SÃO PAULO RELOADED

bairro

So langsam kommen wir runter. Der Umzug ist geschafft, unsere Sachen haben zum größten Teil ihren neuen Platz gefunden und nun beginnen wir, uns neu einzuleben.

Wir wohnen jetzt in Pinheiros (auf der rechten Seite in der Linkliste findet ihr einen Link zu Google Maps). Dieses Bairro hatten wir schon vor langer Zeit als unser Liebstes gekürt, denn hier vermischt sich Neues und Altes São Paulo auf wunderbare Weise: Es gibt noch die kleinen Stadthäuschen neben den hohen Wohntürmen. Es gibt noch kleine schimmelige Läden neben exklusiven Ladenlokalen. Gastronomisch geht auch fast  alles und sozial ein Nebeneinander verschiedener Schichten – wobei es keine Favelas mehr gibt (soweit ich weiß).

Wir sind nun urbaner unterwegs (geht das überhaupt in São Paulo – noch urbaner???) und haben beide festgestellt, dass es genau das ist, was wir leben wollen. Das Haus war toll, aber rückblickend nicht unser Lebensstil – das haben wir in der ersten Woche hier gemerkt. Das liegt sicherlich am schönen Appartment, mit dem wir wirklich großes Glück gehabt haben – oder sollte ich sagen: die Belohnung für unsere große Anstrengung und das viele Pech im Januar? 😉

Wir haben beide das Gefühl von „São Paulo reloaded“. Es scheint, eine große Last ist abgefallen (nicht nur finanziell) und das Lebensgefühl ist leichter, unkomplizierter und freier. Vielleicht hat sich im Haus in den letzten anderthalb Jahren eine schlechte Energie angesammelt – vielleicht war dort durch den harten Anfang in São Paulo irgendwann alles nur noch geprägt von Komplikation, Stress, Verlust? Oder wars einfach nur zu feucht? Keine Ahnung, aber irgend so etwas wirds wohl sein.

Als dann, schaun wir mal, was nun kommt. Anbei ein kleiner Film von unserem Umzug und der neuen Wohnung (allerdings ohne wüste 60er Parties – Thorsten 🙂 pe

>>> move

APPARTEMENT

Habe mich zum Schluß gar nicht mehr getraut, eine Erfolgsmeldung zu veröffentlichen, da jedesmal wenn ich es tat oder jemandem geschrieben habe, dass etwas geklappt hat, sofort das Gegenteil eingetreten ist.

Insofern glich unsere Wohnungssuche einer Odyssee, wie ihr lesen konntet, aber letzten Freitag um 14.30h Ortszeit São Paulo hat die Vermieterin den Vertrag unterzeichnet. Dieser muß nun noch vom Bürgen gegengezeichnet werden und dann können wir umziehen.

Der Umzug ist für den nächsten Samstag geplant, wobei das Umzugsunternehmen heute erstmalig zu uns kommen soll, um einen KVA abzugeben, die Lage zu peilen und um jede Menge Kartons dazulassen – die kann man hier nicht im Baumarkt kaufen – das geht nur über das Unternehmen. Der Termin ist um 10h, aber um ehrlich zu sein, rechne ich nicht damit, dass jemand kommt, denn heute ist ein Brücken-, morgen ein Feiertag. Da ist der Brasilianer lieber am Meer. Aber warten wir es ab …

Oben seht ihr unser neues Haus – vielmehr das, in welchem sich unser Appartement befindet. 11 Stock – Nr. 113 – also nix für abergläubische Menschen oder solche mit Höhenangst. Jetzt denkt ihr bestimmt: Ach du Sch …, oder? 😉 Haben wir auch, bis wir das Appartment von innen gesehen haben. pe

CHUVA

chuva

Heisst Regen und wenn der hier runterkommt, dann gerne richtig. Angekündigt hatte sich dieser Wolkenbruch bereits, als wir gerade das Haus verlassen haben, um „mal wieder“ eine Wohnung zu besichtigen. Auf dem Rückweg gings dann prächtig zur Sache. Innerhalb kurzer Zeit sind die Straßen vollgelaufen, denn mit diesen Regenmassen kommt kein Gulli mehr klar. Einen Vorteil hat das Ganze: Das Auto ist nun wieder sauber 🙂 Naja, und die Wäsche muß wohl nochmal in die Maschine … Grrrr. pe

Hier zu Demonstration >>> chuva

UMZIEHEN

Im Oktober haben wir bereits mit der Wohnungssuche begonnen. Nach guter, deutscher Tradition mit viel Vorlauf, um uns eine Meinung bilden zu können und natürlich um rechtzeitig an die guten Wohnungen in dem Viertel heranzukommen, das wir uns ausgesucht haben. Alles Käse! In Brasilien läuft das anders.

A) Es wird nicht gekündigt – das Wort Kündigung existiert im Brasilianischen nicht – wer hätte das gedacht – siehe brasilianisches Nein 😉 – man verlängert der Vertrag einfach nicht mehr und formuliert das in einem netten Brief an den Vermieter, bevor man das Weite zu suchen gedenkt.

B) Man kündigt – ach natürlich: verlängert den Vertrag nicht mehr – einen Monat vor Umzug. Das heisst, theoretisch beginnt die Phase der Wohnungssuche, wenn die alte Wohnung bereits nicht verlängert ist. Und auch erst dann nehmen Makler Notiz und fangen an, sich ein wenig zu kümmern. Oder dich mit deinem Anliegen, eine Wohnung zu finden, ernst zu nehmen.

C) Ist ein geeignetes Objekt via Internet enttarnt, wird das Interesse ausgesprochen und im besten Falle eine Vorreservierung vorgenommen. Ab dann hat man (laut Makler) genau 48 Stunden Zeit, folgende Papiere zu transferieren: Gehaltsbescheinigung, Visakartenauszug + Limit, Kontoausszüge der letzten drei Monate, Gas-, Wasser- und Telefonrechnungen um beweisen zu können, dass man in Brasilien lebt, diverse Formulare zur Person, zur Person des Ehegatten und der jeweiligen Eltern.

Des Weiteren braucht man in Brasilien eine Bürgen um eine Wohnung mieten zu können, der glaubhaft versichern muß, dass er im Falle des Nichtzahlenkönnes der Mieter flüssig genug ist, um die Rechnungen zu begleichen. In unserem Falle ist das die Schule bzw. eine Gesellschaft, die der Schule angehört. Auch hier werden reichlich Unterlagen benötigt, die die Solvenz des Bürgen unter Beweis stellen – bishin zur Unterschrift des Vorstandes und der Bilanz des Unternehmens. Also ein Wahnsinn an Papierkram, damit auch ja nix passieren kann und niemand behaupten kann, er hätte nix gewusst.

D) Liegen alle Unterlagen vollständig vor (was bei uns dann doch zwei Wochen gedauert hat), wird der Vorgang an den Vermieter weitergereicht und der sagt dann ja oder nein. In unserem Falle hat er heute ja gesagt – vier Tage bevor die Kündig … Nichtverlängerungsfrist abgelaufen ist. Puuuh!

E) Daraufhin begeben sich alle Mann in die Wohnung, um dort eine Abnahme vorzunehmen und bis ins Kleinste zu dokumentieren, wie der Ist-Zustand ist. Denn werden bei Auszug Mängel festgestellt, die vorher nicht da waren, muß der Mieter dafür aufkommen.

F) Verträge werden in der Regel für 30 Monate angesetzt. Zieht der Mieter vorher aus, muß er eine Multa – also Strafe zahlen, die sich auf Basis der Miete und der abgelebten Mietzeit berechnet. Wir werden also noch fett zur Kasse gebeten, da wir ja nur 15 Monate hier im Haus gewohnt haben. Aber das rechnet sich, denn der neue Mietzins ist nur halb so hoch wie der zur Zeit anfallende.

Als dann, Ende gut alles gut und schnell auf Holz geklopft – wer weiß, was noch kommt??? pe

Zeitungleser01Das Jahr geht zu Ende, wir machen es uns jetzt im Kreise unserer Lieben gemütlich – bei euch mit Schnee, hier ohne – und freuen uns auf ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein Neues, hoffentlich angenehmeres und leichteres Jahr mit positiven Begebenheiten, Erfolg und Glück.

Das letzte Jahr war warscheinlich für uns alle nicht einfach, viel hat sich verändert und sehr oft stand es im Zeichen des Tigers: Krallen ausfahren und kämpfen. Dabei vergessen wir manchmal, wie gut wir es eigentlich haben, denn jeder sitzt ja in der eigenen Soße der Befindlichkeiten – Vergleiche sind daher schwer zu ziehen.

Und ich mach es jetzt trotzdem mit dem Blick ins Wohnzimmer eines  vermeintlichen Zeitunglesers, der sich bei genauerem Hinsehen als Pappkartonlandschaft entpuppte und auf sehr reale Weise offenbart, wie viele Menschen leben müssen!

Boas Festas ihr Lieben! Pe&Jo

STENCILS

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Was dem Paulistano das Graffitti, ist dem Buenos Airesser das Stencil, also das Sprühen mittels einer Schablone. Diese Kunst braucht in der Vorbereitung Zeit und Fingerfertigkeit mit dem Skalpell, aber einmal angefertigt, kann mit der Schablone ganz schnell – und dadurch im besten Falle unerkannt – ein Bild zigfach reproduziert werden, eine Botschaft zigfach transportiert werden. Und darum gehts!

Der Ursprung der Bewegung ist wohl in der Zeit des argentinischen Ausnahmezustandes von 2001 zu finden, als klassenübergreifende Proteste gegen die Regierung stattfanden, mit der Forderung: „Que se vayan todos!“ / „Alle sollen verschwinden!“ Gefordert wurde das Verschwinden aller politischen Parteien und die komplette Neustrukturierung des Landes. Zu dieser Zeit entstanden die ersten, politisch motivierten Stencils und sehr rasch explodierte die Bewegung.

Heute findet man Stencils fast an jeder Wand. Häufig überlagern sich die Motive – dort wo einer anfängt, gesellt sich bald ein Anderer dazu und so weiter. Hier ein Film zum Thema. Der ist zwar auf spanisch, aber man versteht auch so, worum es geht, wie es geht und was geht. pe

>>> zum Film

FERIEN IN EUROPA

Schön wars, in Buenos Aires. Vor zwei Wochen war ich dort – diesmal ohne Jo – dafür mit Nicole, meiner Freundin aus Deutschland, die uns zuerst in São Paulo besucht hat, dann gemeinsam mit mir nach Buenos Aires geflogen ist, um danach auf eigene Faust Argentinien bis runter nach Feuerland zu durchreisen. WOW!

Von Buenos Aires sagt man, es sei die europäischste Stadt Südamerikas. Stimmt! Die Gebäude und Straßenzüge erinnern an Paris oder Madrid – man hat den Eindruck, hier ist ein Stück europäischer Kultur konserviert worden.

 

Man sagt, dort gäbe es das beste Fleisch und den besten Rotwein. Stimmt! Ohne Worte – man muß beides ausprobieren! In argentinischen Restaurants in Deutschland schmeckt das Fleisch ja schon toll, aber wenn es quasi frisch vom Rind aus der Pampas auf dem Teller landet, ist das nochmal geiler. Und das umgerechnet für 6 Euro bei 250 Gramm.

 

Die Stadt des Tango. Stimmt! Leider, denn alle Nase lang wird einem eine „Original Tangoshow“ via Flyervertrieb auf der Straße offeriert, da der Tanz gerade wieder in Mode gekommen ist. Wie so etwas abläuft, haben wir unfreiwillig in La Boca gesehen – muß man nicht haben.

 

Man kann in Buenos Aires bestens shoppen. Stimmt! Vor allem im Viertel Palermo, das rein zuuufällig auch unser Standort war. Wir wohnten dort in einem chicen Loft (siehe Galerie) – sehr angemessen für eine Mädchenfreizeit 🙂 Leider gilt auch in Buenos Aires: Konfektionsgröße 36-38 ist eindeutig im Vorteil.

Bei soviel „Stimmt“ kommt die Frage, was eigentlich überraschend war?

 

Zum Beispiel das Grab von Eva Perón, der bis heute beliebtesten Person in Argentinien. Begraben ist sie auf dem Friedhof in Recoleta, einem zentralen Stadtviertel. Der Friedhof ist nebenbei einer der touristischen Hotspots in Buenos Aires. Erwartet haben wir ein Mahnmal der Extraklasse – gefunden eine vergleichsweise schlichte Grabstätte in einer schmalen Gasse am Rand des Friedhofs. Gefunden auch nur deshalb, weil vor uns eine Touristengruppe in diese Gasse marschiert  ist.

 

Überraschend war auch der Aufmarsch der Mütter auf dem Plaza de Mayo. Die Demonstration der „Madres“ gibt es seit 1977 mit beginnendem Ende der Militärdiktatur. Anfangs war die Demo lebensgefährlich, denn jederzeit hätten die Teilnehmerinnen abgeführt werden können – so ist auch die Gründerin „einfach“ verschwunden. Ungeachtet dessen und unterstützt durch die Bevölkerung haben die Frauen weitergemacht und jeden Donnerstag treffen sie sich seitdem auf dem Platz, um die Aufklärung der Verbrechen und die Strafe für die Schuldigen zu fordern, indem sie eine halbe Stunde lang stumm um den Platz marschieren, da stehender Protest zu Zeiten der Militärdiktatur verboten war. Das war sehr beeindruckend, sind doch die Frauen in der ersten Reihe mittlerweile in den 80ern. Und wenn man in ihre Gesichter schaut, bekommt eine Idee von dem Leid, das die Diktatur hervorgebracht hat.

 

Ich hätte nicht gedacht, dass es in Buenos Aires einen „Rheinauhafen“ gibt 😉 Nennt sich Puerto Madero, ist ein extrem chices Viertel und hat mich im ersten Moment wirklich an Köln erinnert, denn auch in Buenos Aires sind die alten Hafengebäude und Kräne restauriert und mit neuen, modernen Gebäude ergänzt worden.

 

Sehr enttäuschend war La Boca. Das Viertel hat den Ruf, eher gefährlich für Touristen zu sein, daher beschränkt sich ein Spaziergang dort auf drei Straßen. Dort flanieren dann alle zwischen den bunten Häusern – demzufolge blüht der Tourismus mit Tangovorführungen, Ins-Restaurant-Schleppern, Ständen mit allem Originalkitsch und Souvenirs made in China. Hin und Weg – und das im wortwörtlichen Sinne!

 

Unerwartet das Highlight: das Konzert von Rammstein. Nicole hatte die goldene Idee, Karten zu organisieren und so standen die Damen auf der Gästeliste und konnten durch einen separaten Eingang direkt auf die Tribüne flanieren. Das war sehr gut so, denn wie sich später herausstellte, gab es unten auf der Pista nur einen Eingang, durch den die Menschen hereinströmen konnten und Bilder von der Love Parade in Duisburg wurden wach. So kam es auch zu einer Unterbrechung des Konzerts, da die Situation zu eskalieren drohte und man erst dafür sorgen musste, dass die Leute im Pulk Luft und Platz bekommen konnten, bevor das Konzert weiterging. Rammstein haben ihrem Ruf, die Grillmeister der Metalbranche zu sein, alle Ehre gemacht. Und auch wenn ich kein Metalfan bin, war das Konzert extraklasse 🙂

Als dann, die 5 Tage Buenos Aires fühlten sich an wie Ferien in Europa. Schön und auch vertraut. Und haben dann auch einer Idee, eventuell in Buenos Aires die Abwesenheit von Deutschland um eine weitere Periode zu verlängern, ein Ende bereitet. Europa kann man auch in Europa haben. 😉 pe

KOMMUNIKATION

Wenn ich heute auch nur noch 1 Wort portugiesisch reden muss, dreh ich durch. Es gibt so Tage hier, da versteht einen kein Mensch!

Angefangen bei der Übersetzung eines Rezeptes, wo ich erfahren durfte, dass ich das Wort „Stück“ so übersetzt habe, dass der Brasilianer das zweifelsfrei als „Schwanz“ lesen muss. Sehr zum Vergnügen meiner Sprachlehrerin und meines Mannes, der das eben erzählt bekam.

Danach einen halben Tag und mindestens 10 Telefonate lang der Versuch, meine doch rechte simple Email-Adresse Richtung Makler zu kommunizieren. Abgesehen davon, dass ich nicht Jessica, auch nicht Pizza, sondern Petra heiße. Avanete hatte heute ebenfalls Sprachbomben parat, die ich mir mehr oder weniger als Kleingedrucktes vorstellen durfte. Und der Brasilianer hat Spass, hat Spass, hat Spass.

Also heute Abend defintiv: Ausnahmslos Deutsch mit einigen Fasern Kölsch 🙂 SO! pe

FRANZ VON ASSISI

donipássaros

Die gute Seele der Straße, Donisätschi (mdl) hat viele Aufgaben: Parkticketverkäufer, Ein- und Ausparker, Aufpasser, Helfer in der Not – zum Beispiel wenn Wassertanks auslaufen oder das Wasser plötzlich komplett abgesperrt werden soll, Unter-die-Arme-Greifer in praktischen Dingen wie Einkaufstüten aus dem Taxi reintragen oder abgebrochene Palmwedel raustragen (und verbotenerweise im Müllcontainer nebenan entsorgen), Herauswinker, wenn man rückwärts auf die Straße fahren möchte, Gasmafia-Abwimmler und so weiter.

Neuerdings hat er sein Herz auch für die kleinsten Mitbewohner der Straße entdeckt: die Pássaros – und eine Futterstation auf seinem Parkticketverkäuferhäuschen eingerichtet, die, von morgens bis abends, reichlichst von Rotkehlchen, Tauben und Maritacas frequentiert wird.

Jetzt haben wir richtig Theater vor dem Haus 😉 – aber ein Schönes! Und solange sie jetzt nicht lustig anfangen, alle unverdaulichen Bestandteile ihrer Mahlzeit genau über unserem Auto abzuwerfen, darf bitte alles genauso bleiben, wie es ist! pe

KRIMINALITÄT

Immer wieder hören wir Geschichten von kriminellen Übergriffen in São Paulo. Am Wochenende hat es Jenson Button beinahe erwischt, als er auf dem Weg von der Renstrecke ins Hotel mit Maschinenpistolen bedroht wurde. Nur die Geistesgegenwart des Fahrers der Gas gab, hat Schlimmeres verhindert.

Zeitgleich haben wir von einem Überfall auf eine deutsche Familie in Interlagos gehört. Die 16jährige Tochter hat sich abends vor der Haustür ausgiebig von ihrem Freund verabschiedet und beim Betreten des Hauses hatte sie auf einmal Begleitung von einigen vermummten und bewaffneten Personen, die sich anschicken, alle Wertsachen dauerhaft zu entfernen. Die Diebe hatten zudem noch praktische Lebenshilfe parat, indem sie der Familie mitteilten, dass man niemals abends allein längere Zeit vor der Haustüre stehen solle, da man nie wisse, was passieren kann wie sie ja gerade am eigenen Leibe erfahren durften und sie somit eigentlich selber Schuld seien! Dä!

Uns hat zum Glück noch niemand bedroht, was nicht heißt, dass wir noch nicht beklaut wurden. Vor zwei Wochen wars soweit. Durch eine Methode die sich Kartenklonen nennt, und den Dieben bislang 3000 Euro beschert hat, die sie lustig von unserem Konto in Deutschland abgezogen haben.

Tatort war wohl eines der Shopping-Center. Dort sind überall öffentlich zugängliche Geldautomaten. Die waren verwanzt – entweder durch Aufsatz oder andere Apparaturen und als Jo Geld abgehoben hat, wurden alle seine Karteninfos gespeichert und in der Folge zum Klonen aufbereitet.

Nun konnten die Herrschaften in aller Ruhe Bargeld bis zum Tageslimit abheben, jedesmal etwa 450 Euro. Zum Glück ist der hiesigen Bank, bei der abgehoben wurde, aufgefallen, dass da etwas nicht stimmen kann und sie haben: „Achtung Sicherheitslücke“ nach Deutschland gefunkt. So wurde unsere Bank aktiv und hat sofort Jo’s Karte gesperrt. Und zum Glück wurde somit erwiesen, dass wir nicht selber abgehoben haben so dass der Verlust durch die Versicherung ersetzt werden wird.

