CARNAWOW!

Hier der zweite Teil Karneval und diesmal durchaus euphorischer als weiter unten zu lesen. Am Freitagabend, besser gesagt Freitagnacht haben wir uns Gewinner des diesjährigen Karnevals im Sambodromo angesehen. Das war wirklich toll! Die Kostüme, die Wagen, die Tänzerinnen und Tänzer  … Wahnsinn!

Das Procedere läuft so: Jede Sambaschule studiert eine 65 minütige Parade entlang der 500m langen Strecke ein – besonders heftig, weil bis zu 6.000 Personen mitspielen und choreografiert werden möchten! In dieser Zeit präsentiert sich die Schule der Jury und wird nach 9 Kriterien bewertet, unter anderem: Idee, Bateria – also der Rythmus, Handlung, Phantasie, Harmonie usw. Insgesamt können in allen Kategorien 10 Punkte erreicht werden. Die Gewinner landen in der ersten Liga, die Verlierer rutschen in die Zweite ab und haben es im folgenden Jahr etwas schwerer, an Sponsorengelder zu kommen.

Der Aufbau einer Parade ist fast immer gleich: vorab Phantasiefiguren, die teilweise akrobatische Leistungen vorführen, dann die ersten Tanzgruppen, angeführt von einem Paar in Kostümen der Kolonialzeit, dann die ersten Wagen, bestückt mit Tänzerinnen, Tänzern und sehr gerne A,B,C-Promis, die im knappen Outfit als Königin ganz oben auf den Podesten stehen und für Promotion sorgen. Dann wieder Fußgruppen, Wagen, Fußgruppen usw. Zum Schluß kommt die Bateria mit den „Passistas“ – das sind DIE Tänzerinnen der Sambaschule, die besonders schön sind und besonders gut mit dem Popo wackeln können, siehe Film.

Jedes Jahr sucht sich die Schule ein neues Motto und es ist wirklich beeindruckend, wie phantasievoll das inszeniert wird. Zum Beispiel hatte eine Schule das Thema Wasser – das ging von der Tiefsee über ein Korallenriff bis zum Wellenreiter – von Süd- zum Nordpol und das mit allen Farben, die im und am Wasser zu finden sind. Wunderschön!

Eine andere Schule, die „Gaviões da Fiel“ (treue Falken), fest verbunden mit dem Fußballclub „Corinthians Paulista“ hatte das Thema „Corinthians … minha vida, minha história, meu amor!“ („Corinthians … mein Leben, meine Geschichte, meine Liebe!“) – entsprechend ging es ausschließlich um Falken, Fußball und der Anteil der sexy Tänzerinnen war meines Erachtens besonders hoch 😉

Etwas anstrengend ist allerdings auf Dauer die Musik für ungeübte Ohren, denn jede Schule hat nur einen Song, der 65 Minuten lang gespielt und gesungen wird. Da ist man dann doch etwas froh, wenn die Schule durch ist und ein Moment der Ruhe entsteht, bevor die Nächste mit dem nächtsen Song kommt. Hier die bateria extra für Thorsten 🙂

Die Pradaden in den Sambadromos lohnen sich wirklich, ich glaube, phantasievoller, prachtvoller und schöner geht es nicht! Dagegen können die Rosenmontagszüge einpacken! Aber ich bleibe dabei: das Karnevalfeiern in Kölner Kneipen ist mit nichts zu toppen! 🙂 pe

CARNAVAL

Ihr seht schon – det hab ick mit C und A geschrieben – machen die hier so (Den Rest, also wie man das nennt, was in der Folha de S.P. so plakativ abgedruckt ist, lerne ich gerade – daher die wilde Beschriftung!) Aber nicht nur die Schreibweise von Karneval ist anders, eigentlich ist hier alles anders bis aufs Bier trinken, Singen, Tanzen und Knutschen – letzteres wohl besonders in Rio sehr ausgiebig, wie auf Spiegel online zu lesen war.

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K: 6 Tage / SP: 2 Wochen
Der Brasilianer kann es wohl nicht abwarten, bis Karneval anfängt und deswegen beginnt er einfach etwas früher ;-). Etwa 2 Wochen lang gibt es die Paraden der Blocos in den Stadtvierteln. Das sind Gruppen mit Trommlern und Tänzern, die jedes Jahr einen anderen Song einstudieren und den bis zum Ohr auswringen hören. Ist vielleicht so ’ne Trance-Geschichte aus Afrika? Zufällig sind wir in Vila Madaleina in eine solche Parade geraten. War so lustig, dass wir einen Tag später die Vorbereitung der Banda Redonda angeschaut haben – das ist einer der ältesten Blocos und bezieht seine Mitglieder hauptsächlich aus dem Theater-Umfeld – entsprechend waren die Besucher – von total normal bis zigfach operierter Transe war eigentlich alles dabei. Hier die Filme. Achtung: die Soundqualität ist ziemlich lausig – einfach drüber hinweghören!

K: 1 Motto / SP: zig Motti
Neben den Blocos gibt es die großen Sambaschulen der Stadt, die ihre Parade im Sambodromo veranstalten. Für jedes Jahr überlegt sich die Schule ein Motto, welches möglichst sponsorentauglich sein sollte, um finanzielle Unterstützung der Werbeindustrie zu erhalten. Jedoch Obacht – Sponsor und Motto sollten nicht zu ähnlich klingen, sonst gibt es Abmahnung oder Verbot. Wie dieses Jahr: Die Schule Rosas de Ouro (goldene Rosen) hatte sich für das Motto Kakao entschieden und als Sponsor die bekannte brasilianische Schokokette CacaoShow ergattert. Oder war es umgekehrt – die Schule ist 7-facher Champion ??? Jedenfalls hieß das offizielle Motto Cacao & Show … und abputzen … die mussten neu ran! Daraus wurde dann: O Cacau é Show“ (Der Kakao ist eine Show!) Naja, auch sehr ähnlich … aber der Brasilianer ist das ja nicht soooo und die durften starten! Die Schule hat übrigens wieder gewonnen. Leider haben wir dieses Jahr keine Karten für das Sambodromo gehabt, aber mit etwas Glück können wir uns morgen die Desfile dos Campeões, also die Parade der Gewinner dort anschauen. Werde berichten!

