1x FRADIQUE UND ZURÜCK

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4 Tage in der Woche mache ich mich entweder per Bus oder zu Fuß auf in den unteren Teil von Pinheiros, um dort entweder Geist oder Körper zu ertüchtigen. Jetzt könnte eigentlich schon wieder der kleine Diercke herbeizitiert werden, aber ein Link auf Google Maps ist in diesem Fall einfacher.

>>> Karte

Vor einer Woche habe ich die Kamera mitgenommen und in der Galerie befindet sich nun unser Lieblingsviertel fotografisch mit Erläuterungen! Wie lange es noch die charmante Mischung aus Groß und Klein, Hoch und Niedrig, Teuer und Billig gibt, ist leider nur eine Frage der Zeit. Die alten Häuser werden sukzessive abgerissen um Platz für neue Condominios und damit mehr Wohnraum zu schaffen. pe

FESTAS JUNINAS

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Die Festas Juninas werden in Brasilien traditionell den ganzen Juni über gefeiert. Zurück geht der Brauch auf den Johannistag, welcher nach dem hl. Johannes benannt ist, der etwa ein halbes Jahr älter gewesen sein soll, als Jesus. Und zack: 24ter Juni.

In dieser Nacht werden rituell die Johannisfeuer angezündet, die auch mit Sommersonnenwende und Verehrung der Sonne zusammenhängen und zusätzlich böse Dämonen abwehren sollen. Landwirtschaftlich betrachtet feiert man das Ende der Schafskälte und leitet die Erntesaison ein. So weiß es Wikipedia.

In Brasilien hat man den Brauch von den Portugiesen übernommen, die hier im 16 Jhd. alles erobert und klar gemacht haben. Man feiert ihn auf ähnliche Weise: Es gibt die Feuer, die auch leuchtende Ballons oder ein Feuerwerk sein können, man kleidet sich traditionell mit Strohhut und Karohemd, führt Quadrillen auf oder tanzt Forró und futtert die ganze Zeit komische Maissüßigkeiten. Am kommenden Samstag werden wir ein Festa Junina in Jo’s Schule besuchen und dann werde ich diesen Bericht noch mit Fotos ergänzen, wenn was brauchbares dabei ist.

Was mir besonders gut gefällt ist die Tatsache, dass der Brasilianer quasi 3 in 1 feiert, denn es wird gleichzeitig auch noch São Antonio (13.06) und São Pedro (29.06) gedacht. Also auch kein Wunder, dass man den genauen Termin für die Party nicht so einfach bestimmen kann und den ganzen Juni über feiern muß!

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São Antonio fällt dabei eine ganz besondere Rolle zu, denn er hat neben vielen Patronaten wie: dem Wiederauffinden von verlorenen Gegenständen (daher auch der Name Schlampertoni), Fieber, Schiffbruch, Atltwerden, gute Ernte, auch das für Fruchtbarkeit und Geburt. Die letzten Beiden sind  für die Brasilianerin interessant, denn Antonio wird vor allem von ledigen Frauen verehrt, die sich dringend einen Mann herbeiwünschen.

Laut Brauch läuft das hier so ab: Man kaufe eine Antonio-Statue (möglichst zweigeteilt, d.h. Christuskind extra), stelle sie auf und nehme Antonio das Kind sofort wieder weg (Kidnapping?). Das Kind wird separat aufbewahrt (Portemonnaie oder so) und das so lange, bis der Gatte gefunden und geehelicht wurde. Dann gibt man Antonio das Kind wieder zurück und alle sind glücklich. Alternativ kann man auch, sollte der Antonio nur 1-teilig vorliegen, die Statue kopfüber ins Wasser tauchen (Folter?) und ebenfalls solange in diesem Zustand belassen, bis ein geeigneter Gatte vorliegt.

Als ich die Geschichte vorgestern von meiner Portugiesisch-Lehrerin Marilena erzählt bekam, musste ich wirklich laut lachen, denn der Pragmatismus des Brasilianers, selbst beim Verehren von Heiligen, ist wirklich kaum zu überbieten. 😉 Lache eigentlich jetzt noch … pe

DER KLEINE DIERCKE

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Schon einige Male habe ich davon erzählt, dass wir kurz ans Meer gefahren sind und damit ihr euch das alles mal besser vorstellen könnt, gibts heute eine Karte zur Ansicht.

Auf der oberen Karte seht ihr den Großraum São Paulo – hier leben etwa 20 Mio. Menschen. Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 60 x 80 Quadratkilometern und liegt auf einem Hochplateau (ca. 800m über NN). Vom Zentrum bis zur Küste sind es ca. 80 km – das heißt, die Strecke ist bei normalem Verkehr in einer Stunde zu schaffen.

Um an die Küste zu gelangen, durchquert man die Serra do Mar – den atlantischen Küstenurwald, der unter Naturschutz steht und vor São Paulo bis zu 1200m hoch aufsteigt. Ihr könnt euch denken, wie steil es demnach runter ans Meer geht.