Nachdem das also geklärt war, dachten wir, alles sei gut. Aber dem war nicht so, denn das Konto wurde trotzdem weiter belastet, jeden Tag mit kleineren und größeren Beträgen. So wurde denn auch meine Karte, die ja eigentlich gar nicht bekannt sein konnte, sicherheitshalber gesperrt und jeglicher Kreditrahmen des Kontos gekappt. Seit zwei Tagen ist nichts Neues mehr passiert, die kriegen nichts mehr – wir auch nicht 🙁 – vorrübergehend. Wir schauen noch zu, wie alte Abbuchungen, die bis zum Stopp vorgenommen wurden, eintrudeln, aber bald hat der Spuk hoffentlich ein Ende, wir neue Karten und eine Erkenntnis mehr.

Also ihr Lieben: An öffentlichen Automaten aufgepasst, denn die Methode ist ja auch in Deutschland sehr beliebt. Wir werden nun nur noch in Banken abheben und nicht an frei zugänglichen Geräten, immer mit der Hand die Codeeingabe abdecken und vorher schauen, ob irgend etwas merkwürdig ist. Eventuell auch an der Lesevorrichtung ruckeln. Menno! pe

WAHLEN #02

Am Wochenende geht die Wahl in Brasilien in die zweite Runde. Dilma und Serra sind noch im Rennen und die Hochrechnungen sind eindeutig zu Gunsten Dilmas. Nicht zuletzt, weil sie im bislang armen Nordosten Brasiliens etwa 80% aller Stimmen einheimsen wird. Anbei ein Spiegel-Online Artikel, der sich noch einmal mit Pro und Contra Lula (und somit Dilma) befasst. pe

>>> zum Artikel

DAS BRASILIANISCHE NEIN

Soll man Stefan Zweig in seinen Ausführungen im Buch „Brasilien – Land der Zukunft“ Glauben schenken, so ist der Brasilianer an sich ein friedliebendes Volk. Freundlich, nett, ein wenig unschuldig oder naiv und vor allem harmoniebedürftig.

So ganz kann ich diese Meinung nicht teilen – siehe man nur mal das Verhalten im Straßenverkehr – aber etwas scheint dran zu sein. Denn wer soooo freundlich sein soll, kann sicher nicht ohne weiteres NEIN sagen!

Da kann man wirklich noch einiges lernen, vom Brasilianer. Daher habe ich hier anhand von Fallbeispielen ein paar Übungen vorbereitet:

1. In der Rolle der Sprachlehrerin

Man verabrede einen Termin, sage dann aber kurz vorher (max 2 Stunden) wieder ab, um einen neuen Termin zu vereinbaren. Auch diesen Termin verschiebe man unter heftigem Bedauern auf ein anderes Mal. Beim dritten Mal unternehme man gar nichts, gehe nicht hin, dafür schreibe man aber sofort einen Tag später eine Nachricht, wie leid es einem tue – und verabrede ein weiteres Mal. Und so weiter. Wichtig ist, dass die Gründe und Zeiträume immer anders gewählt werden.

Der Erfolg: Der Andere meldet sich ganz sicher nie wieder!

2. In der Rolle des Handwerkers

Man unterhalte sich am Telefon über ein Stück „Gewerk“, was zu erledigen ist. Man zeige sich begeistert, ja regelrecht enthusiastisch über den bevorstehenden Auftrag und erkläre sich gerne bereit, zu einem gemeinsamen Termin vor Ort zu erscheinen, um ein Angebot anzugeben. Und dann schalte man das Telefon aus und melde sich nicht mehr. Selbstverständlich erscheine man auch nicht zum vereinbarten Treffpunkt, der via Mailbox erhalten wurde.

Der Erfolg: Der Job geht garantiert an einen anderen.

3. In der Rolle der Physiotherapeutin

Man stelle sich via Internet mit seinem Handwerk vor. Es melden sich bestenfalls potentielle Kunden, auch telefonisch via Mailbox. Man lasse den Tag zu Ende gehen und rufe dann möglichst spät (etwa ab 23h) zurück, mit der Betonung, wie leid es einem tue, aber dass es nicht anderes gehe. Dieses Gespräch muß unbedingt ergebnislos bleiben und mit einem weiteren versprochenen Rückruf enden. Dieser darf aber nicht erfolgen, so dass der Andere sich von allein meldet. Dann absolut unverbindlich bleiben und klarstellen, dass ein Termin eventuell möglich sei, zwischendurch, aber nicht verabredet werden kann.

Der Erfolg: Der Kunde wird sich abwenden.

4. In der Rolle des Auftraggebers

Man stelle einen neuen Job in Aussicht und gebe dem Anderen die dafür nötigen Unterlagen mit der Bitte, sie innerhalb kurzer Zeit zu lernen um sich dann wiederzutreffen und das Gelernte abzufragen. Man sage etwa 2 Stunden vorher ab, verabrede aber einen neuen Termin (Siehe Sprachlehrerin). Jetzt seid ihr dran: Was muß als Nächstes passieren? … RICHTIG! Man nehme auch den Zweiten nicht wahr, aber unter größtem Bedauern und mit Ausdruck der Vorfreude aufs nächste Treffen. Gerne auch ein Zusatz, dass man schon sehr gespannt sei. Das Prinzip muß so lange fortgeführt werden, bis der Andere irgendwann nachfragt, was eigentlich los sei. Daher immer unterschiedliche Medien einbeziehen: Telefonate verabreden, persönliche Treffen, Skype-Sessions, E-Mails – da ist der Kreativität keine Grenze gesetzt.

Der Erfolg: Der Andere kommt sich irgendwann doof vor und gibt einfach auf.

Also Summasummarum: UNBEDINGT IMMER unverbindlich bleiben, Entscheidungen nicht treffen oder möglichst lange herauszögern. Wenn man keine Lust hat, ja sagen und sich nicht mehr melden. Oder sich einfach überhaupt nicht melden. Nun viel Spaß beim Üben 😉 pe

Kleiner Tipp: Als Rollen eignen sich auch hervorragend Makler, Versicherungsagenten und KFZ-Mechaniker

SHOPPING

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Was dem Mädchen Schuhe, Kleidchen, Ober- und Unterteile, ist dem Jungen das Getränk. Mein Mann kann sich von diesem Interesse auch nicht wirklich freisprechen und daher finden immer wieder brasilianische Gerstensaftschöpfungen den Weg in unseren Kühlschrank, die UNBEDINGT einmal getestet werden müssen und – nach ihrer Entleerung – einen Platz auf dem, dafür eigens eingerichteten Regal, finden. Männer! Bierschrank statt Schuhschrank – Das wusste auch schon IKEA! Diesmal: Bohemia Confaria – Cerveja Forte Tipo Abadia (schmeckt wie Bananenweizen) und Bohemia Escura (dunkel, süß, bitter, extrem malziges Starkbier (O-Ton)). Jo, mach doch mal eine spezielle Rubrik zum Thema Biere auf 😉 pe

JUQUEHI

In schöner Regelmäßigkeit sollte man São Paulo den Rücken kehren und ans Meer fahren. Das ist gut fürs Gemüt und schlecht fürs Portemonnaie, aber das Gemüt geht in diesem Falle vor 😉 Also haben wir letzten Samstag kurzerhand beschlossen, drei Tage ans Meer zu fahren um mal wieder „runterzukommen“.

Wir hatten im letzten Monat eine schwierige Zeit. Der Plan, innerhalb von São Paulo umzuziehen ist ausgereift und wir haben begonnen, Kontakt zu Maklern aufzunehmen um uns Appartements oder kleine Häuser anzusehen. Nicht ganz leicht in der Gegend, in die wir ziehen möchten. Nicht ganz leicht mit unseren Budget. Und nicht ganz leicht mit der Mentalität der hiesigen Makler. Aber das ist eine andere Geschichte und gehört eigentlich in die Rubrik „Handwerk“.

Jo hatte sich letzte Woche passend zum Ende der Abiturprüfungen, die viel Zeit und Energie in Anspruch genommen haben, amtlich den Fuß verknackst und ist nun mit Krücken und Beinschiene unterwegs. Das war dann leider auch das Aus für unsere geplante Tour an die Iguaçu-Wasserfälle.

Meine Situation gestaltet sich gerade auch nicht rosig, denn SoulSampa hat sich nach 1monatigem Zaudern und Hadern und nicht wissen, was ist, eine Pause bis Januar verordnet. Daher habe ich zur Zeit keinen Job dort und überlege jetzt, was ich mit dem Gelernten oder sonst so tun kann. Sehr sehr schade, denn die Stadtouren haben mir viel Spaß gemacht, wenn es auch leider wenig Nachfrage gab. Schnarchnasen! 😉 Also gerade alles doof im Staate São Paulo!

Es gibt das geflügelte Wort, dass bei einem Spaziergang am Strand jede Welle ein Stück Sorge mitnimmt und das haben wir, Jo im Rahmen seiner Möglichkeiten, ausgiebig getestet. Ist zwar nicht alles weg, aber fühlt sich wieder leichter an. Der Strand in Juquehi ist wunderschön, lang und hat eine prächtige Brandung. Zum Schwimmen tricky, aber zum Surfen perfekt, wenn man das kann. Und es gibt eine Strandbar – DIE Strandbar ;-), wie Thomas bestätigen wird und zu der es uns immer wieder hinzieht. Hier die Blder von einem „Stressbeseitigungs-und-wieder-gut-drauf-komm“-Wochenende. pe

WAHLEN IN BRASILIEN

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Am Sonntag wird in Brasilien abgestimmt, ob die Regierung Lula weiterhin an der Macht bleibt. Denn auch wenn er selber nicht mehr antritt, hat seine Nachfolgerin Dilma Rousseff (vorne im Bild) im Moment allergrößte Chancen, das Rennen zu machen. Nicht zuletzt, weil sie bei den sozial schwach bis gar nicht Gestellten diejenige ist, der man die meiste Reformkraft zutraut.

So denkt auch Avanete, unsere Zugehfrau, die schon vor einiger Zeit per Briefwahl ihr Kreuzchen gemacht hat, da sie im Bundesstaat Bahia, ihrer Heimat, abstimmen muß. Hier ist es übrigens so, dass alle zur Wahl verpflichtet sind. Denn die Teilnahme wird auf der Carteira de Trabalho, dem offiziellen Arbeitsbuch jedes Brasilianers vermerkt. Kein Wahlgang, kein Job. So einfach geht das.

Auf Spiegel Online gibt es gerade ein Special zur Wahl, wenn es euch interessiert. Dort wird auch die schillerndste Kandidatin Marina Silva vorgestellt. Sie kandidiert für die Grünen und steht bei Künstlern und Intellektuellen hoch im Kurs. Ihre Reformpläne sind nicht weniger anspruchsvoll als die Dilmas, nur wird ihre Lobby vermutlich nicht so stark sein. Anbei ein Video von ihrer Website. So wird in Brasilien Wahlwerbung gemacht – man vergleiche das mit der unsrigen 😉

Sehr bemerkenswert sind die Lebensläufe der Kandidaten. Zum Beispiel: Dilma Rousseff war während der Militärdiktatur bei der Guerilla, wurde verhaftet und gefoltert. Marina Silva hat erst mit 16 Jahren Lesen und Schreiben gelernt und arbeitete als Hausangestellte, bevor sie später Geschichte studierte. Der Dritte, José Serra lebte während der Militärdiktatur 14 Jahre im Exil und hat in Princeton Ökonomie studiert. Alle drei sind charismatische Persönlichkeiten, allerdings mit unterschiedlichem Sympathiefaktor.

Als dann, ab Sonntag wissen wir mehr! pe

>>> Zum Spiegel-Artikel
>>> Zur Wahlwerbung

DAS AUGE

 

Gabs da nicht auch mal einen Film mit einem bösen Menschen im Helikopter? Hmmmmm? Wie auch immer, über dieses Auge möchte ich gar nichts schreiben, sondern viel lieber über das Gebäude des Herrn Niemeyer in Curitiba.

2002 hat er es mit 95 Jahren fertigestellt, nachdem schon in den 60ern die Planung begonnen hat. Typisch Brasilianer! Es ist DIE architektonische Referenz der Stadt. Im Inneren finden, neben der Ausstellung von Niemeyer-Zeichnungen und Modellen, wechselnde Veranstaltungen der modernen Kunst statt. Aber wie im Ufo in Niteroi hat es die Kunst angesichts der faszinierenden Architektur etwas schwer.

 

Der Komplex besteht aus zwei Teilen – dem Auge selbst mit geschwungenem Aufgang, der aber kein Eingang ist, wie man vermuten dürfte. Übrigens auch kein Ausgang. Ein bißchen doof, denn wirklich jeder, der zum ersten Mal das Museum sieht, geht rauf, wird von einem Doorman abgewiesen, geht wieder runter und begibt sich in den zweiten Teil, dem hinteren langen Riegel aud Beton und Glas..

Dort ist der eigentliche Eingang. Aber auch hier ist der Weg kompliziert: Erst nach rechts, Ticket kaufen. Fragen, wo man jetzt hinsoll. Arbeitskräfte sind in Brasilien billig – daher stehen auch genug Menschen in Uniformen herum, die man fragen kann. Dann nach links, durch eine Schleuse, in der alle Sachen gefilzt werden zu einem Tresen, an dem Taschen und sonstige Dinge abgegeben werden sollen.

Dann weiter, über eine Treppe ins Untergeschoß. Dort ist die Niemeyer-Ausstellung untergebracht. Schon toll, all die Modelle und Skizzen zu sehen. Nebendran in einem Freiluft-Innenhof befinden sich Skulpturen diverser brasilianischer Künstler. Das strahlende Weiß der Außenwände tut in den Augen fast weh, aber bietet einen tollen Hintergrund für die dortige Kunst.

Über einen unterirdischen und extrem abgefahren Durchgang im Space-Look gehts dann unter das Auge und dort mit dem Fahrstuhl hoch und mitten rein. Eigentlich hatte ich gehofft, durch die Bienenwabenglaswand einen tollen Blick nach draußen zu haben – aber nix da. Alles war abgedunkelt – vielleicht um der dortigen Ausstellung über die brasilianische Moderne etwas mehr Raum zu geben.

Wenn das alles gesehen ist, entweder per Aufzug oder über die Treppen wieder runter. Dort hat jede Etage einen kleinen Raum, ebenfalls für die Kunst reserviert. Zurück durch Durchgang, Ausstellung, Treppe und raus.

So cool das Auge ja ist, so seltsam ist die Besucherführung. Die Niemeyer-Gebäude, die wir bisher besichtigt haben, waren immer sehr klar – dieses hier nicht. Aber trotzdem – sehr sehenswert! pe

PARANAGUÁ

 

Wieder eines der unaussprechlichen Wörter. Paranaguá geht zurück auf die indigene Tupí-Guarani-Sprache Südamerikas und bedeutet so viel wie „schöne Bucht.“ Und das ist sie zweifelsohne.

Sie liegt im Bundesstaat Paraná – einen weiter südlich, wenn man von São Paulo ausgeht. Paranaguá beherbergt den wichtigsten brasilianischen Hafen für Agrargüter und ist außerdem für den Export von Fahrzeugen der Marke Audi bekannt, die in Curitiba, der Hauptstadt, gefertigt werden. Bedeutend ist dieser Hafen auch dadurch, dass die Regierung von Paraguay im Hafen von Paranaguá einen zollfreien Anlege-Kai besitzt und diesen uneingeschränkt nutzen darf. Über diesen Hafen laufen für Paraguay alle Ein- und Ausfuhren.

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Das merkt man deutlich, wenn man über die 70km lange Piste von Curitiba zur Stadt fährt. Kolonnen von LKW’s blockieren nicht nur eine, sondern gerne auch alle Fahrbahnen beim Versuch, sich gegenseitig zu überholen. Wir haben auf unserer Reise nach Curitiba eine ganze Reihe von heftigen Unfällen gesehen – umgekippte LKW’S die ihre Ware verloren haben, Crashs und so weiter.

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Aber zurück nach Paranaguá. Den großen Transporthafen haben wir nicht besucht, sondern sind direkt zum alten Zentrum gefahren. Bestimmt wird das Straßenbild von Bauten im Kolonialstil, leider teilweise völlig verfallen. Und bei dem schlechten Wetter, das wir an diesem Tag hatten wirkt die ganze Szene ziemlich morbide. Aber gerade dadurch fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit um 1600, als das dort alles losging und die ersten portugiesischen Pioniere die Bucht erobert haben.

Schade, dass der Brasilianer mit seinen alten, gebauten Schätzen so schlecht umgeht. Die Altstadt ist eine Perle und könnte ein echter Anziehungspunkt für Touristen sein. Zur Zeit ist Paranaguá, neben seiner Bedeutung als Hafen, touristisch eher Durchgangsort für die Reisen zur nahegelegenen Ihla do Mel (Honig-Insel). Naja, vielleicht ändert sich das ja irgendwann? pe

SANTOS

 

Von São Paulo aus die nächstgelegene Stadt am Meer, etwa 60 km entfernt. Wichtigste Hafenstadt in Lateinamerika. Da, wo auch unser Container vor einem Jahr angekommen ist. Das heißt, unser Hausstand hat schon 2 Wochen dort verbracht, bevor er zu uns gekommen ist.

 

Vielleicht kommt daher die Sympathie, die wir für Santos haben. Denn wirklich schön ist es dort eigentlich nicht – eher skurril. Es erinnert ein wenig an die belgische Küste – die Uferpromenade wird gesäumt von Hochhäusern damit möglichst viele in der ersten Reihe einen schönen Blick aufs Meer haben können. Witzigerweise sieht das Szenario aus wie wackelige Zähne, denn die Häuser haben aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit zum Teil eine gehörige Schieflage. In Deutschland würden da Wohnungen evakuiert und Straßen gesperrt, aber in Santos scheint sich niemand wirklich dafür zu interessieren. Das Ein oder Andere Gebäude ist nicht mehr bewohnt, aber das wars denn auch.

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Gestern haben wir auf einer Bootstour neben der tollen Perspektive auf die Backenzahnhäuser auch mal den Hafen von innen heraus gesehen und damit reichlich Containerschiffe die beladen oder gelöscht wurden. Laut Wikipedia hat der Hafen eine Länge von 13 km und die Lagerhallen dort eine Fläche von 500.000 m2! Dazwischen aber auch Favelas die zum Teil bis aufs Wasser gebaut und bei der Ermittlung der Quadratmeterzahl sicher nicht mitgezählt wurden.

Das Ganze untermalt vom Sambasound unseres kleinen Bötchens und unterbrochen vom Kapitän, der sich ab und an genötigt fühlte, die Landschaft zu erklären – nicht dass wir wirklich alles verstanden hätten. Dazu ein paar Dosenbier und 30 °C … abputzen! Herrlich, so ein Tag am Meer.

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Auch herrlich ist der Strand in Santos. Mit etwa 5 km ordentlich lang und tagsüber voller Bikinis und Badehosen. Gegen 17h, wenn es kühler wird verschwindet der sonnenhungrige Brasilianer und macht Platz für den sportlichen Landsmann. Fußballfelder werden im Sand markiert, Fahrräder bilden die Torpfosten und ab gehts. Hier hat schon Pele seine ersten Tore geschossen. Und damit man alles schön sehen kann, wird der Strand von großen Flutlichtanlagen beleuchtet.

In Deutschland würde nun die Zeit der Strandparties anbrechen, Grills würden ausgepackt und so weiter. Aber der Brasilianer ist da nicht so und wenn man nicht nackig sein und sich zeigen kann, isses langweilig. Und „kalt“ geht schon gar nicht! Daher wird der Strand bis auf die Sportler sehr rasch ziemlich menschenleer, die Strandbudenbesitzer packen zusammen und wir hatten noch geradeso Zeit für einen hastigen Caipirinha, bevor uns der Budenbetreiber um die Rückgabe seiner Klappstühle und Gläser gebeten hat. Ja so ist das, es kann nicht immer weitergehen. pe

NHOQUE DA SORTE

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Gnocchi des Glücks. Dass Nudeln glücklich machen, wissen wir ja alle. Aber im speziellen nur am 29ten eines Monats? Die spinnen, die Brasilianer 🙂 Haben wir gedacht und sind einer Einladung zum Glücks-Gnocchi-Essen gefolgt.