K: -5 °C / SP: 35 °C
Logisch, dass da die Kostümwahl etwas anders ausfällt. Rechts das Kostüm der Sambakönigin Viviane Araúju aus Rio. Da waren im Vorfeld viel Fleißarbeit im Studio und sicher einige „Abnäher“ von Nöten 😉 … aber gelohnt hat es sich! Die Dame ist bekannt für ihre Rückseite.

K: deutsches Liedgut / SP: Samba
Das Mitsingen ist unheimlich wichtig – das sind sich die Kölner und Brasilianer total einig. Und so, wie in Köln jeder den Text kennt, ist das auch hier. Es gibt die traditionellen Samba-Carnaval-Songs, aber wohl auch Neues. Aber so oder so – wir hatten da Auszeit. Und haben heimlich: „In d’r kaygass numero noll“ mitgesummt … vielleicht macht mal einer eine brasilianische Variante?! 😉

K: Wie war es denn bei euch?
Gab es dieses Jahr Glühwein statt Kölsch? Wurden die bösen, bösen Heizpilze doch wieder ausgepackt? Hat man wirklich das Rauchverbot gelockert? Wie lief das denn mit den dicken Klamotten in den Kneipen, bzw. von -5°C bis um die 30°C??? Das stell ich mir wirklich schwierig vor. Und was hattet ihr an? Bin sehr neugierig und hatte am Donnerstag ganz schlimm Heimweh nach Köln – da ist nämlich der Karneval immer noch am schönsten !!! 🙂 pe

JAHR DES TIGERS

Am 14ten Februar beginnt offiziell das Jahr des Tigers laut chinesischem Kalender. Aber der asiatisch-stämmige Brasilianer ist da ja nicht sooooo, daher wurde das Ganze hier am letzten Samstag und Sonntag gefeiert. Ort des Geschehens: der Stadtteil Liberdade in der Nähe des Centros.

Liberdade ist das kulturelle Zentrum der größten Ansiedlung von Japanern außerhalb Japans und der Einfluß asiatischer Kultur ist überall in São Paulo spürbar. Es hält sich das geflügelte Wort: „Willst du in São Paulo einen Studienplatz haben, musst du erst einmal einen Japaner um die Ecke bringen.“ Ja, so ist das hier! Aber das Asiatische hat natürlich eine – auch für künftige Studenten – angenehme Seite:  japanische Restaurants mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis gibt es fast an jeder Ecke. Wir stehen besondes auf Rodizio – das bedeutet, du zahlst etwa 45 RS (18 Euro) und hast dafür „All you can eat“, zum Beispiel: gebratene Pilze (Shimeiji), Frühlingsröllchen, Temaki, Misosuppe, Lachshaut, Tempura, warme und kalte Nigiri, Californias, Sashimi usw. … hmmm, üppige und feine Sache!

Einen Teil dieser Köstlichkeiten gab es auch am Sonntag, als wir das Neujahrsfest besucht haben. Auf dem Praça da Liberdade waren, wie jedes Wochenende, jede Menge kleiner Stände aufgebaut mit allem Möglichen an Firlefanz und Gedöns – von billig-Asia-Schrott bis hin zu durchaus Brauchbarem, wie zum Beispiel Kochgeschirr aus Bambus. Den Markt säumen zig Asialäden mit einer sehr guten Auswahl. Dort versorge ich mich immer, wenn es mal wieder eine Thom Kha Gai oder ähnliches geben soll – KnickKnack 😉

Anpfiff war um 13 Uhr, dann nämlich, als eine kleine Parade mit Drachen und Kriegskunstdarbietungen (KungFu und wie sie alle heißen) die Vorbereitung zum Countdown und Neujahrs-Feuerwerk gegeben haben, das pünktlich um 14 Uhr abgeschossen wurde. Na ja, am hellichten Tag … aber geknallt hats fein 😀 Warum das allerdings nötig war, wenn der Tiger erst am 14ten seine Krallen schärft, weiß ich nicht.

Appropos Tiger: hier was uns 2010 erwartet:

Während das Jahr 2009 vom trägen Büffel dominiert wurde, der Zähigkeit, Disziplin und Geduld verlangt, sprüht das Jahr des Metall Tigers nur so vor Energie und Abenteuerlust. Entsprechend unruhig werden die Zeiten sein, die da auf uns zukommen. So manche emotionale Achterbahnfahrt ist zu erwarten und so manche riskante Transaktion wird uns in Aufregung versetzen. Aber wer mit Risikofreude ausgestattet ist und turbulente Abwechslung liebt, wird das Jahr des Tigers schätzen. Zum Mut und der Verwegenheit des Tigers gesellt sich noch die Schärfe des Elements „Metall“, was die Unruhe unterstreicht und ihr eine heftige Note verleiht. Sturm ist also angesagt! Es kann durchaus zu radikalen Entscheidungen kommen, im positiven Sinne zu mutig entschlossenem Durchgreifen und Umsetzen. War 2009 ein gefühlter Monsun ist 2010 ein schneidender Polarwind.

Na denn, warm anziehen! Aber das müsst ihr in Deutschland ja gerade sowieso … ähmm Räusper sorry 😉 pe