Auf der unteren Karte seht ihr die Küstenregion. Von Santos, der Hafenstadt mit den Wackelzahnhäusern, habe ich ja schon erzählt. Ebenfalls von Guarujá – das war das verregnete Wochenende. Dieses Mal gehts um den südlicheren Teil.

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Praia Grande wird der Ort genannt – ist aber auch Synonym für den gigantischen, geraden Strand, der 37km lang sein soll. Im Sommer wimmelt es nur so von Menschen, aber in dieser Jahreszeit ist es schön leer und weitläufig, daher fein für ausgedehnte Strandspaziergänge. Dennoch dürfen die Tinnefverkäufer nicht fehlen und auch die Strandwagen-Gastronomie funktioniert bestens, damit der Brasilianer nicht auf sein Choppé gelado oder einen Caipirinha verzichten muß. Das wollten wir übrigens auch nicht 😉

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2 Brücken verbinden Praia Grande und São Vicente – wir haben die kleinere und ältere genutzt, um auf die andere Seite nach São Vicente zu gelangen. Die Stadt selber ist nicht sooo interessant, daher sind wir schnurstraks hoch auf eine Landzunge gefahren, von der aus man einen tollen Blick auf die lange Bucht von Santos haben soll. Praktischerweise befindet sich ganz oben auch ein Restaurant und ein Aussichtspunkt, gestaltet von Herrn Niemeyer, der ja an keinem neuralgischen Punkt in Brasilien fehlen darf. Ob dieses Bauwerk allerdings eines seiner gelungensten Werke ist, na ich weiß nicht?

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Die Aussicht ist wirklich spektakulär, auch wenn sie am besten vom Restaurant aus zu genießen ist, was natürlich heißt, sich dort hinzusetzen und etwas zu verzehren, was sich die Gastronomen natürlich etwas kosten lassen – daher besser dort nichts essen. Aber so what – man kann ja auch „naturbreit“ werden 😉 pe

IN BRASILIEN IST ES IMMER WARM!

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BEEEEP – falsch! Seit meiner Rückkehr aus Deutschland sitze ich mit einem Heizofen und dickem Pulli vor dem Computer. Und all die mitgebrachten schönen Sommerkleidchen dürfen einstweilen im Schrank auf wärmere Zeiten warten. Menno!

Kalt heißt hier so um die 11-14°C. „Stellt euch nicht so an“, mögt ihr vielleicht jetzt denken. Aber 11°C in São Paulo sind nicht unbedingt mit 11°C in der Kölner Bucht zu vergleichen. Das fängt schon damit an, dass die Häuser hier keine Heizungen haben und das Thema Wärmedämmung im brasilianischen Bauratgeber vermutlich ganz hinten unter „Vermischtes“ steht.

Die Häuser kühlen sehr schnell aus und werden klamm. Schränke sollten daher via Luftentfeuchter getrocknet werden, da in dieser Zeit der Schimmel fix bei der Sache ist. Andereseits ist die Luft im Winter aber trocken – daher empfiehlt sich eher ein Luftbefeuchtungsgerät, damit die Augen nicht zu jucken beginnen. Und schon haben wir den Salat! Übrigens: wir besitzen weder das Eine, noch das Andere 😉

Und wenn man so hübsch weit oben wohnt, wie wir gerade, kann es, nachdem die Sonne weg ist (wenn sie überhaupt da war), richtig zugig und frisch werden. Die Fenster lassen sich leider auch nicht vernünftig schließen – sehen dafür aber stylisch aus.

Dass es hier keine Heizungen etc. gibt, verstehe ich ja irgendwie, denn bei den 1-2 Monaten Kälte im Jahr lohnt sich der ganze Aufriss wohl kaum. Außerdem kann man ja etwas dazu kaufen: Elektroradiatoren, Gasöfen (die allerdings in Appartments strikt verboten sind, woran sich aber keine Socke hält 😉 ) oder lustige Halogen-„Placebo“-Heizöfen (siehe Bild oben). Die sehen nach richtig viel Wärme aus, aber tatsächlich fühlt man das nur, wenn man etwa 20 cm davor steht. Möchte man damit einen ganzen Raum heizen, kann das schon mal etwas dauern und vor der nächsten Stromrechnung habe ich jetzt schon ein bißchen Angst. Last but not least: Wer es sich leisten kann, nutzt in dieser Zeit den offenen Kamin. Für alle anderen muß es mit dicken Pullis, Schals, Mützen und Handschuhen gehen.

Wie zum Beispiel bei Avanete, die heute morgen dick vermummt bei uns eintrudelte und naturgemäß eine fette Grippe hat. Möchte mir gar nicht vorstellen, wie kalt es bei ihr zuhause ist. Sie sagte, sie wärmen von innen und meinte damit einen heißen Kakao oder Tee. Bei von innen wärmen fällt mir ja was anderes ein und ich nehme an, Cachaça, also der hiesige Zuckerrohrschnaps, ist in dieser Jahreszeit auch ein probates Mittel, um der Kälte entgegen zu wirken.

Tja, gerade ist irgendwie eine verkehrte Welt … und daher ihr Lieben: genießt den Sommer und die schönen warmen Temperaturen! Jetzt bin ich auch mal awoi neidisch 🙂 pe