Anlass war ein Aufruf zur Spende für eine Organistation, die Kinder in einer Favela unterstützt, die Associação Cultural Constelação http://www.constelacao.org.br/. Wenn die Eltern morgens zur Arbeit fahren, werden die Kinder von ehrenamtlichen Helfern in einer Art Halbtagesstätte betreut. Ganz hoch im Kurs steht die Kunst und deren Förderung. Eines der Mädchen hat es somit schon zu einer beachteten Künstlerin in São Paulo gebracht. Die Art der Hilfe ist unterschiedlich: Manche spenden Geld oder Hilfsmittel, andere helfen vor Ort und betreuen die Kinder, andere wiederum setzten ihr KnowHow ein und kümmern sich unentgeltlich, so wie unser Zahnarzt Dr. Andrew, der zu dieser Veranstaltung eingeladen hat.

Zurück zu den Nudeln. Das geht so: Man lade Gnocchi auf und lege einen Geldschein unter den Teller. Dann esse man die ersten sieben Gnocchi im Stehen und denke dabei an einen Wunsch. Nun darf man sich wieder setzen und ganz normal weiteressen. Der Geldschein ist jetzt ein Glückssymbol und die meisten bewahren ihn während des Monats im Portemonnaie auf (Also nur kleine Scheine nehmen 😉 ) Am nächsten 29ten wird das Ganze gerne wiederholt. Manche nehmen auch drei der ersten sieben Gnocchi mit, trocknen sie und heben sie in ihrer Tasche als Glücksbringer auf … Hmmmmm?

Die Herkunft dieser Tradition habe ich gegoogelt und einen Text über Uruguay gefunden, der das Ritual beschreibt. Der Ursprung ist nicht ganz klar. Es könnte von den südamerikanischen Bauern stammen, die am Ende des Monats nur noch Kartoffeln und Mehl übrig hatten. Andere sagen, dass am Ende des Monats Zahltag war und die Menschen sich daher Gnocchi gegönnt haben. Dazu würde passen, dass in Südamerika faule Beamte, die nur einmal im Monat ins Büro gehen, um ihren Scheck abzuholen, Gnocchi genannt werden. Wieder andere sagen, es wäre einfach die clevere Erfindung eines Pasta-Konzerns.

Jedenfalls eine lustige Sache, die wir nun regelmäßig wiederholen werden – ein bißchen Glück kann ja nicht schaden 🙂 pe

NEUES AUS SÃO PAULO

YEP … auf ein Neues. Seit einem Monat sind wir wieder hier. Der Anfang war schwer, wie schon gesagt, aber jetzt sind wir angekommen. Jo hatte direkt viel zu tun mit den Deutsch-Prüfungen in der Schule. Das nennt sich deutsche Sprach-Diplom-Prüfungen, das bedeutet, dass die neunten Klassen die erste Stufe machen, die 11ten und 12ten die Zweite.

Pe: Was heisst denn das???
Jo: Heisst, wenn sie das DSD 2 (nicht DSDS) haben, können sie direkt an den deutschen Hochschulen studieren.
Pe: Hmmm. Wieviel haben das geschafft?
Jo: Kann man nicht sagen – die Ergebnisse kommen erst im November/Dezember.

(Das wird gerade ein Interview …)

Pe: Und sonst Jo?
Jo: Jetzt die nächste große Aufgabe ist das Abitur: Im September die schriftlichen, im November die mündlichen Prüfungen!
Pe: Aha. Und was heisst das für deine Arbeit?
Jo: Das heisst, einen anstrengenden Monat, um unsere 19 Schüler erfolgreich durchs Abitur zu führen.
Pe: Möchtest du sonst noch was sagen?
Jo: Jou, so langsam hat man die Sache ein bißchen im Griff in der Schule. Man kennt jetzt die Abläufe. Und kann in der nächsten Zeit stärker gestalterisch tätig werden.
(Man)
Pe: Und sonst?
Jo: Ja, ansonsten freue ich mich auf die gemeinsamen Ausflüge demnächst mit meiner Frau, um das Land etwas mehr kennenzulernen.
Pe: Schnarch!
(Jo guckt in die Luft!)
Pe: Was heisst das?
Jo: Tja. Immer weiter nach vorne, ach Quatsch, schreib doch nicht sowas. Die nächsten Herausforderungen warten schon!
Pe: Wir sind doch hier nicht bei Spiegel Online!
Jo: Nee. Bei Petis Blog!
Pe: Ja und?
Jo: Da muß man schon Farbe bekennen!
Pe: Seit wann das denn ;-)?
Jo: Eigentlich schon immer. Aber ich hab mich noch nicht so getraut!
Pe: Warum denn nicht?
Jo: Peti schreibt zu gut
Pe: Quatsch!
Jo: Doch, das schreibst du bitte!
Pe: Find ich doof!
Jo: Das sehen alle Leser anders.
(Will ich nicht schreiben!)
Pe: Aber du kannst gut schreiben, Jo!
Jo: Ich werde es versuchen!
Pe: Wann?
Jo: Hmmmmm. Du wirst schon sehen!
(Na toll!)
Pe: Wann?
(Lach auf beiden Seiten!)
(Pause!)
(Pause!)

Jo: Es reicht jetzt.
Pe: Wieso?
Jo: Ich lasse mich nicht festnageln.
Pe: Will ich doch gar nicht!
Jo: Oh doch!
(Na toll)
Jo: Lies mal das Ganze jetzt!
Pe: Nein
Jo: Warum nicht!
Pe: Weil ich nicht will!
Jo: Ich muß das erst authorisieren!
Pe: Musste nich!
Jo: So gehört sich das aber!
(LOL)
Jo: Na toll.

DAT HÄZZ VUN DR WELT, JO DAT ES KÖLLE!

Lichter

Da simmer wieder. Landung am 29ten morgens, 5 Uhr brasilianischer Zeit. Taxi, Haus in Ordnung, bergeweise Post, verwilderter Garten … wie das halt so ist nach 3 1/2 Wochen Urlaub. Richtig gerfreut haben wir uns nicht, wieder in São Paulo zu sein. Die schöne und ruhige Zeit in Köln klingt noch nach und es wird etwas Zeit brauchen, bis wir hier wieder ganz angekommen sind … wie das halt so ist … 😉

Jedenfalls möchten wir uns noch mal bei euch allen bedanken. Ihr habt uns eine tolle Zeit bereitet. Wir haben es sehr genossen, wieder einmal im Kreis unserer Lieben zu sein, mit euch zu reden und zu sehen, wie es euch ergangen ist und geht. Das wird uns noch eine ganze Weile die Seele aufpolstern 🙂 pe&jo

BIS BALD

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So, das wars dann auch vorerst mit meiner Berichterstattung aus São Paulo. Noch 2 x Fußballgucken und dann fliegen wir schon nach Deutschland, um den Juli in der alten Heimat zu verbringen. Wir freuen uns schon wie Jeck auf Zuhause und darauf, euch endlich wiederzusehen.

Und natürlich auch auf Kölsch, richtiges Brot und Fleischwurst vom Ring – so einfach kann das Leben sein 🙂 Um beijo*** pe&jo

4:1

Kurz vor dem Vierten und währenddessen. Und wieder per Zufall und in Echt – ich schwöre! (Vorne rechts sitzt übrigens ein brasilianischer England-Fan!) Vielleicht ist das Bild ja ein gutes Omen fürs Spiel morgen?! Des Daumendrückens der Brasilianer können wir uns sicher sein – die wollen unbedingt die Argentinier loswerden.

Naja, dafür haben wir wohl nichts gegen einen Sieg von Brasilien gegen Holland, oder? 😉 Es ist jetzt 10h in São Paulo – eine Stunde vor Anpfiff – die Straßen werden leer, die Tröten lauter und die Kneipen füllen sich langsam oder schließen ab. Es liegt Spannung in der Luft. pe

FUTEBOL-LANCHONETE

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Diesmal haben wir uns das Basilienspiel ordnungsgemäß in einer Lanchonete hier umme Ecke angesehen. Lanchonete heißt Imbiss und dort gibt es das, was der gemeine Brasilianer tagsüber zum Überleben braucht:

Salgados, also kleine salzige und fettige Gebäckdinger. Doces – Süßigkeiten, die ab 10 Uhr morgens benötigt werden um bis Mittag auszuhalten. Den mittaglichen Imbiss, bestehend aus Arroz, Feijão und Carne – Reis, Bohnen und Fleisch – das übrigens montags bis donnerstags – freitags Fisch!

Das Ganze wird morgens begleitet von Café Sinho – einem kleinen gesüßten schwarzen Kaffe und mittags auch gerne schon von Cerveja. Nach dem Mittagessen unbedingt noch’n Café und ein Doce de Leite für aufn Weg, das ist eine kleine süße Kugel aus Kondensmilch – Jo ist ganz verrückt danach – und das wars im Großen und Ganzen bis abends.

In den einfachen Lanchonetes trifft sich alles – vom Papiersammler bis zum Angestellten, also einer der Orte, an dem alle Hautschattierungen vertreten sind. Und an Tagen wie heute, Brasilien-Portugal, 11Uhr fängt das mit dem Cervejatrinken auch schon etwas früher an – Jo glaubt, die schaffen das, danach noch zu arbeiten – ich habe da meine Zweifel. Lustig wars. Die Kommentare habe wir nicht verstanden – auch wenn sie bis zum Tinitus durch den Laden gebrüllt wurden. 🙂 pe

FUTEBOL II

Auto

Die Brasilianer sind weiter, die Deutschen auch … alles gut in Fußballien. Tatsächlich ist es hier so, dass wenn Brasilien spielt, die Straßen leer und die Botecas voll sind. Die Geschäfte, selbst Banken haben geschlossen, Taxifahrer bleiben an ihren Halteplätzen, die meist einen eingebauten Fernseher haben und wenn man was will, sollte man besser bis zur Halbzeit abwarten.

Diesen Zustand haben wir ausgenutzt, um am Sonntag während des Brasilienspiels von der Küste nach Hause zu fahren. Natürlich begleitet vom Kopfschütteln des Brasilianers, der so etwas niemals tun würde. Normalerweise bedeutet eine Rückfahrt vom Meer sonntagnachmittags 4 Stunden Stau, weil ja alle gleichzeitig wieder nach São Paulo wollen. Am Sonntag haben wir das jedoch in schlanken 2 Stunden geschafft – in der ganz regulären Zeit.

Dafür gabs das Spiel dann im Autoradio. Drei Sprecher haben sich den Kommentar geteilt – das ist auch angebracht, wenn man hört, wie schnell die Jungs reden können. Bemerkenswert. Reden und Luftholen erfolgt da in etwa zur selben Zeit. Leider ist der erste Gol-Schrei nicht drauf – ich glaube das waren 30 Sekunden. Mindestens 🙂 Hier eine Kostprobe! pe

CHICO BUARQUE

chico_buarque

… einer der Günder des musikalischen Tropicalismo in Brasilien, einer Bewegung, die während des Militärregims in den 60er Jahren entstanden ist und moderne Strömungen in die musikalische und künstlerische Entwicklung des Landes eingebracht hat. Ganz nach dem antropophagischen Manifest von Oswaldo Andrade: Das Fremde nicht abweisen, sondern auffressen! 🙂 Wow, harter Tobak, oder?

Brasilien hatte in den 60ern der unabdinglichen Wunsch, zumindest künstlerisch unabhängig und frei zu werden. Die Künstler haben nach einer – nach augenscheinliche Gesichtspunkten harmlosen verbalen Ausdrucksform gesucht – und dabei höchst kreative Wortschöpfungen gefunden, um den eigentlichen systemkritischen Wortinhalt zu tarnen und dennoch zu transportieren. In der Musik sind die beiden herausragenden Künstler Gilberto Gil und Chico Buarque – beide sind des Landes verwiesen worden und haben ihr Exil in England gefunden.

Nichtsdestrotz trotz findet man in ihren Lyrics sehr viel regim- oder sozialkritischen Ausdruck. Oder gerade deswegen? Ein Lied möchte ich euch hier vorstellen: Construção von Chico Buarque – ’71 entstanden. Hier geht es in erster Linie nicht um Regimkritik, sondern um Sozialkritik, den Selbstmord eines Arbeiters, der sich von einem Gerüst stürzt und an einem normalen Samstag den Verkehr auf der Straße durcheinander bringt – durch sein Ableben auf der Hauptverkehrsader.

Dieser Text ist besonders, denn Chico Buarque verwendet immer die gleichen Worte, um neue Inhalte in den folgenden Textzeilen zu transportieren. Sehr lyrisch – sehr dramatisch – sehr schön! Hier ein Video zum Lied mit der englischen Übersetzung, was das Verständnis etwas leichter macht:

>>> construção

folgt einfach den Text- bzw. Rhythmuszeilen, dann ist es ganz einfach! pe

FUTEBOL

03Wird hier „Futschibolli“ ausgesprochen 🙂 Und schießt einer ein Tor, singt der Kommentator Gooooooooooooooooollllllllllllll – das hört sich etwa so an, wie Michael Buffer beim Boxen. Gut so, denn so bekommt man auch trotz der Vuvuzelas mit, wenn was wichtiges passiert ist!

Gestern haben wir viel Gol gehört – 4:0 hat warscheinlich keiner getippt oder erwartet, oder? Selbst der Brasilianer hat der Leistung des deutschen Teams Respekt gezollt. Das sollen die auch erstmal besser machen – morgen um 15.30h, wenn hier angeblich außer Futebol nichts mehr geht. Wir werden sehen und berichten! pe

BEKLAUT

Jetzt isses mir also auch passiert – letzte Woche Mittwoch im Bus. Zum Glück war es nur mein Handy und ich habe das nichtmal bemerkt, aber ärgerlich ist das natürlich trotzdem, denn jetzt sind alle Nummern weg. Daher ihr Lieben, schickt mir eure Nummer doch bitte via Email, damit ich die neu speichern kann, bom? pe

PRIDE 2010

Seit 1997 findet in São Paulo die Gay Parade statt – anfangs mit ca. 2000 Menschen, mittlerweile sind es 3,5 Mio und damit ist die Parade wohl die Größte der Welt. Ein ordentliches Kontrastprogramm zu der Business-Geschäftstätigkeit, die normalerweise auf der Avenida Paulista zwischen den Bankentürmen stattfindet. Und ähnlich wie in Köln, bricht auch hier bei den feieraffinen Brasilianern das zweite Mal im Jahr der Karneval aus 🙂 pe

GNTM UNLIMITED?

Herrjeh, wenn man einmal damit angefangen hat! Zugegeben, schon in Deutschland war mein Donnerstagabend zu GNTM-Zeiten gesetzt! Und ich hatte auch „ernsthaft“ Sorge, ob man die schöne Tradition des gemeinsamen Mädchenabends und Lästerns, begleitet von Häppchen, Sekt oder noch besser Schlammbowle, hier im Ausland überhaupt fortsetzen kann.

Aber der Reihe nach: Als der Countdown zu Staffel 5 lief, wurde sowohl bei iTunes, als auch bei MyVideo die Übertragung angekündigt. iTunes offeriert einen Staffelpass für Sage und Schreibe 29,99 Euro, aber mit der „Garantie“, keine Folge zu verpassen. Nette Option, aber ziemlich teuer.

MyVideo offeriert die Folgen für Nüsse. Also eindeutig besser und am Freitagmittag eingeschaltet. Soweit alles fein bis etwa Folge 5. Dann ging es auf einmal nicht mehr mit der Begründung: SORRY, DIESES VIDEO DARF IN DEINEM LAND NICHT ANGEZEIGT WERDEN! Hat rechtliche Gründe und betrifft viele Serien aus Deutschland – gerne das, was auf Pro7 läuft. Jedenfalls Aufregung und Theater in der Online-Community, bis jemand den schlauen Tipp hatte, die Sendung über einen Proxy-Server hochzuladen, der die Verschlüsselung umgeht.

Getan und wieder einige Folgen Ruhe und Zufriedenheit in der Hütte. Zwischendurch alternativ auch einmal ein richtiger Mädchenabend via Skype. Das hat großartig funktioniert und kann ich nur weiterempfehlen, wenn man eine gute und starke Leitung sowie eine entsprechende Kamera hat! Also nochmal: Danke Babett, war toll! Gemeinsam gucken ist doch am schönsten!

Doch dann ging das mit Proxy.de auch nicht mehr. Dumm, aber dafür existiert ja iTunes und 2,49 Euro pro Folge kann man für Seelenfrieden ja durchaus investieren. Hat sogar Jo eingesehen 😉 Nur dass iTunes auch nicht alle Folgen lädt – wer also einen Staffelpass erworben hat guckt nun ziemlich in die Röhre, denn die Folgen 8, 9 und 12 wurden nicht bereitgestellt, ohne Geld-Zurück-Garantie, ohne Entschuldigung oder sonstige Kommentare. Demzufolge schlägt es nun Wellen in den Rezensionen.

Eigentlich erwartend, nun schwerst angefixt nicht mehr an meine Donnerstagsdroge kommen zu können, habe ich dann gestern das Netz nach anderen Möglichkeiten durchstöbert. Und siehe da: kino.to heißt das Zauberwort. Aber auch hier kein uneingeschränktes Sehvergnügen: nach 72 Minuten hieß es: Jetzt entweder 54 Minuten warten oder akkreditieren! (und Mitglied werden für eine gewisse Summe im Monat) Unfassbar!!! Habe gewartet, dann gings auch so. Vielleicht sind ja noch andere, im Ausland lebende Fans dieser Serie auf die Idee gekommen, auf diese Weise zu gucken, Dann geht es jetzt 2 Wochen gut und Feierabend. Glücklicherweise ist der ganze Spuk ja eh am 10.06 vorbei! Puuuhhhhh!

Ich sehe schon euch Jungs die Augenbrauen heben und spitze Kommentare vorbereiten 😉 Aber stellt euch einfach mal vor, das Ganze wäre so mit der Bundesliga! Saisonkarte gekauft und dann finden manche Spiele einfach nicht statt. Blöd, oder? 🙂  pe

HEITOR VILLA-LOBOS

Sollte man schon einmal gehört haben, hab ich gehört 😉 … ich als Klassikbanausin kannte ihn nicht, den größten brasilianischen Klassik-Komponisten. Als dann – Besserung gelobt und ins Konzert marschiert. Entre nous: eher, weil das im Auditório stattfand, wo ich doch schon immer mal reinwollte.

Ja, das Konzert war toll! Das städtische Sinfonie-Orchester hat gespielt, mit alle Mann, weil diese Musik ziemlich viel Bumms braucht. Auch toll, wie der Komponist das Brasilien-Gefühl transportiert, den Regenwald, das Gezirpe der Vögel dort usw. Das passende Stück dazu nennt sich Uirapuru – da sagst ja schon allein der Name, was man zu erwarten hat.

Würde er heute die natürlichen Laute Brasiliens in Töne formen, hätte er warscheinlich eher ein Hundegebell-Konzert vertont mit dem Namen: Wauhuhuhuhhhwuff. Ich mag Hunde! Aber ich mag sie nicht, wenn sie im Chor, der eine rechts, der andere vorne, drei weiter links unten alles kommentieren, was über die Straße läuft oder fährt – morgens, mittags, abends, nachts, immer! Aber das nur am Rande.

Das Auditório von innen – hach was soll ich sagen: GEIL! Man hat wirklich das Gefühl, in ein riesen Maul hineinzuspazieren – vorne Niemeyers Zunge, innen Tomie Ohtakes Gaumen. Dann über die geschwungene Speiseröhre ins Innere – den Konzertsaal oder Magen, wo die Geräusche dann letzlich produziert werden – den Darm-Gedanken hatte ich da jetzt nicht ;-). Guckt die Bilder! pe

 

OS GEMEOS

Heißt: die Zwillinge und in São Paulo sind in diesem Zusammenhang meist Ótavio und Gustavo Pandolfo gemeint. Die beiden sind schon seit Mitte der 90er an den Wänden und in den Galerien unterwegs und unlängst haben sie eine Wand des MAM (Museu de Arte Moderna) verschönt. Und wie schön 😉 pe

Anbei ein Link mit Fotos, die die Entstehung dokumentieren.

