EUKALYPTUS

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Das, was gerade so hübsch dekorativ auf unserem Tisch steht und den ganzen Raum mit natürlichen ätherischen Ölen beduftet ist das Abfallprodukt dessen, mit dem ihr euch evtl. gerade die Nase putzt – auch ätherische Öle drin, diesmal künstlich.

Die Eukalyptusindustrie ist gigantisch in Brasilien, denn hier gedeiht die schnell wachsende Pflanze, die ursprünglich aus Australien kommt, besonders gut. Verarbeitet wird das Holz zu Zellulose, aus der nach Bleichung Papier gewonnen wird. Und da haben wir direkt vier Probleme auf einmal:

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Die Eukalyptusplantagen verdrängen den tropischen Küstenurwald, wie wir im Sommer auf unserer Reise nach Salvador selber sehen konnten. In den Urwäldern wachsen normalerweise pro Hektar 450 Baumarten und 92 Prozent aller Amphibienarten leben ausschliesslich dort. Heute sind noch 7% des ursprünglichen „Mata Atlântica“ erhalten und viele Pflanzen- und Tierarten sind ausgerottet.

Nicht nur die Tiere wurden verdrängt, sondern auch die dort lebenden Bauern, die ihre Felder für die Industrie räumen mussten und als Arbeiter auf den Plantagen angestellt wurden. Durch den Einsatz technischer Hilfsmittel werden immer mehr Stellen gestrichen und das führt zu Arbeitslosigkeit und großen Konflikten.

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Die Bäume werden als Monokulturen gepflanzt, um die Plantagen einfacher bewirtschaften zu können. Ein Eukalyptusbaum entzieht dem Boden jede Menge Wasser, 30 Liter braucht er am Tag. Das hat zur Folge, dass Flüsse oder Wasserquellen austrocken und der Grundwasserspiegel absinkt. Damit veröden ganze Landstriche und werden für Jahre unbrauchbar.

Um aus dem kleingehackten Eukalyptusholz Zellulose zu gewinnen, muss es gebleicht werden und das macht der Brasilianer am liebsten mit Chlor. So wurde das Farbrikabwasser verseucht und Arbeiter, die dauerhaft damit in Kontakt waren, erkrankten an Krebs. Heute verwendet man weniger giftige Chloride, doch die Grundwasserwerte sind dauerhaft kritisch.

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Da schaut man ein hübsches, weißes Taschentuch schon mit anderen Augen an, oder? Zum Glück ist aber alles langsam auf dem Weg der Besserung, da man die Probleme erkannt hat. So werden immer mehr Zertifikate installiert, die nachhaltig und sozial gerechtes Papier kennzeichnen, denn damit kann Druck auf die Papierriesen ausgeübt werden.

Also achtet beim Kauf von Papier auf die Gütesiegel, wie den „blauen Engel“, „FSC“ oder „Oecoplan“, denn das hilft der Natur und den Menschen hier. Und ich genieße jetzt trotzdem den tollen Duft im Wohnzimmer. pe

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