UMZIEHEN

Im Oktober haben wir bereits mit der Wohnungssuche begonnen. Nach guter, deutscher Tradition mit viel Vorlauf, um uns eine Meinung bilden zu können und natürlich um rechtzeitig an die guten Wohnungen in dem Viertel heranzukommen, das wir uns ausgesucht haben. Alles Käse! In Brasilien läuft das anders.

A) Es wird nicht gekündigt – das Wort Kündigung existiert im Brasilianischen nicht – wer hätte das gedacht – siehe brasilianisches Nein 😉 – man verlängert der Vertrag einfach nicht mehr und formuliert das in einem netten Brief an den Vermieter, bevor man das Weite zu suchen gedenkt.

B) Man kündigt – ach natürlich: verlängert den Vertrag nicht mehr – einen Monat vor Umzug. Das heisst, theoretisch beginnt die Phase der Wohnungssuche, wenn die alte Wohnung bereits nicht verlängert ist. Und auch erst dann nehmen Makler Notiz und fangen an, sich ein wenig zu kümmern. Oder dich mit deinem Anliegen, eine Wohnung zu finden, ernst zu nehmen.

C) Ist ein geeignetes Objekt via Internet enttarnt, wird das Interesse ausgesprochen und im besten Falle eine Vorreservierung vorgenommen. Ab dann hat man (laut Makler) genau 48 Stunden Zeit, folgende Papiere zu transferieren: Gehaltsbescheinigung, Visakartenauszug + Limit, Kontoausszüge der letzten drei Monate, Gas-, Wasser- und Telefonrechnungen um beweisen zu können, dass man in Brasilien lebt, diverse Formulare zur Person, zur Person des Ehegatten und der jeweiligen Eltern.

Des Weiteren braucht man in Brasilien eine Bürgen um eine Wohnung mieten zu können, der glaubhaft versichern muß, dass er im Falle des Nichtzahlenkönnes der Mieter flüssig genug ist, um die Rechnungen zu begleichen. In unserem Falle ist das die Schule bzw. eine Gesellschaft, die der Schule angehört. Auch hier werden reichlich Unterlagen benötigt, die die Solvenz des Bürgen unter Beweis stellen – bishin zur Unterschrift des Vorstandes und der Bilanz des Unternehmens. Also ein Wahnsinn an Papierkram, damit auch ja nix passieren kann und niemand behaupten kann, er hätte nix gewusst.

D) Liegen alle Unterlagen vollständig vor (was bei uns dann doch zwei Wochen gedauert hat), wird der Vorgang an den Vermieter weitergereicht und der sagt dann ja oder nein. In unserem Falle hat er heute ja gesagt – vier Tage bevor die Kündig … Nichtverlängerungsfrist abgelaufen ist. Puuuh!

E) Daraufhin begeben sich alle Mann in die Wohnung, um dort eine Abnahme vorzunehmen und bis ins Kleinste zu dokumentieren, wie der Ist-Zustand ist. Denn werden bei Auszug Mängel festgestellt, die vorher nicht da waren, muß der Mieter dafür aufkommen.

F) Verträge werden in der Regel für 30 Monate angesetzt. Zieht der Mieter vorher aus, muß er eine Multa – also Strafe zahlen, die sich auf Basis der Miete und der abgelebten Mietzeit berechnet. Wir werden also noch fett zur Kasse gebeten, da wir ja nur 15 Monate hier im Haus gewohnt haben. Aber das rechnet sich, denn der neue Mietzins ist nur halb so hoch wie der zur Zeit anfallende.

Als dann, Ende gut alles gut und schnell auf Holz geklopft – wer weiß, was noch kommt??? pe

11 Gedanken zu „UMZIEHEN

  1. gucki moni,

    tun wir auch. aber da der euro im letzten jahr eine unglaubliche talfahrt angetreten hat – und wir ja von deutschland aus bezahlt werden – ist das mit der zeit einfach zu teuer geworden. daher adé häuschen und hellou appartement 😉

    beijos *pe

  2. Ja Glückwunsch das kommt ja richtig gut zum Fest, Stress pur scheinbar! ich hoffe es ist das richige Viertel und Ihr werdet euch schnell eingewöhnen!

    Bei uns steht Karneval vor der Tür also auch Stress pur bei den Vorbereitungen!

    Wann wird denn umgezogen?
    Und für wie lange bleit Ihr dann da!

    Best Grüße und ein frohes Neues Jahr in Sauo Paulo auch an Klaus und Ulla!!!

    besito Bodo

  3. yep – stress pur! ich hatte ja so hoffnungsvoll geschrieben „wer weiß, was noch kommt“ und da kam einiges! heute haben wir die wohnung abgenommen und das protokoll erstellt. heute muß eigentlich auch der vertrag unterzeichnet werden, da die besitzerin in urlaub fährt – aber es gibt noch keine einigung bzgl der klauseln, die nun seit tagen zwischen immobilienagentur, schule und uns hin- und her geschickt werden. tja, mieten könnte so einfach sein 😉 als dann, vermutlich ziehen wir in den nächsten beiden wochen um und dann bleiben wir erstmal dort. nochmal möchte ich das hier in são paulo nicht mitmachen!

    liebe grüße
    *pe

  4. nachtrag: die vermieterin ist noch am gleichen tag von ihrem vorhaben, uns die wohnung zu überlassen, zurückgetreten. wir haben sofort begonnen, erneut zu suchen und sind dabei auf ein altes appartement gestossen, das wir im november schon mal in der engeren auswahl hatten. damals war dem vermieter der zeitraum zu lang – er wollte die bude gerne sofort loswerden. aber auch er hatte pech mit potenziellen mietern, die spontan wieder abgesprungen sind und nun steht er ohne da – wir auch und das sollten doch nun wirklich gute voraussetzungen sein, heute ein positives feedback zu bekommen. MANN!

  5. Oh, my goodness…das klingt ja alles saukompliziert und brächte einen Bürokraten wie mich 😉 direkt auf die Palme, von wegen keine Kündigung und ähnliches.
    Dann bleibt mir an dieser Stelle nur fest die Daumen zu drücken, dass die Traumwohnung jetzt mal angetrabt kommt, das bitte im bevorzugten Barrio oder wie heißt das auf Portugiesisch!
    In Deutschland wäre Immoscout ein nützlicher Partner…
    Also, toi, toi, toi!
    Pat

  6. danke pat … und stimmt – bairro heißt das 🙂

    tja es bleibt spannend – wir haben gestern eine tolle wohnung im richtigen bairro entdeckt – sofort alles mit der imobiliária klargemacht und die papiere liegen dem vermieter schon vor – nicht mal drei stunden hat das gedauert, da ja alles schon zig mal kopiert und beglaubigt wurde.
    hoffentlich klappt es diesmal – das haben wir uns wirklich verdient, bei der ganzen rennerei und telefoniererei diese woche.

    ja, bitte drückt von deutschland aus die daumen …

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