SPFC

regen

Oder São Paulo Futebol Clube. Über Fußball möchte ich an dieser Stelle aber gar nicht reden – das kann Jo viel besser – mir geht es um die brasilianische Baukunst, die ich ja schon einige Male gelobt habe.

Neulich allerdings, als wir uns ein Spiel des SPFC im Heimstadion angesehen haben, war davon nicht viel zu merken. In der zweiten Halbzeit ging ein prächtiges Gewitter los, das zu Spielunterbrechung und plötzlicher Leerung der unüberdachten Oberränge führte. Glücklicherweise waren die Unterränge nicht besetzt, denn sonst hätten die Fans ganz vorne sicher eine kalte Dusche bekommen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Wassermassen, die sich auf dem Gebäude angesammelt haben, wurden nicht etwa elegant nach außen abgeleitet, sondern landeten über säuberlich verteilte Ausgüsse mitten im Stadion, kurz vor dem Unterrang. Da hat sich jemand mal richtig Gedanken gemacht 🙂 pe

VILA GOMES

StreetArt an den Wänden zu betrachten, ist eine feine Sache. StreetArt-Künstlern beim Enstehen ihrer Gemälde zuzuschauen, noch feiner. Ganz fein ist, wenn eine komplette Gasse zur Bemalung freigegeben ist und die Bewohner mit den Künstlern ein(e) Art Straßenfest feiern. So geschehen vorletzten Sonntag in Vila Gomes.

Da wurden Tische und Klappstühle vor die Tür gestellt, Bier drauf … leider gibts hier keine Pittermännchen 😉 und das Treiben kommentiert. Kinder dazwischen, die zu den neu entstandenen Gesichtern an den Wänden Geschichten erfunden haben und das in ihr Spiel eingebaut haben. Ganz süß war eine Horde pubertierender Jungs, die sich hinter einer Künstlerin versammelt und schwer interessiert zugesehen haben, wie auf der Wand langsam die Figur einer nackten Frau entstand 😉

Der Künstler „Prozak“ hat mal gesagt: „Das Beste ist, dass du den Kontakt zwischen Menschen und ihrer Stadt herstellst, während du malst. Ohne Graffiti wäre diese Interaktion niemals möglich.“ Dem kann ich nur zustimmen – nicht nur die Menschen, die dort wohnen bekommen einen anderen Blick für ihre Gasse, auch ziehen die Graffitis Besucher an. Dies kann dazu führen, dass ein Viertel eine Aufwertung erfährt und das wiederum kann allen nur helfen.

In São Paulo gibt es eine ganze Reihe solcher Aktionen – die bekannteste ist die Beco do Batman – benannt nach Batman’s Gotham City. Vor 15 Jahren war das noch eine ziemlich verrufene Gegend in Vila Madalena, dort lebten viele Obdachlose und eigentlich wollte keiner die Gasse freiwillig betreten. Dank einer Kooperation der Stadtverwaltung mit einigen Graffiti-Künstlern, die die Gasse komplett bemalt haben, hat sich das nun nachhaltig gewandelt und sie ist das Aushängeschild, wenn es um Graffiti in São Paulo geht (hab im Herbst schon mal davon erzählt). Nicht zuletzt, weil aus den damals mehr oder minder bekannten Künstlern heute wahre Größen der StreetArt geworden sind. pe

CHORO

choro

Freitagnacht oder Samstagmorgen? … Samstagmorgen 🙂 Eigentlich wollten wir nach Hause fahren, aber im Café gegenüber war noch Musik, offene Türen, zwar keine Gäste aber eine Band. Auf die Frage, ob wir zuhören dürfen gabs ein OK und so haben wir einer Choro (sprich Shoh-Roh)-Probe beigewohnt … tags drauf fand das eigentliche Konzert statt.

Choro, ein alter brasilianischer Musikstil, verbindet in etwa die europäische Polka mit afrikanischen Rhythmen. Hört sich aber ganz anders an 😉 Gespielt wird er immer mit zwei Gitarren, einem Chavaquinho (ähnlich einer Okulele) und einem Pandeiro sprich Tamburin. Dazu kommen dann die Solisten, Klarinetten oder Flöten oder oder. Gesang darf, aber muß nicht! Das Ganze ähnelt einer Jam-Session: es gibt das Repertoire, das alle gemeinsam spielen und dazu kommen Improvisationen.

Soweit die Theorie … hört mal rein! pe

SOULSAMPA

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April, jetzt gehts los mit den StreetArt-Touren. Morgen ist die Erste mit einem Kollegen von Jo, diese läuft als Test und ich bin gespannt, ob mich Marc-André auseinandernimmt? 😉

Das Ganze wird durch SoulSampa realisiert, die sich vorgenommen haben, die Liebe zu ihrer Stadt, den spannenden Orten und sehenswerten Dingen mit allen Anderen zu teilen – daher Name und Programm, Stadtführungen in kleinen Gruppen zu veranstalten.

IMG_1729Meine Aufgabe ist, wie schon beschrieben, der deutschsprachige Part und ich habe zu Anfang eine Führung durch Vila Madalena und Pinheiros. Dabei geht es hauptsächlich um StreetArt, aber auch um nachhaltige Einrichtungen wie zum Beispiel die Schule Escola do Aprendiz, nachhaltige Architektur und jede Menge Shops und Botecos. Wenn das gut läuft, wird ausgeweitet – insgesamt gibt es etwa 7 Themenschwerpunkte, also viel zu tun. 😉

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Arte da Vila. An diesem Wochenende vor zwei Wochen hatten alle Galerien in Vila Madalena geöffnet und es gab zig Veranstaltungen drumherum, so auch eine StreetArtTour von SoulSampa, die Ya!, selber StreetArt-Künstlerin und ein wandelndes Lexikon in Sachen Graffiti, geleitet hat. Ya! erzählt über Paulo ITO, einen Graffitikünstler, der nur Frauen malt, Leandro von SoulSampa spricht über die Tour und’s Peti ist auch dabei. 😉 pe

BRASILIA

Regierungssitz Brasiliens, 2 Mio Einwohner, davon 10% Beamte und Angestellte – die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf Einkommen Brasiliens. Einerseits. Eine in Beton gegossene Stadtvision, die einzige futuristisch anmutende Hauptstadt der Erde, Weltkulturerbe der UNESCO und Lebenswerk Oscar Niemeyers. Andererseits.

Zweiteres war unser Grund, die Ostertage dort zu verbringen. Natürlich nicht in irgendeinem Hotel, sondern in einem Gebäude, das auch von Niemeyer geplant wurde und heute noch den Charme der 60er hat.

Ende der 50er Jahre gab der damalige Präsident Juscelino Kubitschek den Startschuß, den Regierungssitz Brasiliens weg von Rio de Janeiro hin zu einer neu zu schaffenden Hauptstadt zu legen. Der Plan dafür war schon lange vorgesehen, auch stand der Name Brasilia bereits fest. Gefunden wurde eine Region in der Mitte Brasiliens, die perfekt für das Vorhaben war: Hochplateau, klimatisch gute Bedingungen und eben eine riesiges, freistehendes Areal von 5814 qkm.

Die Stadtplanung und Architektur wurde ausgeschreiben, den Zuschlag bekamen Lúcio Costa als Planer, Oscar Niemeyer als Architekt und Roberto Burle Marx als Landschaftsplaner – also das Dreigestirn brasilianischer Baukunst. Gemeinsam entwickelten sie den Plano Piloto, der sich wie folgt darstellt:

Von oben hat die Stadt einen Grundriß wie ein Flugzeug, das an einem See zum Halten gekommen ist – kurz vor dem Präsidentenpalast, der direkt am See liegt. Die Zentralachse, der Eixo Monumental entspricht dem Rumpf und ist ungefähr zwei Sportplätze breit und 6 km lang. Ganz vorn (quasi im Cockpit) befinden sich die Regierungsgebäude – im Mittelpunkt der Nationalkongreß, von dort aus der Blick auf die drei Säulen des Staates: Judikative, Legislative und Exekutive – jeweils in einem freistehenden Gebäude untergebracht. Der gesamte Komplex ist durch offene Blickachsen verbunden.

Dann dem Rumpf entlang (Passagierkabine) die Ministerien – alle hintereinander aufgereiht. Am Schnittpunkt zu den beiden Tragflächen, dem Eixo Rodovário, die Gebäude für die Öffentlichkeit wie Catedral Metropolitana, Nationalbilbliothek und Theater. Die „Tragflächen“ sind für Wohngebäude, Einkaufszentren, Restaurants etc. Im hinteren Teil Sportstätten, der zentrale Park und die Gedenkstätte für Kubitschek, ganz hinten der Militärbezirk.

In Brasilia gibt es keine Straßennamen, sondern Blocos, wie zum Beispiel SCN Q 02 – Sector Comercial Norte, Quadra 02. Fußgänger waren und sind überhaupt nicht vorgesehen, die Stadt soll mit dem Auto befahren werden. Das haben wir als Fußgänger gemerkt 😉 Die Wege von A nach B sind irre weit – also Empfehlung: Leihwagen!

Die Stadt wirkt wie ein sozialistisches Manifest und erinnert an Trabantenstädte, die man aus dem Ostblock kennt – alles aus Beton, perfekt strukturiert und mit gewaltigen Freiflächen. Nur das Brasilia besser ist, was vor allem an der Architektur liegt. Wenn man sich vorstellt, dass alles in den 60ern entstanden ist und auch heute noch unschlagbar in Sachen Futurismus ist?

Sehr spooky ist der Militärbezirk mit der Avenida do Exército, einer 6spurigen Straße, die für Paraden während der Militärdiktatur genutzt wurde. Auch dort stehen zwei Niemeyer-Gebäude, ein Theater und eine muschelförmige, offene Konzerthalle. Wir waren fast die einzigen Besucher dort und fühlten uns ziemlich verloren in der Weite des Geländes und mit der Vorstellung, was dort vor 30 Jahren abgegangen sein muß.

Superschade war, dass einige Gebäude und Museen geschlossen waren – schluchz! Wir konnten leider nicht die Catedral Metropolitana besichtigen und eine Kerze dort anzünden, wie ich geschrieben habe, weil die DOOFEN Brasilianer nicht auf ihre Bauwerke achtgeben und jetzt kurz vor dem 50ten Geburtstag und der damit verbundenen Party am 21. April noch schnell alles renovieren müssen, damit’s dann hübsch aussieht! Heisst wohl, wir sollen nochmal wiederkommen 😉 pe

FELIZ PÁSCOA!

hasen

Schon seit einigen Wochen hängen hier in den Supermärkten bergeweise Schokoeier von der Decke. Nee, nee, mit Selbermalen is nich, der Brasilianer siehts da eher gelassen. Auch das Eiersuchen wird hier nicht zelebriert – wäre wohl auch ein bißchen hart, die Kids zum Suchen in den Dschungel zu schicken – die kommen dann mit Spinnen und sonstigem Getier wieder und die Eier verschwinden im dichten Unterholz auf nimmer Wiedersehen – Tränen und Aufregung und der ganze Osterspaß ist dahin.

Stattdessen werden hier angeblich Schokoeier, die nochmals mit Schokolade oder Spielzeug befüllt sind, aufgehängt, beschimpft und wieder abgerissen 😉 Hmmm? Das soll an an den Verrat von Judas erinnern, die Eier stehen dabei symbolisch für ihn.

Avanete, unsere Faxineira, hat davon allerdings noch nie was gehört – sie feiert folgendermaßen: die ganze Familie reist an, bei 11 Geschwistern dürfte die Hütte da ordentlich brummen – Hütte meine ich wortwörtlich, Avante wohnt in einer Favela. Freitags gibt es Fisch, samstags Churrasco, sonntags Schokolade, zwischendrin den Kirchgang – für Katholiken hier selbstverständlich.

Wir werden von den diversen Osterbräuchen wahrscheinlich wenig mitbekommen, denn wir fliegen morgen nach Brasilia, um einmal mehr die Architektur von Oscar Niemeyer zu bewundern. Als Regierungssitz wird die Stadt wohl über Ostern ziemlich ausgestorben sein, also keine Eier an Laternpfählen??? Aber definitiv eine Kerze in der „Catedral Metropolitana Nossa Senhora Aparecida“ 😉

Wir wünschen euch frohe Ostern und schöne, warme Ostertage! pejo

OI, TUDO BEM?

pinheiros

Hey Moni, stimmt, hab lange nichts mehr geschrieben. Ich war awoi lustlos, denn dieser Blog ist mit der Zeit doch etwas einseitig geworden – war doch am Anfang die Idee da, ihn als Instrument des gegenseitigen Austausches einzurichten. Vielleicht können wir das ja wieder zum Leben erwecken? Dann mache ich mal den Anfang.

Die letzten zwei Monate waren hier etwas anstrengend. Wir fühlen uns seit dem Urlaub im Januar jetzt erst richtig angekommen, der Huddel-und-Brassel-Fokus ist verschwunden und da ergeben sich dann andere Dinge, die zu verarbeiten sind. Wer bin ich, wohin gehe ich und warum weiß meine Golf den Weg … oder so ;-). Und im Gegensatz zu Deutschland – auweia, DER Winter! – war es hier sehr heiß mit etwa 30°C im Durchschnitt – nachts dann nie unter 20°C. Aber bloß kein Neid, die Temperaturen haben uns auf Dauer ganz schön gegrillt, zumal es hier sehr schwül dabei ist – tropisches Klima. Da bleibt man am liebsten drinnen, tut gar nichts und ölt stumpf vor sich hin.

Daher wurds auch irgendwann ziemlich langweilig, nicht für Jo, denn er hat ja den Job an der Schule, sondern fürs Peti, die sich so gar nicht recht fürs bloße Hausfrauendasein eignet. Eigentlich hätte ich von mir selber gedacht, endkreativ zu werden, Flash zu lernen, Illustrationen zu machen usw, aber die richtige Motivation fehlte und fehlt bis jetzt.

Stattdessen hat sich nun etwas anderes entwickelt, was ungleich spannender ist. Ab April werde ich Stadtführungen machen mit dem Schwerpunkt Graffiti in den Stadtteilen Vila Madalena und Pinheiros. Die Graffitiszene São Paulos hat mich von Anfang an begeistert und ich hab im Netz nach Möglichkeiten gesucht, mehr darüber zu erfahren. So ist ein Kontakt entstanden, ein Stadtspaziergang passiert – das schon im Januar – und die Idee geboren worden, dass ich diese Führungen in deutscher Sprache für die Company anbiete, bisher gibts das nur auf portugiesisch und englisch.

Der Bedarf ist da, denn hier leben viele deutschsprachige Expats – zur Zeit etwa 400.000. Und aus meiner Erfahrung weiß ich, dass es für viele mit einem unguten Gefühl verbunden ist, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Da ist ziemlich viel Angst und Unsicherheit, denn São Paulo hat ja nicht den besten Ruf. Ich glaube, der größte Feind ist da eben die Unkenntnis und der möchte ich gerne entgegenwirken und einen neuen Blick ermöglichen.

Einen spannenden zugleich. Seit zwei Wochen schreibe und pauke ich jetzt alles Wissenswerte über das Graffiti hier, seine Herkunft, die Künstler usw. NOSSA, das ist wie eine Diplomarbeit schreiben, aber tut gut und macht Spaß. Zwei Testführungen gab es bereits, nächste Woche gehts dann weiter. Also von Langeweile – Graçias a deus – zur Zeit keine Spur. Drückt mal die Daumen, dass die Sache gut anläuft, bom? Und schreibt mal wieder – wir vermissen euch. pe

CARNAWOW!

Hier der zweite Teil Karneval und diesmal durchaus euphorischer als weiter unten zu lesen. Am Freitagabend, besser gesagt Freitagnacht haben wir uns Gewinner des diesjährigen Karnevals im Sambodromo angesehen. Das war wirklich toll! Die Kostüme, die Wagen, die Tänzerinnen und Tänzer  … Wahnsinn!

Das Procedere läuft so: Jede Sambaschule studiert eine 65 minütige Parade entlang der 500m langen Strecke ein – besonders heftig, weil bis zu 6.000 Personen mitspielen und choreografiert werden möchten! In dieser Zeit präsentiert sich die Schule der Jury und wird nach 9 Kriterien bewertet, unter anderem: Idee, Bateria – also der Rythmus, Handlung, Phantasie, Harmonie usw. Insgesamt können in allen Kategorien 10 Punkte erreicht werden. Die Gewinner landen in der ersten Liga, die Verlierer rutschen in die Zweite ab und haben es im folgenden Jahr etwas schwerer, an Sponsorengelder zu kommen.

Der Aufbau einer Parade ist fast immer gleich: vorab Phantasiefiguren, die teilweise akrobatische Leistungen vorführen, dann die ersten Tanzgruppen, angeführt von einem Paar in Kostümen der Kolonialzeit, dann die ersten Wagen, bestückt mit Tänzerinnen, Tänzern und sehr gerne A,B,C-Promis, die im knappen Outfit als Königin ganz oben auf den Podesten stehen und für Promotion sorgen. Dann wieder Fußgruppen, Wagen, Fußgruppen usw. Zum Schluß kommt die Bateria mit den „Passistas“ – das sind DIE Tänzerinnen der Sambaschule, die besonders schön sind und besonders gut mit dem Popo wackeln können, siehe Film.

Jedes Jahr sucht sich die Schule ein neues Motto und es ist wirklich beeindruckend, wie phantasievoll das inszeniert wird. Zum Beispiel hatte eine Schule das Thema Wasser – das ging von der Tiefsee über ein Korallenriff bis zum Wellenreiter – von Süd- zum Nordpol und das mit allen Farben, die im und am Wasser zu finden sind. Wunderschön!

Eine andere Schule, die „Gaviões da Fiel“ (treue Falken), fest verbunden mit dem Fußballclub „Corinthians Paulista“ hatte das Thema „Corinthians … minha vida, minha história, meu amor!“ („Corinthians … mein Leben, meine Geschichte, meine Liebe!“) – entsprechend ging es ausschließlich um Falken, Fußball und der Anteil der sexy Tänzerinnen war meines Erachtens besonders hoch 😉

Etwas anstrengend ist allerdings auf Dauer die Musik für ungeübte Ohren, denn jede Schule hat nur einen Song, der 65 Minuten lang gespielt und gesungen wird. Da ist man dann doch etwas froh, wenn die Schule durch ist und ein Moment der Ruhe entsteht, bevor die Nächste mit dem nächtsen Song kommt. Hier die bateria extra für Thorsten 🙂

Die Pradaden in den Sambadromos lohnen sich wirklich, ich glaube, phantasievoller, prachtvoller und schöner geht es nicht! Dagegen können die Rosenmontagszüge einpacken! Aber ich bleibe dabei: das Karnevalfeiern in Kölner Kneipen ist mit nichts zu toppen! 🙂 pe

CARNAVAL

Ihr seht schon – det hab ick mit C und A geschrieben – machen die hier so (Den Rest, also wie man das nennt, was in der Folha de S.P. so plakativ abgedruckt ist, lerne ich gerade – daher die wilde Beschriftung!) Aber nicht nur die Schreibweise von Karneval ist anders, eigentlich ist hier alles anders bis aufs Bier trinken, Singen, Tanzen und Knutschen – letzteres wohl besonders in Rio sehr ausgiebig, wie auf Spiegel online zu lesen war.

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K: 6 Tage / SP: 2 Wochen
Der Brasilianer kann es wohl nicht abwarten, bis Karneval anfängt und deswegen beginnt er einfach etwas früher ;-). Etwa 2 Wochen lang gibt es die Paraden der Blocos in den Stadtvierteln. Das sind Gruppen mit Trommlern und Tänzern, die jedes Jahr einen anderen Song einstudieren und den bis zum Ohr auswringen hören. Ist vielleicht so ’ne Trance-Geschichte aus Afrika? Zufällig sind wir in Vila Madaleina in eine solche Parade geraten. War so lustig, dass wir einen Tag später die Vorbereitung der Banda Redonda angeschaut haben – das ist einer der ältesten Blocos und bezieht seine Mitglieder hauptsächlich aus dem Theater-Umfeld – entsprechend waren die Besucher – von total normal bis zigfach operierter Transe war eigentlich alles dabei. Hier die Filme. Achtung: die Soundqualität ist ziemlich lausig – einfach drüber hinweghören!

