DIE ZOCKER VON IGUAPE

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Iguape ist eine kleine Kolonialstadt im Süden des Bundesstaates São Paulo und etwa 2,5 Autostunden (unter normalen Bedingungen – dazu ein ander‘ Mal mehr) von São Paulo entfernt. Nah am Meer gelegen, mit einer vorgelagerten Insel, der Ilha Comprida, einem reichhaltigen Angebot an Krustentieren und Fischen aufgrund der üppigen Mangrovenlandschaft, einem fruchtbaren Tal im Rücken – also allem, was man rein geografisch gut gebrauchen kann, um eine florierende Handelsstadt zu werden.

Das wurde man auch – vor allem dank des Reisanbaus und dessen guter Qualität – sodass Mitte des 19Jhds blühender Wohlstand herrschte: 5 Reisfabriken sorgten dafür, dass wöchentlich etwa 10 Frachtschiffe Richtung Europa aufbrechen konnten, Banken handelten die Deals aus und finanzierten die Unternehmungen, 6 Zeitungen kursierten, es gab ein reichhaltiges kulturelles Angebot, zum Teil mit europäischen Künstlern und sogar ein französisches Konsulat. Im Netz las ich, dass die Stadt etwa die Bedeutung Rios oder Salvadors hatte – damals. Heute nicht mehr. Was war denn da los?

Nun, der Abtranport der Waren aus dem Hinterland lief den findigen Geschäftsleuten einfach nicht perfekt genug, denn die Ware musste über einen Fluß, den Ribeira, transportiert werden, wurde dann auf Wagen umgeladen, zu einem Hafen gebracht und konnte dort erst verschifft werden. Doof, wenn man das Ganze doch theoretisch komplett auf dem Wasserweg lassen und damit logistisch vereinfachen könnte, indem man einen Kanal baut, der Fluss- und Seeweg miteinander verbindet um damit die künftige wirtschaftliche Lage aufs Feinste zu optimieren.

Gesagt – Antrag gestellt! Dank der Bedeutung der Stadt gelang es, das Anliegen beim damaligen König Don Pedro II vor- und durchzubringen, sodass der Kanal dann 1855 fertiggestellt werden konnte, stolze 4 km lang. Doch leider hatte man die Rechnung ohne den Fluss gemacht: Die Wassermassen hatten nun eine prima Abkürzung Richtung Meer, wurden reissender und spülten gleich mal alles drumhherum mit weg. Iguape Land unter!

Kein Hafen mehr, keine Geschäfte mehr und somit gab es einen rapiden wirtschaftlichen Abstieg, der zur Folge hatte, dass viele Bewohner die Stadt verliessen. Die wenigen, die blieben hatten mit einem weiteren Problem zu kämpfen, denn der Bestand an Krustentieren und Fischen dezimierte sich rasch aufgrund der ernormen Süßwassermengen.

Erst durch die Einwanderung der Japaner Anfang des 20ten Jhds. stabilisierte sich die Region wieder. Heute werden dort Reis, Tee und Bananen angebaut, Krustentiere gefangen und der Tourismus wird sanft und ökologisch gefördert. pe

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