FESTAS JUNINAS

festa

Die Festas Juninas werden in Brasilien traditionell den ganzen Juni über gefeiert. Zurück geht der Brauch auf den Johannistag, welcher nach dem hl. Johannes benannt ist, der etwa ein halbes Jahr älter gewesen sein soll, als Jesus. Und zack: 24ter Juni.

In dieser Nacht werden rituell die Johannisfeuer angezündet, die auch mit Sommersonnenwende und Verehrung der Sonne zusammenhängen und zusätzlich böse Dämonen abwehren sollen. Landwirtschaftlich betrachtet feiert man das Ende der Schafskälte und leitet die Erntesaison ein. So weiß es Wikipedia.

In Brasilien hat man den Brauch von den Portugiesen übernommen, die hier im 16 Jhd. alles erobert und klar gemacht haben. Man feiert ihn auf ähnliche Weise: Es gibt die Feuer, die auch leuchtende Ballons oder ein Feuerwerk sein können, man kleidet sich traditionell mit Strohhut und Karohemd, führt Quadrillen auf oder tanzt Forró und futtert die ganze Zeit komische Maissüßigkeiten. Am kommenden Samstag werden wir ein Festa Junina in Jo’s Schule besuchen und dann werde ich diesen Bericht noch mit Fotos ergänzen, wenn was brauchbares dabei ist.

Was mir besonders gut gefällt ist die Tatsache, dass der Brasilianer quasi 3 in 1 feiert, denn es wird gleichzeitig auch noch São Antonio (13.06) und São Pedro (29.06) gedacht. Also auch kein Wunder, dass man den genauen Termin für die Party nicht so einfach bestimmen kann und den ganzen Juni über feiern muß!

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São Antonio fällt dabei eine ganz besondere Rolle zu, denn er hat neben vielen Patronaten wie: dem Wiederauffinden von verlorenen Gegenständen (daher auch der Name Schlampertoni), Fieber, Schiffbruch, Atltwerden, gute Ernte, auch das für Fruchtbarkeit und Geburt. Die letzten Beiden sind  für die Brasilianerin interessant, denn Antonio wird vor allem von ledigen Frauen verehrt, die sich dringend einen Mann herbeiwünschen.

Laut Brauch läuft das hier so ab: Man kaufe eine Antonio-Statue (möglichst zweigeteilt, d.h. Christuskind extra), stelle sie auf und nehme Antonio das Kind sofort wieder weg (Kidnapping?). Das Kind wird separat aufbewahrt (Portemonnaie oder so) und das so lange, bis der Gatte gefunden und geehelicht wurde. Dann gibt man Antonio das Kind wieder zurück und alle sind glücklich. Alternativ kann man auch, sollte der Antonio nur 1-teilig vorliegen, die Statue kopfüber ins Wasser tauchen (Folter?) und ebenfalls solange in diesem Zustand belassen, bis ein geeigneter Gatte vorliegt.

Als ich die Geschichte vorgestern von meiner Portugiesisch-Lehrerin Marilena erzählt bekam, musste ich wirklich laut lachen, denn der Pragmatismus des Brasilianers, selbst beim Verehren von Heiligen, ist wirklich kaum zu überbieten. 😉 Lache eigentlich jetzt noch … pe

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