K: 1 Motto / SP: zig Motti
Neben den Blocos gibt es die großen Sambaschulen der Stadt, die ihre Parade im Sambodromo veranstalten. Für jedes Jahr überlegt sich die Schule ein Motto, welches möglichst sponsorentauglich sein sollte, um finanzielle Unterstützung der Werbeindustrie zu erhalten. Jedoch Obacht – Sponsor und Motto sollten nicht zu ähnlich klingen, sonst gibt es Abmahnung oder Verbot. Wie dieses Jahr: Die Schule Rosas de Ouro (goldene Rosen) hatte sich für das Motto Kakao entschieden und als Sponsor die bekannte brasilianische Schokokette CacaoShow ergattert. Oder war es umgekehrt – die Schule ist 7-facher Champion ??? Jedenfalls hieß das offizielle Motto Cacao & Show … und abputzen … die mussten neu ran! Daraus wurde dann: O Cacau é Show“ (Der Kakao ist eine Show!) Naja, auch sehr ähnlich … aber der Brasilianer ist das ja nicht soooo und die durften starten! Die Schule hat übrigens wieder gewonnen. Leider haben wir dieses Jahr keine Karten für das Sambodromo gehabt, aber mit etwas Glück können wir uns morgen die Desfile dos Campeões, also die Parade der Gewinner dort anschauen. Werde berichten!

K: -5 °C / SP: 35 °C
Logisch, dass da die Kostümwahl etwas anders ausfällt. Rechts das Kostüm der Sambakönigin Viviane Araúju aus Rio. Da waren im Vorfeld viel Fleißarbeit im Studio und sicher einige „Abnäher“ von Nöten 😉 … aber gelohnt hat es sich! Die Dame ist bekannt für ihre Rückseite.

K: deutsches Liedgut / SP: Samba
Das Mitsingen ist unheimlich wichtig – das sind sich die Kölner und Brasilianer total einig. Und so, wie in Köln jeder den Text kennt, ist das auch hier. Es gibt die traditionellen Samba-Carnaval-Songs, aber wohl auch Neues. Aber so oder so – wir hatten da Auszeit. Und haben heimlich: „In d’r kaygass numero noll“ mitgesummt … vielleicht macht mal einer eine brasilianische Variante?! 😉

K: Wie war es denn bei euch?
Gab es dieses Jahr Glühwein statt Kölsch? Wurden die bösen, bösen Heizpilze doch wieder ausgepackt? Hat man wirklich das Rauchverbot gelockert? Wie lief das denn mit den dicken Klamotten in den Kneipen, bzw. von -5°C bis um die 30°C??? Das stell ich mir wirklich schwierig vor. Und was hattet ihr an? Bin sehr neugierig und hatte am Donnerstag ganz schlimm Heimweh nach Köln – da ist nämlich der Karneval immer noch am schönsten !!! 🙂 pe

JAHR DES TIGERS

Am 14ten Februar beginnt offiziell das Jahr des Tigers laut chinesischem Kalender. Aber der asiatisch-stämmige Brasilianer ist da ja nicht sooooo, daher wurde das Ganze hier am letzten Samstag und Sonntag gefeiert. Ort des Geschehens: der Stadtteil Liberdade in der Nähe des Centros.

Liberdade ist das kulturelle Zentrum der größten Ansiedlung von Japanern außerhalb Japans und der Einfluß asiatischer Kultur ist überall in São Paulo spürbar. Es hält sich das geflügelte Wort: „Willst du in São Paulo einen Studienplatz haben, musst du erst einmal einen Japaner um die Ecke bringen.“ Ja, so ist das hier! Aber das Asiatische hat natürlich eine – auch für künftige Studenten – angenehme Seite:  japanische Restaurants mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis gibt es fast an jeder Ecke. Wir stehen besondes auf Rodizio – das bedeutet, du zahlst etwa 45 RS (18 Euro) und hast dafür „All you can eat“, zum Beispiel: gebratene Pilze (Shimeiji), Frühlingsröllchen, Temaki, Misosuppe, Lachshaut, Tempura, warme und kalte Nigiri, Californias, Sashimi usw. … hmmm, üppige und feine Sache!

Einen Teil dieser Köstlichkeiten gab es auch am Sonntag, als wir das Neujahrsfest besucht haben. Auf dem Praça da Liberdade waren, wie jedes Wochenende, jede Menge kleiner Stände aufgebaut mit allem Möglichen an Firlefanz und Gedöns – von billig-Asia-Schrott bis hin zu durchaus Brauchbarem, wie zum Beispiel Kochgeschirr aus Bambus. Den Markt säumen zig Asialäden mit einer sehr guten Auswahl. Dort versorge ich mich immer, wenn es mal wieder eine Thom Kha Gai oder ähnliches geben soll – KnickKnack 😉

Anpfiff war um 13 Uhr, dann nämlich, als eine kleine Parade mit Drachen und Kriegskunstdarbietungen (KungFu und wie sie alle heißen) die Vorbereitung zum Countdown und Neujahrs-Feuerwerk gegeben haben, das pünktlich um 14 Uhr abgeschossen wurde. Na ja, am hellichten Tag … aber geknallt hats fein 😀 Warum das allerdings nötig war, wenn der Tiger erst am 14ten seine Krallen schärft, weiß ich nicht.

Appropos Tiger: hier was uns 2010 erwartet:

Während das Jahr 2009 vom trägen Büffel dominiert wurde, der Zähigkeit, Disziplin und Geduld verlangt, sprüht das Jahr des Metall Tigers nur so vor Energie und Abenteuerlust. Entsprechend unruhig werden die Zeiten sein, die da auf uns zukommen. So manche emotionale Achterbahnfahrt ist zu erwarten und so manche riskante Transaktion wird uns in Aufregung versetzen. Aber wer mit Risikofreude ausgestattet ist und turbulente Abwechslung liebt, wird das Jahr des Tigers schätzen. Zum Mut und der Verwegenheit des Tigers gesellt sich noch die Schärfe des Elements „Metall“, was die Unruhe unterstreicht und ihr eine heftige Note verleiht. Sturm ist also angesagt! Es kann durchaus zu radikalen Entscheidungen kommen, im positiven Sinne zu mutig entschlossenem Durchgreifen und Umsetzen. War 2009 ein gefühlter Monsun ist 2010 ein schneidender Polarwind.

Na denn, warm anziehen! Aber das müsst ihr in Deutschland ja gerade sowieso … ähmm Räusper sorry 😉 pe

NITERÓI CONTEMPORARY ART MUSEUM

Vielleicht sollte ich in diesem Blog eine neue Kategorie für den Herrn Niemeyer eröffnen??? YEP! Jedenfalls bleibt euch nun auch nicht ein Blick auf das nächste tolle Bauwerk dieses Mannes erspart ;-): Auf das 1996 fertiggestellte Ufo – Landeplatz in Niterói – also gegenüberliegende Bucht von Rio.

In diesem Gebäude befindet sich das Museum of Contemporary Art. Die Kunst, die in diesem Museum ausgestellt wird, hat leider ein riesen Problem, denn sie muß mit der Architektur konkurrieren. Daher kann ich euch nur sagen, dass wir auch eine Fotodokumentation über die Architektur in Le Havre gesehen haben – hat sich gelohnt – an die anderen Exponate kann ich mich nicht mehr erinnern. Hmmm….?

Viel spannender ist es, sich einfach im Gebäude zu bewegen und die Architektur wirken zu lassen. Durch die Anordnung der Fenster und der dadurch gewonnenen Ausblicke, wird die Natur und die Küste um Niterói bis nach Rio, selbst zum Ausstellungsgegenstand. Die Beleuchtung verleiht dem Innenraum etwas futuristisches und immer wieder gibt es neue Blickwinkel auf Rundungen, Treppen, eingezogene Wände und Durchlässe, die in sich selbst abstrakte Kunst sein könnten.

Was soll ich noch schreiben – schaut selbst. pe

 

FAVELA ROCINHA

Rocinha ist eine der größten Favelas an einem Berghang im Süden von Rio. Offiziell leben dort ca. 60.000 Menschen – inoffiziell mittlerweile um die 200.000. Passiert man den Eingang von Rocinha, gibt es eine sehr praktische Möglichkeit, über die einzige ausgebaute Straße in die Favela – oder besser ans Dach der Favela – zu gelangen. Man lässt sich von einem Motorboy hochfahren.

So war es auch bei unserer Tour. Morgens hat unser Guide die Leute in verschiedenen Hotels eingesammelt und dann fuhren wir mit dem Bus in den Süden. Unterwegs gab es schon die ersten do’s and don’ts:
1. Keine Fotos im ersten Teil der Tour.
2. Wenn der Guide einen Hinweis gibt, zur Seite treten und die Personen vorbeilassen.
3. Den Leuten nicht offensiv ins Gesicht schauen – könnte provozieren.

Nach der wilden Fahrt mit dem Motorboy, gings direkt rein ins Gewühl. Die Favela ist eine gewaltige Ansammlung von Hütten, teilweise aus Stein, teilweise aus „Grmpf“ und es gibt insgesamt 4 Wege, die den Hang hinab führen. Unsere Route war Rua No. 1.

Der Weg war abenteurlich: klein und gedrungen, irre viele Treppen, Berge von Müll und Verwesung an den Seiten und zwischendurch immer wieder kleiner Shops und Läden. Stromleitungen überall und natürlich wild angezapft. Genauso wie das Wasser, das aus dem Berg kommt und  ich weiß nicht auf welchen Wegen in die Häuser gelangt. Über die Kanalisation kann ich nur sagen: Es gibt sie wohl nicht. Wie also die Abwässer ins Tal gelangen … hmmm … ich hatte Flipflops an und kann Vermutungen anstellen.

Wir sind vielen Menschen begegnet – auch welchen, die Waffen getragen haben. Dennoch habe ich mich dort nicht unsicher oder gefährdet gefühlt. Im Kleinen wird in den Häusern und Läden sehr wohl Ordnung und Struktur erzeugt. Laut Guide leben die Leute „ganz normal“.

Wir haben einige Einrichtungen besucht: Das Atelier dreier Künstler, die auch online ihre Bilder vertreiben. Straßenverkäufer, die ihre selbstgemalten Bilder und Schmuck angeboten haben. Ein kleines Geschäft, indem wir Kuchen und anderen Süßkram kaufen und uns mit Getränken versorgen konnten. Und last but not least eine Kinderstation, wo Waisen versorgt werden bzw. Mütter Rat und Hilfe finden können.

Also im Inneren läuft das – es gibt sogar Internetanschlüsse und die Gesamtversorgung für alles, was man so alltäglich brauchen kann, ist gegeben – Banken, Friseure, Shops aller Art, Kirchen etc.

Dennoch: So viel Dreck und Müll, der einfach an den Hängen liegen bleibt. So viel Gestank – den Geruch werde ich immer erinnern können. So viel Baufälligkeit und Chaos, das es schwer zu glauben ist, dass Menschen dort leben können. Ein Ergebnis dieser Umstände ist die hohe Tuberkuloserate.

Was sehr spooky war: Als Touristengruppe den Menschen bei ihrem Leben zuzuschauen. Und umgekehrt. Das hat etwas Unangenehmes von Zoo und ich habe mir immer wieder versichert, dass es ok ist, denn die Einrichtungen brauchen das Geld, dass die Touristen da lassen. Am Tag besuchen etwa 4-6 Gruppen die Favela. Alle gehen die Rua No.1, so dass wir davon ausgehen, dass die Route sicher ist. Denn, wenn einem Touristen dort etwas zustossen würde, wärs vorbei mit den Besuchen und den damit verbundenen Einnahmen.

Puuuh, die Tour war heftig. Wenn ich mir vorstelle, dass in Rio etwa ein Drittel der Menschen in diesen Umständen lebt wundert mich kaum, dass die Kriminalitätsrate so enorm ist. Die Favelas werden von der Drogenmafia kontrolliert – das Kartell in Rocinha ist ADA (Amigos dos Amigos – Freunde der Freunde). Zur Kenntlichmachung der Machtverhältnisse wird das Kürzel an die Türen und Straßen gesprüht. Die Gang sorgt dafür, dass die Poliziei draussen bleibt, denn sie stört nur bei der Abwicklung der Deals. Gleichzeitig kümmert sie sich aber auch um die Favela und sorgt für sanitäre Einrichtungen etc. Nahezu jeder, der in Rocinha lebt, hat mehr oder weniger mit der ADA zu tun. Selbst schon die Kleinen, die, wann immer eine Touristengruppe durch die Favela geht, Drachen als Warnung für alle steigen lassen, jetzt vorsichtig zu sein. pe

Text Bild oben (Kinderstation der Favela):
Danke! Wir sind zusammen im Auftrag, die Welt durch Liebe umzuwandeln.

 

RIO DE JANEIRO

Seit einer geschlagenen Stunde versuche ich bereits, Rio zu beschreiben. Und ich finde nicht die richtigen Worte, ohne mich in Platidüden zu ergehen. Das einzige Wort, das immer wieder in mein Hirn zurückkommt ist Energie 😀 Ich glaube, das ist das Besondere dort. Die Energie packt dich sofort und lässt alles easy werden, auch wenn es nicht wirklich easy ist – Armut begegnet einem auf jedem Schritt.

Aber wenn dann die Sonne scheint und alles in Bikini und Badehose an den Strand pilgert, um nach einem Tag voller Hitze und Samba sonnendurchströmt in der nächsten Bar bei Bier oder Caipirinha den Tag ausklingen zu lassen, ist das einfach Lebensfreude at its best.

So haben wir uns in den 5 Tagen in Rio einfach durch die Stadt treiben lassen. Die wichtigsten Sightseeingpoints sind auf den nächsten Besuch verschoben, denn zur Hauptreisezeit bedeutet eine Fahrt mit der Bahn auf den Corcovado etwa 2 Stunden Wartezeit – beim Pão de Açúcar ist das ähnlich.

Also ich kann euch nur empfehlen, selber mal hinzureisen (Natürlich mit StopOver in São Paulo ;-)). Am Besten im Herbst oder Frühjahr, denn das ist die optimale Zeit für Rio, weil es dann nicht ganz so heiß und relativ leer ist. Wir hatten jetzt im Schnitt um die 35 Grad (im Schatten) – das ist eine Ansage für sensible helle Haut. Und wenn ihr nach Rio kommt, leiht euch unbedingt Fahrräder aus. Die Küstenlinie ist mit super Radwegen ausgebaut und die Stadt auf diese Weise zu erkunden ist extrem gut! pe

BOM DIA!

hny

Jetzt ist das neue Jahr schon 2 Wochen alt und ich melde uns mit einem Bild vom 01.01.2010 / etwa 0.05h zurück im blog! Ich hoffe, ihr seid gut in das neue Jahr gekommen und könnt bislang an euren Vorsätzen für 2010 festhalten 😉

Unser Jahr hat leider direkt mit einer Planänderung begonnen. Habt ihr vom Unwetter an der Küste Südbrasiliens gehört? Zwischen den Jahren und am Silvesterabend hat es so stark geregnet (eine halbe Badewannenfüllung auf 1 Quadratmeter in 1 Nacht – rechnet das mal hoch!), dass Flüsse über die Ufer getreten sind und es heftige Erdrutsche gegeben hat. Ein Dorf in Angra dos Reis wurde teilweise verschüttet, eine Pousada auf der Ilha Grande und Teile einer Favela in Rio. Bis heute haben die Behörden ca. 50 Tote gefunden – vermisst werden noch viel mehr Menschen.

Unglücklicherweise hatten wir genau dort, nämlich auf der Ilha Grande und eine Bergkuppe entfernt von der verschütteten Pousada ab dem 6ten 10 Tage Relaxurlaub gebucht. Glücklicherweise sind wir mit unseren Plänen, auf der Ilha Grande Silvester zu feiern nicht durchgekommen, denn es war entweder alles rappelvoll oder viel zu teurer weil Hauptsaison! Puuuhhhh!

Ein Kollege von Jo (Danke Christian!) hat uns an Neujahr, am Abend vor unserer Abreise telefonisch nahegelegt, mal das TV einzuschalten und dort haben wir dann die ersten Bilder der Katastrophe gesehen bzw. erstmalig davon gehört, was seit Tagen in der Gegend um Angra abgeht. Es war sofort klar, dass wir unseren Plan ändern werden. Denn auch wenn unsere Pousada nicht betroffen war – laut Aussage eines Mitarbeiters vor Ort liefe alles völlig normal – konnten wir uns nicht vorstellen, wie man in einer Region entspannte Freientage genießen kann, wo 5 Tage zuvor Menschen gestorben sind. Abgesehen von der Gefahr nachfolgender Erdrutsche. Geht nicht!

Ob es in ein paar Wochen oder Monaten geht, werden wir sehen. Die nicht ganz geringe Anzahlung haben wir nicht zurückbekommen und werden daher warscheinlich ein paar Tage über Karneval oder Ostern dort nachholen. Im Moment habe ich dazu sehr gemischte Gefühle, denn wir haben auf unserer Reiseroute entlang der Küste die Verwüstungen sehen können. Heftig!

Unser Urlaub war dann doch noch sehr schön. Wir haben Rio besucht, Parati und schöne Strände und Orte entlang der Costa Verde (der Küste zwischen São Paulo und Rio). Davon dann demnächst mehr! pe

ZWISCHEN DEN JAHREN

Auch wenn sich in diesem Jahr bei uns nicht so richtige Weihnachtsstimmung verbreitet hat, durfte der Weihnachtsspaziergang nicht ausfallen. Dies also geschehen am 1. Weihnachtsfeiertag – ein bißchen auch aus der Not eine Tugend, da das Auto am Morgen nahezu übergekocht ist und wir nur mit Müh und mit viel Wasser nachfüllen nach Hause gekommen sind.

Von Erzählungen wussten wir bereits, dass die Stadt zwischen den Jahren extrem leer sein soll, weil der Paulistano gerne die freie Zeit nutzt, um ans Meer zu fahren. Dennoch konnten wir kaum glauben wie leer leer ist. Als Beispiel hier die Avenida Brazil um 10 Uhr morgens – eine der großen Schneisen durch die Stadt und normalerweise um diese Zeit kein Durchkommen – auf 2 x 4 Spuren Stau!

Das Ziel unseres Spaziergangs am Nachmittag war der Ibirapueira-Park mit dem alljährlichen Weihnachtsbaum. Den hatten wir bereits ab September in der Aufbauphase wahrgenommen und uns immer gewundert, was die Tribüne an der Straße soll: Bis wir dann eines besseren belehrt wurden – keine Tribüne, sondern ein Baum. Aha!

Bei Tag würde man sagen: Groß! Und Nett! Aber der wirkliche Kick erschließt sich erst, wenn es dunkel ist: Das Ding rockt!

Den Film haben wir vom Dach des Hotel Unique aufgenommen. Hatte ja bereits erzählt, dass dieser Ort ziemlich großartig ist und somit war es naheliegend – im wahrsten Sinne des Wortes – nach dem Park schnell um die Ecke und dorthin zu huschen um ein-zwei … Caipirinha zu trinken und somit dem Sunset zu frönen! So ein Sunset kann ja sehr lange dauern 😉

So ihr Lieben, dies ist der letzte Blog für dieses Jahr! Wir ziehen uns jetzt gleich was Weißes an (macht man an Silvester angeblich hier so?) und schauen, wie man in São Paulo den Jahreswechsel feiert. In zwei Tagen sind wir dann auch raus und fahren nach Rio und ans Meer, so dass es bis zum nächsten Eintrag etwas dauern wird!

Euch wünschen wir einen famosen Rutsch ins neue Jahr und alles Gute für 2010! pejo

BOAS FESTAS

Noch 2 Tage bis Weihnachten und es will sich so gar keine vernünftige Weihnachtsstimmung einstellen – wie auch im Hochsommer! Wir haben echt alles probiert:

Plätzchenbacken! Bei 31 Grad irgendwie absurd 😉 … aber lecker, dank eines tollen Rezeptes von Herrn Schubeck.

