Berg hochziehen muß, hat er gelacht und gemeint, ich sei wohl nicht aus São Paulo! pe

CONTAINER „JETZT“

São Paulo / 04.11.09 / 9.00h / Vor einem Jahr zur gleichen Zeit ging uns der Hut, da wir auf dem Weg zum Standesamt waren. Nun geht er, weil der Container kommt! Irgendwie scheinen wir den 4ten im Abonnement zu haben?! 😉 Donisätschi (mdl.), der Sicherheitsbeauftragte, Parkticketverteiler und eigentlich die gute Seele der Straße, hatte schon früh morgens 4 Parkplätze freigehalten, so dass der LKW zackig einparken konnte.

Auweia, da isser! Eine lange Reise um die halbe Welt hat er hinter sich – knapp 4 Monate war er nun unterwegs – von Köln nach Bremen, dort zwischengelagert, dann nach Antwerpen, über den Atlantik in den Hafen von Santos, dort auf den Lkw nach São Paulo. Und jetzt steht er wieder vor unserem Haus! Mit unseren Sachen drin!

Hoffentlich ist alles heil! Hoffentlich sind keine Fische drin! Hoffentlich …! Hatte mal richtig heftig Herzklopfen und mir war ein bißchen schlecht! 😉

Die Plombe wurde aufgeknackt, die Tür entriegelt und aufgeschoben: Keine Fische (noch nicht mal die silbrigen)! Kein Moder! Kein Vandalismus der Zollbehörde! Und das Entladen war eine entspannte Sache von 1, 5 Stunden – zumindest für mich, da ich als Packlistenchefin schick die Herren nebst Kisten auf die verschiedenen Zimmer deligieren konnte!

Und dann durften wir auspacken und das war wirklich wie Weihnachten. An einige Sachen konnten wir uns gar nicht mehr erinnern. Manches hätten wir besser in Deutschland gelassen, anderes ist jetzt Gold wert! Endlich wieder ein scharfes Messer! Richtige Teller! Ein Sofa – nicht mehr auf dem Teppich sitzen! Ein richtiges, breites Bett!

Bücher!  Klamotten – wobei ich die warmen jetzt wirklich nicht mehr brauche 😉 Ach ganz toll!

Der Umzug war zwar ein riesen Heckmeck und wahrscheinlich würden wir es nicht noch einmal so machen. Aber jetzt, wo die Sachen da sind, ist es ein irre schönes Gefühl! Eben ein richtiges Zuhause! Und irgendwie merkwürdig, dass die Sachen, die wir das letzte Mal in Köln vor 4 Monaten gesehen haben, jetzt „auf einmal“ in Brasilien sind! pe

 

PARANAPIACABA

Kann man leichter aussprechen, wenn man hinter Parana eine kleine Pause einlegt und dann Piacaba anschließt. Übrigens auch ein prima Wort mit sechs A’s für vertrackte Scrabble-Buchstabenklötzchen-Kombinationen. Aber eigentlich gehts ja um etwas ganz anderes!

Nämlich um unseren chicen Allerheiligenausflug gemeinsam mit Kollegen von Jo in die Serra do Mar, also in das Gebirge zwischen São Paulo und Santos, wo es nur so wimmelt von Regenwald. Dort wurde 1860 im Zuge der Industralisierung von einer britischen Gesellschaft, die es zur São Paulo Railway-Company gebracht hat, eine Bahnlinie als Verbindung zwischen Santos und São Paulo gebaut. Haltepunkt und Umladeplatz war das strategische perfekt gelegene kleine Örtchen Paranapiacaba mitten in der Serra.

Auf „Indio“ heißt der Ort: Platz um das Meer zu sehen –  nicht ohne Grund, denn eine tiefe Schneise am Ortsausgang bietet, sofern es keinen Nebel gibt, eine perfekte Sicht über das Küstengebirge Richtung Santos. Aber da haben wir den Salat: Es gibt nie „keinen Nebel“, denn durch die Schneise steigt der Nebel wie durch einen Kanal, konzentriert und strudelig in den Ort auf. Das hat eine ganz eigentümliche Stimmung zur Folge: Sonne, Nebelschwaden, spontaner Wechsel von hell zu dunkel, von warm zu kalt usw. – also perfekt, wenn man plant, Depression zu bekommen.

Und sehr spooky. Man hat das Gefühl – und nicht nur wegen des Nebels – im London Mitte des 19 Jhd. zu sein. Die Gebäude der Arbeiter sind nach britischem Vorbild erbaut: Dunkelrote Holzhäuser mit kleinen Vorgärten, rechtwinklige Straßen mit breiten Hauptachsen und schmalen Nebenwegen, Haustypen für die verschiedenen Schichten – Typ A für die Fremdarbeiter, Typ C für den Chefingenieuer, Clubhaus, Markthalle usw. Das Skurrilste ist allerdings der große Bahnhofsuhrturm zwischen den Gleisen – nur „Big Ben“ genannt.

Aufgrund seiner Eigentümlichkeit und Schönheit ist der Ort  zum Landeserbe erklärt worden und schickt sich derzeit an, in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen zu werden. Für den Bereich Industrialisierung/Eisenbahn.

Wir werden den Ort auf jeden Fall noch einmal besuchen, denn wir haben noch nicht sooo viel gesehen und man MUSS eigentlich mit der Eisenbahn dorthin fahren. Eine direkte Linie gibt es allerdings erst ab Mitte November – daher wars diesmal das Auto – natürlich, wie hier üblich, mit einem feinen Stau der uns, gemeinsam mit einer analphabetischen Aushilfskellnerin um das Vergnügen gebracht hat, eine ausgedehnte Wanderung nebst Besichtigung zu unternehmen. pe

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