Weihnachtsgesänge! Von immerhin 6 Nikoläusen und -Läusinnen.

Weihnachtsbasar! EXTRAkitschig im Iguatemishopping!

Das hat alles nicht geholfen! Aber ich glaube, wenn dann der 24zigste ist und wir es uns gemütlich machen, mit vielen Kerzen und mit ohne Kaminfeuer wird sich ganz heimlich doch ein wohliges Weihnachtsgefühl einschleichen 😉

Wir wünschen euch allen boas festas!
pejo

MAJA

Wir trauern um unsere kleine Maja, deren Herz am Donnerstag im Alter von 9 Wochen aufgehört hat, zu schlagen. Irgendwie weiß man ja, dass die ersten drei Monate „gefährlich“ sind und dass viele Babys nicht überleben. Aber wenn es dann wirklich passiert, tröstet das Wissen nur insofern, dass ein Abort in diesem Stadium der Schwangerschaft relativ normal ist. Und besser früh, als später oder die Geburt eines behinderten oder nicht lebensfähigen Kindes.

Gar nichts kann die Ultraschallbilder auslöschen. Und das Rauschen des Mikrofons, das keine Herztöne aufzeichnet. Und den Blick der Ärztin, als sie erkannt hat, dass sich nichts mehr bewegt. Und das Gefühl, von jetzt nach gleich von riesiger Freude in ein ganz tiefes Tal der Trauer und Fassungslosigkeit zu stürzen. Nur mit dem Weg Richtung OP, die der Schwangerschaft dann offiziell ein Ende bereitet. Und die Leere danach.

Ich weiß, das ist ein Thema, über das man nicht spricht. Und vielleicht wundert ihr euch auch, dass ich das hier tue. Oder findet es pietätlos. Mir fällt es auch nicht leicht, aber die Kleine (wir sind uns merkwürdigerweise sicher, dass es eine Kleine ist), wird immer bei uns sein, wird immer die Maja sein und wird nicht totgeschwiegen und nicht vergessen. Und hat nun einen Raum hier und in eurer Erinnerung. Das ist gut.

Wir wissen jetzt noch mehr zu schätzen, wie besonders so ein kleines Leben ist und wie sorgsam man damit umgehen muß. Das und das Andenken an Maja nehmen wir mit und schauen nach vorn bzw. versuchen das gerade. Laut Ärztin ist die Warscheinlichkeit groß, sofern keine gravierenden genetischen Probleme vorliegen,  dass die nächste Schwangerschaft gut verläuft und dass die Babys „danach“ kräftig und stark werden. Das wünschen wir uns. pe

WASCHEN AUF BRASILIANISCH

maquina

Das mit der eigenen Kategorie fürs Handwerk war durchaus ernst gemeint … wenden wir uns nun dem Elektro/Sanitärwesen zu!

Waschmaschine
(gesprochen Màquina de lavar roupa)

Der Brasilianer wäscht seine Wäsche bevorzugt mit kaltem Wasser. Bah Pfui rümpft da die gute, deutsche Hausfrau die Nase, das wird doch nicht sauber!!! Wird es doch irgendwie. Das Wasser ist hier megaweich und daher scheint es eine sehr gute Waschkraft zu haben. Sagt man. Außerdem gibt es ja Chlor, das hier gerne und reichlich zur Reinigung eingesetzt wird! Wir finden das nicht so richtig und sind daher froh, unsere eigene Waschmaschine mit bakterienkillenden 60-95°C importiert zu haben. Anschließen und dem Brasilianer mal zeigen: Nicht nur sauber, sondern rein – Guten Abend! Haben wir gedacht:

1. „Dona da Casa“ macht sich Sorgen über Breite der Türen im Waschraum … 55 cm bzw. 58 cm … könnte knapp werden

2. Maschine kommt an – 62 cm

3. „Chefe da Familia“ montiert Front und Tür ab und baut Gerät an Ort und Stelle wieder zusammen

4. Maschine funktioniert nicht

5. Elektrolux-Fachmann wird verständigt

6. Elektrolux-Team kommt, will aber nichts machen, da Maschine 50 Hz hat. Hier sind 60 Hz normal. Handwerker hat aber Schwager, der günstig gebrauchte Geräte vertickt, schlägt vor, Maschine mitzunehmen und Gebrauchte zu verkaufen

7. Chefe da Familia berät mit Kollegen – Ergebnis: ist Quatsch, Handwerker will abzocken.  50 Hz funktioniert – kann nur leichter kaputt gehen

8. Anderer Handwerker/Elektriker (Empfehlung) kommt – mißt und stellt fest, Platine ist kaputt, hat Feuchtigkeit abbekommen. Hat Bruder, der gebrauchte Geräte vertickt, will uns gebrauchte Maschine verkaufen

9. Wir entscheiden, neue Platine zu bestellen (billiger) und aus Deutschland mitbringen zu lassen

10. Senior Klein organisiert, Peter bringt mit (Zeitfenster 2 Wochen)

11. In der Zwischenzeit Waschsalon (sehr teuer) und Handwäsche

12. Neue Platine ist da, Elektriker kommt

13. Maschine funktioniert nicht

14. Elektriker nimmt Teile mit zum prüfen

15. Prüfung ohne Ergebnis – Maschine definitiv kaputt

16. Elektriker schlägt vor, Maschine zu verschrotten (Gerät 8 Monate alt) und vom Bruder eine Gebrauchte zu kaufen

17. Wäscheberge stapeln sich – 2 Monate ohne Waschmaschine – Waschsalon und Handwäsche – Dona und Chefe entscheiden, Deal zu machen, Maschine soll Samstag (heute) eintreffen

18. Elektriker ruft Freitag an – Deal klappt nicht – Bruder hat keine Maschine

19. Dona und Chefe entscheiden, ganz Neue zu kaufen

20. Dona checkt online Geräte kleiner als 58 cm – wird fündig

21. Dona und Chefe testen Geräte in verschiedenen Läden – Angaben stimmen nicht, Maschinen zu breit oder zu tief

22. Ein Gerät hat 59 cm – Dona hysterisch, Chefe sehr verstimmt

23. Chefe schlägt vor, 60 cm Maschine in der Küche zu installieren

24. To be continued …

Ach tut das gut, die Sch**** mal aufzuschreiben! Irgendwann können wir darüber lachen. Ich geh dann jetzt mal „waschen“ 🙁 pe

HANDWERK AUF BRASILIANISCH

telefon

Es lohnt sich, zu diesem Thema eine eigene Kategorie zu eröffnen. Mittlerweile hatten wir mit diversen Bereichen der Handwerkskunst zu tun: Internet, Telefon und TV, Elektroinstallation, Sanitärwesen, Maler und Lackierarbeiten sowie Gärtnerei. Und wir können zu folgendem Schluß kommen: Nichts ist so wie es scheint und man sieht sich immer mehrmals. Und: Gelassenheit ist eine Tugend, die, wenn man sie nicht hat, am besten umgehend gelernt werden sollte. Aber nun alles hübsch der Reihe nach!

Internet, Telefon und TV – auch genannt NET
(gesprochen Netschie)

NET ist hier der Monopolist, d.h. braucht man Telefon, TV  oder Internet, kommt man an NET nicht vorbei. Sie sind die günstigsten und schnellsten mit dem besten Angebot. Sagt man. Die Beantragung erfolgt online und ist sehr übersichtlich und gut strukturiert. Dann wird ein Termin mit einem Team von Technikern vereinbart, die das Gewünschte im Heim installieren. Einfach, oder? Haben wir auch gedacht:

1. Techniker sollen Basisinstallation von TV, Intermet und Telefon vornehmen, Zeitfenster von 12-18h

2. Techniker kommen um 19h, wir nicht mehr da

3. Erneuter Anruf bei NET (ca. 1 Stunde, das Gespräch führt ein, der portugisischen Sprache mächtiger Kollege von Jo, da man durch mehrere Instanzen weiterverbunden wird – sehr kompliziert) und Terminvereinbarung 2 Tage später, Zeitfenster 6 Stunden

4. Techniker kommen und installieren alles. Internet + Telefon fehlen noch im Büro

5. Anruf bei NET (ca. 1 Stunde wie gehabt) wegen Büro

6. NET-Mitarbeiter kommt und nimmt die Wünsche entgegen, um dann 2 Tage später ein Team zu schicken, das alles installiert

7. Wünsche: Verlegung des Internetzugangs + TV im Haus, Organisation der vielen, in alle Richtungen laufenden Kabel, Installation eines zweiten Internetzugangs und Telefon im Büro

8. Team kommt nicht (Zeitfenster 6 Stunden)

9. Erneuter Anruf bei NET (ca. 1 Stunde wie gehabt) und Terminvereinbarung 1 Woche später, Zeitfenster 3 Stunden

10. Techniker kommt, kann aber nichts machen, weil für anderen Spezialbereich

11. Zweiter Techniker kommt und montiert das Gewünschte im Büro und erhält von der „Dona da Casa“ eine Kurs im rechtwinkligen Kabelverlegen – der Brasilianer ist da ja nicht sooooooo

12. Telefone funktioniern nicht mehr

13. Anruf bei NET (ca. 1 Stunde wie gehabt), Terminvereinbarung 3 Tage später, Zeitfenster 6 Stunden

14. Techniker kommt zu früh – keiner da

15. Techniker kommt nochmal,  kann aber nichts machen, weil für anderen Spezialbereich. Verständigt anderen Techniker

16. Anderer Techniker kommt am nächsten Tag und installiert Telefon. Dabei liegen Kabel wieder diagonal, kreuz und quer, Techniker erhält ebenfalls Kabelverlegungskurs – „Dona da Casa“ am Rande der Hysterie – Nein: hysterisch

17. To be continued …

Wenn wir hier nicht lernen, ganz entspannt mit den Unwägbarkeiten des Alltags umzugehen, lernen wir es nirgendwo auf der Welt 😉 pe

ULTIMO ADÉUS

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch für Begräbnisstätten und daher lohnt es sich ja immer, im Urlaub auch mal einen Friedhof zu inspizieren – abgesehen davon, dass es dort meistens ruhig und friedlich zugeht.

Also wir auf den Cemitério São Paulo in Pinheiros direkt umme Ecke und mal gucken, wie der Brasilianer so begräbt. Mein lieber Scholli! Ganz schön heißblütig, die Herren Steinmetze! Da kann das mit der Besinnung ja durchaus in eine andere Richtung gehen.

Es sind wunderschöne Skulpturen zu sehen, wie die meistbesprochene São Paulos, das Ultimo Adéus von Alfredo Oliani (siehe oben). Die Einen sehen darin ein wunderbares Beispiel der ästhetischen Erotik, die Anderen empfinden es als Missbrauch der Grabeskunst. Uns gefällt’s! pe

IN KÖLLE JEBÜTZT

Erst mal: Kölle Alaaf aus São Paulo! Hoffe, ihr habt heute ordentlich Gas gegeben 🙂 Aber was musste ich denn da lesen? In Kölle jebützt – das Motto für die Session 2010 mit der Erklärung:

„Das Motto ist eine Aufforderung an alle, sich vom Kölschen Lebensgefühl anstecken zu lassen. Außerdem zeigt es die Verbundenheit zwischen zwei Menschen – wo geknutscht wird, schlägt man sich nicht!“

Ja klar, Herr Kuckelkorn, make Love, not War! Das wird sicher eine schöne Weiberfastnacht: Menschentrauben in lustvoller Umarmung, kopulierende Massen auf dem Heumarkt, Matratzenlager in den angesagten Kneipen, Kondome gratis und „Schetähm“ neu interpretiert als kölsche Karnevalshymne! Ach herrlich! 😉 pe

RECYCLING

pap_03

Das Papierrecycling ist in São Paulo einfach. Man muss nur jemanden fragen, der genug Leute kennt (Donisätschi) und schon kommt ein alter Mann mit Holzkarren und lädt auf. Er hat fast den gesamten Papierberg vor dem Haus in seinem Karren verstaut und ist dann zu Fuß über die lärmenden Straßen den Berg hoch Richtung Vila Mariana gelaufen, um das Papier gegen Dinheiros einzutauschen. 50 RS war der Haufen in etwa wert, das sind 20 Euro. Circa 1,5 Stunden später war er wieder da, um die Reste mitzunehmen.

Als ich ihn fassunslos gefragt habe, ob er das jetzt alles nach Vila Mariana den Berg hochziehen muß, hat er gelacht und gemeint, ich sei wohl nicht aus São Paulo! pe

CONTAINER „JETZT“

São Paulo / 04.11.09 / 9.00h / Vor einem Jahr zur gleichen Zeit ging uns der Hut, da wir auf dem Weg zum Standesamt waren. Nun geht er, weil der Container kommt! Irgendwie scheinen wir den 4ten im Abonnement zu haben?! 😉 Donisätschi (mdl.), der Sicherheitsbeauftragte, Parkticketverteiler und eigentlich die gute Seele der Straße, hatte schon früh morgens 4 Parkplätze freigehalten, so dass der LKW zackig einparken konnte.

Auweia, da isser! Eine lange Reise um die halbe Welt hat er hinter sich – knapp 4 Monate war er nun unterwegs – von Köln nach Bremen, dort zwischengelagert, dann nach Antwerpen, über den Atlantik in den Hafen von Santos, dort auf den Lkw nach São Paulo. Und jetzt steht er wieder vor unserem Haus! Mit unseren Sachen drin!

Hoffentlich ist alles heil! Hoffentlich sind keine Fische drin! Hoffentlich …! Hatte mal richtig heftig Herzklopfen und mir war ein bißchen schlecht! 😉

Die Plombe wurde aufgeknackt, die Tür entriegelt und aufgeschoben: Keine Fische (noch nicht mal die silbrigen)! Kein Moder! Kein Vandalismus der Zollbehörde! Und das Entladen war eine entspannte Sache von 1, 5 Stunden – zumindest für mich, da ich als Packlistenchefin schick die Herren nebst Kisten auf die verschiedenen Zimmer deligieren konnte!

Und dann durften wir auspacken und das war wirklich wie Weihnachten. An einige Sachen konnten wir uns gar nicht mehr erinnern. Manches hätten wir besser in Deutschland gelassen, anderes ist jetzt Gold wert! Endlich wieder ein scharfes Messer! Richtige Teller! Ein Sofa – nicht mehr auf dem Teppich sitzen! Ein richtiges, breites Bett!

Bücher!  Klamotten – wobei ich die warmen jetzt wirklich nicht mehr brauche 😉 Ach ganz toll!

Der Umzug war zwar ein riesen Heckmeck und wahrscheinlich würden wir es nicht noch einmal so machen. Aber jetzt, wo die Sachen da sind, ist es ein irre schönes Gefühl! Eben ein richtiges Zuhause! Und irgendwie merkwürdig, dass die Sachen, die wir das letzte Mal in Köln vor 4 Monaten gesehen haben, jetzt „auf einmal“ in Brasilien sind! pe

 

PARANAPIACABA

 

Kann man leichter aussprechen, wenn man hinter Parana eine kleine Pause einlegt und dann Piacaba anschließt. Übrigens auch ein prima Wort mit sechs A’s für vertrackte Scrabble-Buchstabenklötzchen-Kombinationen. Aber eigentlich gehts ja um etwas ganz anderes!

Nämlich um unseren chicen Allerheiligenausflug gemeinsam mit Kollegen von Jo in die Serra do Mar, also in das Gebirge zwischen São Paulo und Santos, wo es nur so wimmelt von Regenwald. Dort wurde 1860 im Zuge der Industralisierung von einer britischen Gesellschaft, die es zur São Paulo Railway-Company gebracht hat, eine Bahnlinie als Verbindung zwischen Santos und São Paulo gebaut. Haltepunkt und Umladeplatz war das strategische perfekt gelegene kleine Örtchen Paranapiacaba mitten in der Serra.

Auf „Indio“ heißt der Ort: Platz um das Meer zu sehen –  nicht ohne Grund, denn eine tiefe Schneise am Ortsausgang bietet, sofern es keinen Nebel gibt, eine perfekte Sicht über das Küstengebirge Richtung Santos. Aber da haben wir den Salat: Es gibt nie „keinen Nebel“, denn durch die Schneise steigt der Nebel wie durch einen Kanal, konzentriert und strudelig in den Ort auf. Das hat eine ganz eigentümliche Stimmung zur Folge: Sonne, Nebelschwaden, spontaner Wechsel von hell zu dunkel, von warm zu kalt usw. – also perfekt, wenn man plant, Depression zu bekommen.

Und sehr spooky. Man hat das Gefühl – und nicht nur wegen des Nebels – im London Mitte des 19 Jhd. zu sein. Die Gebäude der Arbeiter sind nach britischem Vorbild erbaut: Dunkelrote Holzhäuser mit kleinen Vorgärten, rechtwinklige Straßen mit breiten Hauptachsen und schmalen Nebenwegen, Haustypen für die verschiedenen Schichten – Typ A für die Fremdarbeiter, Typ C für den Chefingenieuer, Clubhaus, Markthalle usw. Das Skurrilste ist allerdings der große Bahnhofsuhrturm zwischen den Gleisen – nur „Big Ben“ genannt.

Aufgrund seiner Eigentümlichkeit und Schönheit ist der Ort  zum Landeserbe erklärt worden und schickt sich derzeit an, in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen zu werden. Für den Bereich Industrialisierung/Eisenbahn.

Wir werden den Ort auf jeden Fall noch einmal besuchen, denn wir haben noch nicht sooo viel gesehen und man MUSS eigentlich mit der Eisenbahn dorthin fahren. Eine direkte Linie gibt es allerdings erst ab Mitte November – daher wars diesmal das Auto – natürlich, wie hier üblich, mit einem feinen Stau der uns, gemeinsam mit einer analphabetischen Aushilfskellnerin um das Vergnügen gebracht hat, eine ausgedehnte Wanderung nebst Besichtigung zu unternehmen. pe

>>> zum Film

AUDITÓRIO IBIRAPUERA

Könnt ihr euch noch an das weiße, dreieckige Gebäude mit der roten Zunge  im Ibiapueira-Park erinneren. Das ist, wie ich nun weiß, das Auditório Ibirapuera – fürnehmlich für Konzerte oder ähnliche Veranstaltungen. Das Praktische an dem Gebäude ist, dass man es Indoor sowie Outdoor nutzen kann. Outdoor, indem einfach das große, rote Tor auf der Rückseite aufgeschoben wird und die Künstler aus dem Haus heraus in den Park aufspielen. Tolle Sache – toller Occar Niemeyer!

Gestern Abend haben wir dort beim Dunkelwerden Hermeto Pascoal und das Hamilton de Holanda Quinteto gehört (Experimental Brazilian Jazz – sehr sahnig – gibts bei Amazon). Ganz entspannt im Sitzen auf der Wiese mit ’ner Dose vor-Ort-Kaufbier in der Hand. Der Vertrieb läuft da übrigens genauso wie bei uns – ebenso das Wiedereinsammeln der Dosen.

Ach das war sehr schön und in unserem derzeitigen Organisations-und Abwartwahnsinn eine echt Bereicherung! Anbei ein paar Bilder, die glaube ich, ganz ordentlich die Stimmung einfangen. pe

BEVORRATUNG

Sagt mal Mädels, ist das bei euch eigentlich auch so, wenn ihr den Mann fragt, was man abends kochen könne bzw. was einzukaufen sei? Jo’s erste Frage lautet immer: „Haben wir noch Milch?“ Auf die Antwort : „Yep, 1 bis 2 Tüten!“ kommt garantiert: „Ich bring sicherheitshalber noch was mit!“ Sicherheitshalber?

Was soll denn passieren, mitten in der Stadt, fußläufig 15m vom nächsten Büdchen entfernt? Mittlerweile horten wir Milchvorräte, die uns locker durch den nächsten harten Winter bringen 😉

Ich will nicht klagen, denn ich finde es natürlich gut, dass die Kerls uns das Schleppen von schweren oder unhandlichen Gegenständen abnehmen. So ’ne Lage Milch kommt locker auf 10 Kilo. Ein Kasten Wasser oder eine Palette Dosenbier entsprechend. Aber ich glaube, es ist nicht allein Ritterlichkeit, die hier den Ausschlag gibt. Das ist Bequemlichkeit!

Toilettenpapier, Milch, Wasser, Dosenbier! Der 4-Elemente-Großeinkauf zur Befriedigung ALLER männlichen Bevorratungsgelüste. Damit ist der Sorgfaltspflicht gegenüber kreativer Haushaltsführung genüge getan! Was darüber hinaus geht, ist Kür und obliegt ganz der weiblichen Phantasie.

Diese vier Elemente können entspannt bei EINEM (1) Einkauf im Großhandel erledigt werden. Einmal den Wagen vollladen und dann ist es bis zum Ende des Monats gut! Die frischen Dinge kann man ja nebenher zurecht shoppen, quasi im Vorbeigehen. Habt ihr JEMALS eure Jungs mit einem Körbchen am Arm Kleinigkeiten „im Vorbeigehen“ shoppen sehen? „Ach Schatz, mir ist da gerade eingefallen, wir brauchten ja noch Gemüse!“ ??? 🙂 pe

GRAND PRIX

Am Sonntag wurde in Interlagos, wie ihr ja wisst, der große Preis von Brasilien ausgefahren. Und da Rubens Barichello, gebürtiger Paulistano, auch noch die Pole ergattert hat – er kennt die Regenverhältnisse hier ja bestens – sind wir davon ausgegangen, dass pünktlich um 14h die Stadt den Atem anhält, um in kleinen Bars und Lanchonetes das Rennen mit viel Gebrüll und TamTam zu verfolgen. Also nichts wie hin und dem Trubel in einer typisch brasilianischen Bar beiwohnen. Haben wir als feieraffine Kölner gedacht!

Das Ergebnis war leider eher ernüchternd, denn irgendwie schien das hier keinen großartig zu interessieren. Und die, die es interessiert hat, haben für teuer Geld (ca. 250 Dollar an den Start- und Zielplätzen) in Interlagos an der Rennstrecke gesessen. Wir konnten übrigens pünktlich nach Rennende den Feierabendverkehr der Haute Volaute am Himmel verfolgen – ein Helikopter nach dem anderen auf dem Weg zum Private Parking.

Na denn, im nächsten Jahr werden wir uns rechtzeitig um Tickets bemühen, um uns das mal von nahem anzusehen. Denn im TV? Nö! pe

EISENBAHN

Kleiner Nachtrag zum Kölsch: Die Brauerei Eisenbahn hat einen eigenen Song, den ich euch nicht vorenthalten kann. Zum Mitsingen inkl. Text!

Na na na, Eisenbahn…

Cerveja Eisenbahn, das Bier von Blumenau
Das macht uns stark und schmeckt so gut
Cerveja Eisenbahn, das Bier von Blumenau
Tudo mundo gerne trinken tut

Me dá um chopp, um choppe geladinho
Pois este é o melhor remedinho
Bebendo com moderação
Faz bem pra tudo é a nossa tradição

Lá vem a Eisenbahn
Chopp de Blumenau
Cerveja da região
Lá vem a Eisenbahn
Chopp de Blumenau
Tudo bem todo mundo alles blau

Ein Prosit! Ein Prosit, mit Eisenbahn!
Ein Prosit! Ein Prosit, mit Eisenbahn!

Unglaublich 🙂 pe

>>> zum Song: 01 Hino Eisenbahn

KÖLSCH

eisenbahn

Das brasilianische Bier ist in Ordnung, wie wir vor einiger Zeit schon angemerkt haben. Aber Kölsch ist eindeutig besser! Das weiß auch der Brasilianer und versucht daher, den Geschmack zu kopieren – siehe Etikett der Brauerei „Eisenbahn“.

Naaaaaa-ja! Mit spitzen Lippen und hochgezogenen Brauen haben wir uns entschieden, dem kölschlosen Raum nun den wahren Gerstensaft zu offerieren. Eine Kooperation mit einer namhaften Brauerei war schnell gefunden und nun präsentieren wir stolz unser erstes Einsatzfahrzeug 😉 (Danke fürs Bild, Bodo) pe

getränke

BECO DO BATMAN

Keine Ahnung, mit welcher Superlative ich das Gefühl beschreiben kann, das ich beim Durchwandern dieser Straße hatte 😉 Anna, ming Droppe!!! Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll! Demzufolge ist die Galerie nun zum Bersten voll mit tollen, neu entdecken Gemälden! pe

FLEXA

haus_klein

Da simmer wieder! Seit Samstag letzter Woche wohnen wir in einem zauberhaften Haus (mit übrigens ordentlich Platz für Gäste!) in Jardim Paulistano – quasi ein paar Kilometer um die Ecke des lustigen Torre de Siena. Der Abschied von dort ist uns nicht schwergefallen – zwei Fuhren mit dem Auto und die Sache war erledigt. Schon erstaunlich, was sich in so kurzer Zeit alles ansammelt???

Die Ankunft im Haus war hingegen schon eher etwas problematisch, da diverse „Spezialisten“ alles von oben nach unten gekehrt hatten – Renovierung nennt man das wohl. Eigentlich war abgemacht, dass zumindest die obere Etage in „gutem“ Zustand übergeben wird, aber guter Zustand ist ja Auslegungssache. Jedenfalls sah’s aus wie Sau und Jo und ich haben erstmal nur geschrubbt, um irgendwie dort wohnen zu können. Zwischenzeitlich hatte ein Gärtner, der den Auftrag hatte, die Pflanzen aus ihrem Urwalddasein zu befreien, so beherzt mit der Heckenschere zugelangt, dass ein Baum fast komplett nach nebenan gefallen ist. So haben wir dann auch die Nachbarn zügig kennengerlernt.

Aber alles in allem ist der Einzug gut verlaufen. Seit heute haben wir wieder Internet und Telefon und fangen an, uns hier einzuleben. Und die Umgebung zu erkunden.

Die Gegend ist anders, etwas extremer und wir wohnen mittenmang. Links herum landet man im Trubel aus Menschen, Büros, Traffic, kleinen Läden sowie Shoppings und Imbissstuben – rechts herum wirds nobel, ruhig und stark bewacht. Demzufolge hatten wir links rum das widerlichste Essen in unserer gesamten Zeit hier – Durchfallattacke inklusive – und rechts rum auf der Suche nach einer gemütlichen, kleinen und günstigen Kneipe das bisher beste … und teuerste 😉 pe

 

UMZUG

Noch 1x im Torre schlafen und dann gehts los ins neue Haus, das jetzt für die nächsten Jahre unsere Bleibe in São Paulo sein wird. Da wir noch keine funktionierende Internetverbindung haben, geschweige denn Telefon, ist die Kommunikation jetzt vorerst on hold – mal schaun, ob wir zwischendurch funken können. Als dann bis bald pe

SCHWIMMENFAHREN

Herrjeh, ich habe mich ja schon einige Male über das Wetter im Winter beklagt, aber nun gibt es mal was filmisches dazu. Das hier war der heute-nachmittagliche kurze Regenschauer, wie er häufig vorkommt. Als Autofahrer muß man aufpassen, denn das Wasser läuft nicht richtig ab, sondern die Straßen herunter.

Demzufolge wird es an den tiefsten Stellen – also vornehmlich in den Tunnels – eng, denn die laufen schon mal voll und wer dann nicht rechtzeitig rausfährt, muß rausschwimmen. Leider gab es tatsächlich schon Tote nach Regenschauern. So werden die „gefährlichen“ Tunnels bei Regen auch eher nicht befahren, was natürlich dann zu ordentlichem Traffic auf den Straßen führt. Und ich muß mich jetzt gar nicht wundern, dass Jo immer noch nicht von der Schule zurück ist – schluck – ich ruf lieber mal an … Alles ok! 😉 pe

WAHL ’09

Die Bundestagswahl in Deutschland ist natürlich auch hier nicht spurlos an uns vorübergegangen. Um das Ereignis gebührend zu begehen, hatte der deutsche Club „Transatlantico“ ab Mittag zu einer Wahlparty geladen – mit politischen Diskussionen, Kommentaren aus berufenen Mündern und dem hier üblichen Zitat der „Cozinha Alemã“: Sauerkraut, Würstchen und Bier.

Letzteres und die Aussicht auf neue Gesichter und viel Gerede mag wohl bei den meisten Besuchern den Ausschlag dazu gegeben haben, das Fest zu besuchen. Die politisch Diskutierenden wurden nur von einigen wenigen beachtet.

Tja und dann steht man da im deutschen Club mit deutschem Weißbier und unterhält sich auf deutsch anläßlich der deutschen Wahl. Und das mitten in Brasilien. Mir ist es nicht gelungen, da ein Gefühl der Heimatverbundenheit zu entwickeln – ich fand das hauptsächlich spooky.

Aber wir Deutsche haben ja bekanntermaßen Probleme mit der eigenen Identität – trotz Fußball-WM. Dabei ist das hier gar nicht „schlimm“, Deutscher zu sein. Au Contraire. Die deutsche Kultur ist sehr beliebt, es gibt massig Restaurants mit so wohlklingenden Namen wie Weinstube, Bierquelle oder Munique. Auch sollte man mit lauten Lästereien in der Öffentlichkeit etwas vorsichtig sein, da viele Brasilianer sehr gut deutsch verstehen.

Warum muß man nicht lange erfragen: Seit Mitte des 19.Jhd.gab es immer wieder Auswanderungswellen nach Südamerika – vor allem um die beiden Weltkriege herum. Wenn wir deutschsprechende Brasilianer kennenlernen, ist es immer ganz witzig, das besonders betont wird, wenn der Vater VOR dem zweiten Weltkrieg ausgewandert ist und nicht nachher. Kann ich verstehen!

Am kommenden Freitag haben wir noch eine Einladung – diesmal in fein anläßlich des Tags der deutschen Einheit. Im Club wird das schon am 2ten Oktober vorgefeiert … hmmm, ich glaube ich hätte mal wieder Lust auf einen rheinischen Sauerbraten mit Klößen und Apfelmus und dazu ein feines Kölsch 😉 … Appropos: es gibt hier tatsächlich Kölsch! Aber diese Geschichte wollte Jo erzählen. pe

BRAZIL’S NEXT TOPMODEL

Ach herrlich 😉 Die Staffel hat gerade begonnen und wird, wie gewohnt, am Donnerstagabend, auf Canal Sony ausgestrahlt. Moderateuse ist Fernanda Motta (kannte ich bisher nicht), darüber hinaus gibt es einige weitere Juroren – einen Bösen wie Payman, eine Art Bruce usw. Also fast alles gleich, selbstverständlich auch die Zickereien. Um die zu verstehen, muß ich allerdings noch kräftig die Sprache üben – aber bei diesem Format macht das ja besonders viel Spaß 🙂 Schade nur, dass wir das nicht diskutieren können, Mädels 🙁 pe

POLKA

Oder so? Jedenfalls war es sicher keine Samba, die wir uns am Samstag auf dem Schulfest des Colégio Humboldt angesehen haben. Die ganz Kleinen aus dem Kindergarten haben, stilecht in Dirndl und Trachtenhosenimitat, einen Tanz aufgeführt. Deutsche Schule – deutsche Tradition, ergo gab es an diesem Tag auch Warsteiner, Erdinger, Bratwürstchen und Sauerkraut 😉 Aber zurück zum Tanz. Ich konnte nicht umhin, einen kleinen, pummeligen und sehr süßen Jungen (mit schwarzem Hut) zu filmen, der offensichtlich mehr Energie als nötig hatte, nur mit der Schrittfolge ein wenig auf Kriegsfuß stand – lol 🙂 pe

AUF GO

Ihr lieben, wollte mal kurz ein Lebenszeichen von uns geben. Viel Neues gibt es nicht zu erzählen. Seit zwei Wochen sind wir innerlich auf Go und können es kaum noch erwarten, endlich umzuziehen. Unser Flat, so praktisch das für den Anfang war, geht mittlerweile gar nicht mehr – zu klein, zu laut, zu wenig persönliches hier.

Am Freitag unterschreiben wir – wenn alles gut verläuft – den Mietvertrag für unsere neue Bleibe. Wir haben ein sehr schönes, altes Haus (60er) gefunden, das gerade noch renoviert wird und dann hoffentlich am 3. Oktober parat für den Einzug ist. Einzug, heisst: Mit unseren Koffern, dem Huhn Elsa, dem Sitzsack, unseren Andenken aus Köln und den Lebensmitteln und Utensilien, die wir bisher hier zusammengesammelt haben. Möbel sind da dann noch keine, so dass wir 1 oder 2 Wochen im Haus mehr oder weniger campen werden.

Der Container ist ab dem 6ten in Santos vorgemerkt und wir wären total happy, würde er ab dem 13ten zu uns geliefert. Dann hat Jo eine Woche „ferias de batatas“ – also Kartoffelferien und wir könnten gemeinsam die Kisten auspacken und Möbel verteilen. Darauf freu ich mich sehr, hab schon das halbe Haus vermessen und mein Computer ist voller Pläne, wo man was wie hinstellen könnte, welche Farben an den Wänden gut aussehen, was es noch zu organisieren gibt und was wir zusätzlich an Möbeln etc. kaufen müssen.

Mit „Einkaufen“ … ja, ja, ja … beginnen wir heute Nachmittag – erstmal praktisch, weil wir brauchen Gasherd und Kühlschrank. Dann gehts raus nach Embu, um nach einem Tisch zu fahnden – eigentlich haben wir schon einen tollen gesehen, aber ob der noch da ist? Ja und dann habe ich am Samstag auf einer Busfahrt einen GROSSEN Teppichladen entdeckt … da könnte man auch hin … nur so zum gucken … 😉

Das Möbelgucken ist hier übrigens ziemlich genial, denn oft sind die Geschäfte auf den Straßenzügen monothematisch – es gibt z.B. Handwerkerstraßen, Brautmodenstraßen, Lampenstraßen. Und eben auch Möbelstraßen. Eine ganz besonders tolle und teure, weil italienisches Design und Designklassiker ist bald direkt nebenan – zum Gucken und Inspirieren schön, zum Kaufen unmöglich! Leider sind Design-Möbel oder -Klassiker noch unerschwinglicher als bei uns wegen Export und Co. Ein Kartell-Stuhl kostet beispielsweise das Vierfache. Aber der findige Brasilianer hat trotzdem eine Lösung parat und kopiert einfach. Diese Möbel stehen dann eine Straße weiter oder im brasilianischen IKEA – sprich ETNA. pe

CONTAINER

Übermorgen wird unser Container in Antwerpen auf die MSC Laura gehievt und ab geht’s über den Ozean. Das Schiff läuft am 06. Oktober in Santos ein (In shalah ;-)) und dann liegt es am Gutdünken der dortigen Zollbehörde (und an der Vollständigkeit unserer Papiere), wann die Fracht nach São Paulo weitergeleitet wird.

Es ist wirklich unglaublich, wie aufwändig so ein „kleiner“ Umzug in ein anderes Land ist. Oder liegt es an der Bürokratie hier in Brasilien? Jedenfalls braucht man: Die gültige CPF (Steuernummer), einen Ausweis (Carteira), der bestätigt, dass man eine Aufenthaltsgenehmigung hat, die Dienstpässe, die Dienstbescheinigung, Geburts-und Heiratsurkunden, vollständige Listen der Umzugsgüter, der Versicherungen und den Vertrag über den Umzug, Erklärungen über die Beschaffenheit der Lieferadresse und fast alles davon beglaubigt und in portugisischer Übersetzung. Habe ich noch was vergessen? Kann sein 😉

Die Beschaffung dieser Dokumente hat Jo, Ilse von der Schule, Giselle von der Umzugsbehörde in Santos und mich die letzten Wochen ordentlich in Atem gehalten. Vor allem das Thema Carteira, denn es war lange fraglich, ob und wann dieses Dokument ausgestellt wird. Es gibt zur Zeit neue Bestimmungen über das Aufenthaltsrecht und es ist noch nicht endgültig geklärt, wie lange wir hier eigentlich mit gültigem Dienstpass bleiben dürfen. Im Moment gilt sie für 6 Monate.

Wie auch immer, das Ding geht jetzt auf die Reise und wir hoffen, dass alles gut wird – dass der Container nicht vom Schiff fällt, dass er nicht voll Wasser läuft weil er ganz oben steht (das ist einem Schüler von Jo passiert – die haben den Container aufgemacht und dann kam erstmal der Atlantik heraus) und dass die Behörden in Santos gerade nicht streiken, denn dann würden Lagergebühren fällig, die nach dem Mondkalender oder whatever berechnet werden und astronomisch sind. Jo hat von einer Frau gelesen, die ihren Container in Salvador 3 Monate nicht auslösen konnte und letztlich das Ding im Meer hat versenken lassen, weil ihr die Standgebühren über den Kopf gewachsen sind. Auweia 😉 Aber bei uns passiert das nicht! Also Daumen drücken! pe

WINTERSPIELE

 

Ca. 180 km von São Paulo entfernt liegt auf 1.700 Metern das malerische Städtchen Campos do Jordao. Dort ist es, wo alljährlich der Paulistano Winter spielt. Es muß sich ja auch lohnen, Pelze, dicke Pullis, Schals und Mützen zu kaufen!

Demzufolge ist Campus do Jordao architektonisch schweizer-  oder österreichischen Alpendörfern nachempfunden: Fachwerk, hübsche Giebel, Zierbalkone und jede Menge Schnitzereien. Und um den winterlichen Eindruck zu komplettieren, gibt es überall Fondue, Raclette und die beliebte heiße Schokolade – sprich „schokolatschie kentschie“, auf Wunsch mit Schuß.

Das alles bei ungefähr 20 Grad. Auweia! So dachten wir auch, aber da aufgrund eines langen Wochenendes dank Feiertag  an der Küste angeblich die Hölle los sein sollte, haben wir beschlossen, uns antizyklisch zu verhalten und ins Landesinnere zu fahren, um uns das mal anzuschaun.

Es war auch dort die Hölle los und mit Ach und Krach und viel Gekurve haben wir leztendlich nach 5 Stunden Fahrt (3 Stunden regulär inklusive Stau / 2 Stunden Hotelsuche) die sehr schöne kleine Pousada Benevento etwas außerhalb gefunden.

Abends mußte dann der Klassiker her: Fondue (das dann ein Raclette war) im angesagtesten Laden des Ortes: Baden-Baden mit eigener Brauerei und einer deutsch-alpinen-brasilianischen Küche. Wir haben uns nach anfänglichem Unbehagen prächtig amüsiert! Anders lässt es sich wohl auch kaum aushalten.

Die Paulistanos hingegen meinen das ernst! Dresscode Damen: Dicker Rollkragenpulli, knallenge Hose und hohe Winterstiefel, gerne auch Handschuhe oder Mütze. Die Herren geben sich sportlich alpin.

Daher am nächsten Tag: Flucht und raus in die Natur – wenn schon Berge, dann wandern. Der Brasilianer wandert nicht soooo gerne – besser ist es, direkt mit dem Auto an den Ort des Geschehens zu fahren – warum anstrengen, wenn es auch anders geht uns man mit 80 Sachen über Bergpisten brettern kann? Ergo haben wir das mit dem Wandern gelassen – jeder Weg, den wir ausprobiert haben, führte nur zur nächsten Sendemaststation und dann Sackgasse – und sind auch mit dem Auto ganz nach vorn gefahren.

Das Resultat war am nächsten Tag ein Aufenthalt in einer Autowerkstatt, weil wir uns eine ordentlich Schraube in den Reifen getrieben haben. Von geplatzten, zerschlitzen oder platten Reifen lebt dort übrigens eine ganze Branche 😉

Die Tour war dennoch sehr schön. Ziel war der Pedro do Bau, ein cooler Berg etwa 20 km von C.d.J. entfernt. Hin ging es über Serpentinen durch den Mata Atlantica – also den „Urwald“, zurück dann durch ein hügeliges Gebiet, das von Gauchos bewohnt und bewirtet wird mit dem kleinen Ort São Bento do Sapucai im Zentrum.

Dahin werden wir das nächste Mal fahren – Gegend, Ort sowie „Cowboys“ fanden wir einfach nur klasse. Ein bißchen Texas in Brasilien, aber ursprünglich, da die Menschen dort, dereinst Bauern aus Argentinien bzw. Chile ihre traditionellen Jobs ausüben: Pferdezucht, Rinderzucht und Ackerbau (hier Bananen – weiter westlich Richtung Minas Gerais Kaffee). Keine „Cowboy-Spiele“, wobei man das dort sicher auch ganz toll kann – wir werden berichten 😉 pe

STREET ART

Pinheiros und Villa Madaleina sind eine wahre Fundgrube in Sachen Street Art. Habe meine Hemmungen, mit gezückter Kamera durch die Straßen zu gehen, mittlerweile ad Acta gelegt. Es macht auch gar keinen Sinn, sie wegzuräumen, denn alle paar Meter kommt was Neues, Spannendes an den Wänden.

São Paulo hat sich, aufgrund des positiven Feedbacks auf diese Art der Kunst, als Graffiti-Hochburg einen Namen gemacht und viele der Künstler stellen bereits international aus. Damit ist das Sprühen hier im Großen und Ganzen legalisiert – gute Sache!

Wenns euch interessiert, gebt mal im Internet „Street Art in São Paulo“ ein – da findet ihr reichlich Info und Bildmaterial. Oder schaut ab und zu in unsere Galerie Street Art, da poste ich regelmäßig neue Fundstücke. So wie jetzt 😉 pe

HALLO LEUTE

Ich bin’s, Jo(chen), mit ein paar Gedanken zu dieser Stadt, die unser Zuhause in den nächsten Jahren sein wird.

São Paulo, Megacity oder Moloch? Einerseits andererseits? Geht das überhaupt oder ist São Paulo nur ein zum Scheitern verurteilter Versuch? Sozusagen die Quadratur des Kreises? Die Anforderung moderne Urbanität und die schiere Masse Mensch zu vereinen, scheint in São Paulo immer kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen, aber dann funktioniert es irgendwie doch, bis auf wenige Ausnahmen. Von einigen Phänomenen dieser erstaunlichen Funktionalität im Chaos hat die Peti im Block schon berichtet, weitere Beschreibungen werden von uns folgen. jo

KOSMETIK

Ein bißchen ging mir schon der Hut, als ich gestern zu meinem ersten Kosmetiktermin aufgebrochen bin. Mußte aber dringend sein, denn mit Gesichtsreinigung allein kommt man hier, dank des Drecks in der Luft, auf Dauer nicht weiter.

Im Grunde läufts wie bei uns: reinigen – peelen – bedampfen – ausreinigen – desinfizieren – massieren – maskieren – waschen – pflegen – und auf Wunsch: zupfen. Nach 2 Stunden war die Sache erledigt und meine Haut war um gefühlte 15 Sälbchen und Tinkturen reicher.

Bis dahin alles fein.

Hattet ihr schon mal eine Anti-Age-Behandlung? Die Kosemtikerin meinte, das täte Not … Grummel … aber wo se recht hat. Ich kannte das bisher noch nicht, daher kann ich nicht sagen, ob üblicherweise ein elektrischer Pol in den Nacken gelegt wird, ich nehme mal an die Erdung, um dann mit einem zweiten elektrischen Ding die Falten zu massieren???

Das hat beides ordentlich gebizzelt und ich sah meine Haut schon im Auflösungsprozess begriffen. Die Haut im Gesicht war bis zum Abend schwerst nervös, aber hats überlebt. Dafür habe ich jetzt, neben den Falten, an denen man keine wirkliche Veränderung feststellen konnte, ein kleines, rundes Elektro-Schmormal im Nacken.

Die haben da auch noch Anti-Cellulite- und Antifettbespassung. Ohne mich! pe

EMBU

Embu ist ein kleines Städtchen in der Nähe von São Paulo. Dort haben sich Künstler, Kunstgewerbetreibende und eine Art Antiquitätenhändler niedergelassen. Am Wochenende ist Markt und dann geht da ordentlich die Post ab, denn neben den Paulistas, die dort allen möglichen Schnickschnack fürs Heim erwerben, ist Embu auch eine feine Touristenattraktion.

Wir haben uns diesmal Möbel angesehen und da gibts schöne Sachen für wenig Geld – zumindest wenn man das mit Deutschland vergleicht. Richtige Antiquitäten findet man dort warscheinlich nicht, aber die Möbel werden auf alt getrimmt, indem die Hölzer angeschliffen, mit Farbe bemalt und dann wieder abgeschliffen werden. Das verschiedene Male mit verschiedenen Farben und schon hats einen scheinbar alten, verwitterten Schrank, Stuhl oder Tisch. Hört sich vielleicht merkwürdig an, aber die Sachen haben was und da wir noch einen Tisch (etc.) brauchen … 😉

Richtig heftig ist allerdings der „Landhausstil“ à la Ponderosa oder so ähnlich. Wagenräder, schiefe Balken und fette Stämme in dunkel und massiv werden zu Sesseln oder Schränken verarbeitet. Keinen davon kann man einen Millimeter bewegen – also wenn’s steht, stehts. Aber die Brasilianer scheinen das toll zu finden. Hmmm?

Tinnef musste aber neben all dem Möbelgucken trotzdem her. Here we proudly present: Elsa!

Keine Ahnung, warum Perlhühner hier als Aufsteller chic sind – muß ich mal recherchieren – aber wir konnten auch nicht ohne 😉 pe

TAG AM SEE

 

Wir wollen ja nicht in Interlagos wohnen, aber so ein Tag am See: bitte gerne! Man kann dort Boote mieten und sich eine Weile über den See tuckern lassen. In der Mitte des Sees gibt es eine kleine Insel: Isla de Makakas, auf der wilde Affen leben. Die kleine Insel darf nicht betreten werden, weil Naturschutz, aber die Bootsführer haben ihre Tricks, um die Affen anzulocken. Füttern dann wohl zeitweise inklusive, obwohl man ja nicht auf die Insel darf … Ähm???

Wir haben auch tatsächlich einen Affen gesehen – siehe Jo’s Suchbild: „Doch, da is einer drauf!“ Yep, is auch einer drauf! 😉 Dazu: Wir haben eine neue Kamera weil Frau Bähner, die Königin im Sachen verlegen, letzte Woche in einem Taxi die Kamera „verlegt“ hat. Dieses Mal wird die Kamera wohl nicht wie von Zauberhand zurückkommen, wie diverse andere Gegenstände – Räusper – daher hats jetzt eine Neue mit verstecktem Zoom ;-)!

Wirklich bemerkenswert war die Skyline von São Paulo ganz weit hinten. Die Stadt ist schon irre! pe


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FAVELARÄUMUNG

Wir haben gerade erst erfahren, dass gestern morgen im Süden São Paulos eine Favela geräumt wurde. Über 1000 Menschen ohne Bleibe und ohne Aussicht auf eine. Da kommt mir mein Artikel über die Appartements wie eine Farce vor.

Das sind Kontraste, mit denen wir hier täglich zu tun haben und es ist schwer, damit umzugehen. Viele sagen, man gewöhnt sich daran. Ich glaube, man blendet es irgendwann aus. Am Sonntag sind wir mitten im Centro an einer belebten Straßenecke vorbeigekommen, wo ca 30 Menschen – Männer, Frauen und Kinder wohnen – auf Decken, Kartons und allem, was ein wenig warm hält. Armut gibt es auch in Deutschland. Aber das was wir hier sehen, ist damit nicht zu vergleichen. pe

ES GEHT VORAN

Wir haben unsere Carteiras – also die Ausweise, die bestätigen, dass wir jetzt in São Paulo leben und die für uns erstmal 180 Tage gültig sind. Damit stünde jetzt auch unserer Containerverschiffung nichts mehr im Weg und wir könnten in etwa 2 Monaten umziehen. Wie gesagt – alles noch im Konjunktiv und schnell auf Holz geklopft.

Daher haben wir jetzt Kontakt zu Wohnungsmaklern aufgenommen und gestern hatte ich die erste Besichtigungstour. Die ersten beiden Appartements hätte ich eigentlich gar nicht betreten wollen – Auweia! Aber man muß ja auch die Schattenseiten kennenlernen, um dann die Sonne genießen zu können 🙂

Das dritte Ding war der Hammer. Total 70ies, loftartig und über 2 Etagen mit Dachterrasse und Pool. Da hat das Mädchenherz einen Megahüpfer getan, weil es schon in Gedanken saucoole Sommerparties feiern wollte und sofort bereit war, den bisher nicht vorhandene grünen Daumen hervorzukramen, um die Zeit mit Hege und Pflege des noch nicht vorhandenen Dachgartens zu verbringen.

Aber Jungs sind da ja pragmatischer. Falsche Seite – die Terrasse geht nach Süden, was unserem Norden gleichkommt, weil selten Sonne. Ein Zimmer zu wenig. Vielleicht zu teuer. Warscheinlich zu teuer. Zu teuer. Im Moment! Den Aufzug hört man. Eventuell muß ein Dachfenster neu abgedichtet werden. Und die Planken um den Pool sind in einem schlimmen Zustand.

Hab trotzdem schon mal vorsichtshalber eine Skizze gemacht und virtuell Möbel verteilt 🙂

Die nächsten beiden Appartements waren ok, aber nicht begeisternd. Wie auch, nach Nr. 3 🙂 Die Aufteilung ist hier fast immer gleich. Die Wohnung gliedert sich in drei getrennte Bereiche: Küche + Waschküche + Raum fürs Personal / ein großer Wohn- und Essraum / weitere kleine Räume zum Arbeiten, Schlafen oder für die Kinder. Meist gibt es zwei Eingangstüren. Die eine führt direkt in die Küche und ist für die Empregada*, also die Hausangestellte. Die andere führt in den Wohnbereich. Je nach Budget fällt das Ganze großzügig oder lausig aus. Bisher haben wir eher zweiteres  gesehen, aber am Freitag gehts weiter mit der Besichtigungstour. Dann werden wir uns auch ein Haus anschauen – bin mal gespannt. pe

*EMPREGADA

Gleich Hausangestellte. Mit deutlich mehr Aufgaben als die „klassische“ Raumpflegerin in Deutschland. Meist ist sie so etwas wie die sogenannte gute Seele, kümmert sich ums Einkaufen, Kochen, Saubermachen und Waschen. Und um die Kinder, wenn vorhanden. Doch nicht immer mit dem Guten-Seelen-Status. Die hierarchische Trennung ist ganz klar.

Wir haben zur Zeit auch eine Empregada: Rosa, gesprochen Hossa.

Sie gehört hier zum Haus und reinigt jeden Tag die Wohnung, wäscht ab, macht da Bett uns so weiter. Warscheinlich lebt Rosa in einer Favela und fährt morgens eine halbe Ewigkeit mit dem Bus, um in die Stadt zu kommen. Sie hat drei Kinder und die sind ihr ganzer Stolz. Monatlich verdient sie etwa 300-400 RS, also zwischen 100 und 150 Euro. Soweit mein Informationsstand, zu mehr Konversation reicht mein portugiesisch leider noch nicht.

Letzten Freitag haben wir ihr das Trinkgeld für einen Monat gegeben – das waren 40 RS und laut Aussagen von Kollegen war das wohl mehr als ok. 10% ihres Monatslohns – im besten Falle. 15 Euro.

Vermutlich gehts Rosa besser als vielen anderen, weil sie einen festen Job hat.

Wir haben bisher gesagt, wir möchten keine Empregada, wenn wir ein eigenes Appartement haben. Weil wir unseren Kram gut selber erledigen können und weil es für uns ein sehr befremdendes Gefühl ist, eine Hausangestellte zu haben. Und nu?

Wie seht ihr das? pe

SOHO

Oh Gott, ich muß zum Friseur. Letzte Woche war es soweit. Ich hätte es ja noch länger aussitzen wollen, aber Babett meinte zurecht: Geh lieber, wenn deine Haare noch ungefähr so aussehen, wie du sie haben möchtest, damit die den Schnitt erkennen. Ich habe mir dann so ’ne Art Arno ausgesucht – heißt hier Soho – also großer Laden, jede Menge Frisuere, die Hälfte davon schwul und mit den unglaublichsten Farben im Haar. Blau ist gerade in! Und so ne Art 80er-Style. Passt ja 🙂

Dort läuft das so ab: Du entscheidest dich erstmal, ob du das Basic- oder Extendedprogram möchtest, das sich aber nicht auf die Art der Anwendung, sondern auf die Qualifikation des Friseurs bezieht. Das geht dann bis zum Artist … aber det hab ick mir nicht jetraut! Daher: Bitte Stylist.

Dann: Oberteil aus – Kimono an! Zum Glück ein chices Teil und cooler als der übliche Plastikumhang. Rückwärts auf eine Bahre, der Kopf wird auf ein kleines Söckelchen gebettet, das Ganze über dem Waschbecken. Man wählt dann verschiedenen Pflegeprodukte aus – kannte ich sogar: L’Oreal und Redken – und lässt sich aber sowas von den Kopf waschen.

Als nächstes auf dem Programm: Schulter-bzw. Rückenmassage. Und dann darfste an den eigentlichen Ort des Geschehens, bekommst doch noch den Plastikumhang, nen grünen Tee, Zeitschriften und den Stylisten. In meinem Fall Miori, eine kleine Japanerin und die einzige, die halbwegs Englisch sprechen konnte.

Die hat die ganze Zeit gekichert und fand meine Haare so babyhaft – na toll – jaja, die Menschen in Brasilien haben dickes kräftiges Haar – jaja, die Frauen tragen ihre Haare lang und erst wenn sie älter … und so weiter! Neben uns stand ein Lehrling, vermute ich, der in den Schneidepausen einen Spiegel an den Hinterkopf gehalten hat, damit ich überprüfen konnte, ob alles den rechten Gang geht. Ging es. Sehr vorsichtig – aber ok!

Um das Föhnen und das Styling habe ich mich dann selbst gekümmert – als Zuschauer Miori + Lehrling – die mein Getue aber doch faszinierend fanden. Das Ergebnis war absolut ok. Und mit 51 RS (18 Euro) ziemlich günstig. Jo meinte:  Man sieht ja gar nichts! Alles richtig gemacht 🙂 pe

TAG AM MEER

Eigentlich waren es drei, aber der Samstag letzter Woche gilt! Wegen des schönen Wetters. Und des Strandes! Von São Paulo fährt man etwa 2-3 Stunden zu den ersten schönen Stränden. Davor ist es doof, weil die Küste um Santos herum zwar eigentlich schön, aber voller chemischer Industrieanlagen ist! Und der Brasilianer hat es mit dem Umweltschutz ja nicht sooooo!

Wir haben einen der „Bähner-Spots“ aufgesucht – so nennt Jo immer die Orte, die ich schon von meinen vorherigen Besuchen kenne und ihm unbedingt zeigen muß – und waren in Jureia und Juquehi. Ich brauche diese Déjà-Vu’s und stehe dann immer vollkommen fasziniert an den Orten und muß ständig sagen: Ich hätte ja nieeee, geglaubt, dass ich hier nochmal hinkomme. Jo kann das übrigens lippensynchron 😉

Auf dem Weg dorthin haben wir die eigentlich Schnellspurtstrecke Rua dos Imigrantes verpeilt und sind auf der Rua Anchieta gelandet. Eigentlich tun sich die beiden Straßen nix, die Anchieta ist sogar schöner gelegen, aber dort quält sich der Fernverkehr die Serpentinen herunter während man auf der anderen chic und dreispurig mit 120 ans Meer brettern kann. Um ans Meer zu kommen, muß man über ein Bergmassiv. Dieses ist gleichzeitig auch die Wetterscheide und das quasi via An-und Ausschalter. Echt abgefahren – du fährst bei schönster Sonne – vor dir wirds neblig – knipps biste in der dicksten Suppe und hast  fortan und am Meer schlechtes Wetter, währende in S.P. die Sonne scheint.

Na ja, aber dafür hatten wir ja den Samstag! Ich möchte nicht klagen, aber der Sand überall, ständig eincremen – Nein :-): SONNE! STRAND! LECKER  PLATZ MIT LIEGE! LECKER WELLEN – HOHE WELLEN – SEHR HOHE WELLEN! LECKER CAIPIRINHA! LECKER  WELLENREITER/INNEN! LECKER GLOTZEN! ALLES GROSSARTIG!

Sonntags dann wieder eher trübes Wetter, Daher haben wir uns Rädschn geliehen, die besser funktioniert haben, als sie aussahen, und sind über Schlammpisten orteweise an der Küste weitergefahren. Das war schon ein bißchen Urwaldfeeling und das zurecht – die Wälder dort gehören zum Mata Atlântica, dem atlantischen Regenwald, der sich die gesamt Ostküste hochzieht und heute zum Teil unter UNESCO-Schutz steht.

Nachmittags zurück ins Städtchen S.P. und natürlich unbedingt via Imigrantes. Daraus wurde dann Landstraße, weil die Stimme von Otto – unserem elektronischen Zurechtfinder „der hat ja keine Ahnung“ nix galt und Monsieur Klein seiner inneren Stimme – sprich Eingebung gefolgt. Kommt schon mal vor. Und ist ja schön- so eine Landpartie von 250 km 🙂 Bis auf den Stau. Und die Polizeikontrollen.

Uns haben sie 2x kontrolliert, aber nix beanstandet. Dennoch – da geht schon ordentlich der Puls, weil man ja nie weiß, ob die Jungs gute Laune und „schon ausreichend nebenher verdient haben“, wie böse Zungen behaupten. Außerdem sehen die wirklich gefährlich aus: blaues Hemd, schwarze Weste, schwer bewaffnet, schwarze Hose, hohe Lederstiefel, Helm, dicke Brille –  Militärpolizei. Angeblich gibt es kein Pardon, wenn etwas nicht stimmt, man kann aber wohl verhandeln … trotzdem: besser den aufgefüllten Feuerlöscher unterm Sitz und auf jeden Fall alle Papiere dabei haben. Und freundlich sein! Aber das ist nach einem Wochenende am Meer ja nicht soooo das Problem 🙂 pe

BETTHUPFERL

 

Statt Schokolade: Die Überspannungssteckdose. Die Stomschwankungen sind hier so heftig, dass gerne mal die Netzteile der Geräte durchknallen. Daher immer rechtzeitig alles wieder aufladen. Und wenn das mal nicht klappt, muß Mann halt mit halbabrasiertem Bart in die Schule fahren … 😉 pe

ONLINE!

Adé Café do Ponto! Seit letzter Woche sind wir endlich im Appartement online. War ein bißchen Gefummel, aber jetzt haben wir eine funktionierende Leitung via Ethernet. Welt, du hast uns wieder! Übrigens könne wir jetzt auch telefonieren – daher legt euch doch bitte einen hübschen Skype-Zugang zu, dann können wir uns sogar zuwinken 🙂 pe

MOTORBOYS

Wie die Heuschrecken und man kann nicht Augen genug haben!!! Aber die Motorboys sind die einzigen, die es halbwegs schnell schaffen, durch die Stadt zu kommen. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass ihnen auf den meist dreispurigen Straßen der schmale Streifen zwischen linker und mittlerer Spur gehört. Das bedeutet: immer schön Abstand halten und beim Spurwechsel am besten den Beifahrer bitten, die Hand herauszuhalten, damit die Jungs das mitkriegen. Denn selbst bei Stau sausen die mit ca. 50 Sachen durch die Autokolonnen. Leider gibt es daher auch täglich ca. 8 Tote.

Neuerdings gibt es die Regelung, dass nur noch eine Person pro Motorrad erlaubt ist. Funktioniert super, wie man sieht 🙂 Das Gesetz ist erlassen worden, da der Beifahrer bei Raubüberfällen auf der Straße derjenige mit Knarre ist. Das hat riesen Proteste und einen tagelangen Streik gegeben – und da stand S.P. still – keine Lieferungen, keine Post, kein Fastfood – nix hat mehr geklappt. Seitdem sehen das alle wieder locker! pe

PAULISTA VON OBEN

Höher gehts nicht in São Paulo, es sei denn, man besteigt den Helikopter. Das ist die Avenida Paulista: Bankenmeile und höchste Stelle der Stadt. Die Straße ist wie eine Schneise und teilt die Stadt nicht nur geographisch, sondern auch sozial: Auf der einen Seite Jardins mit seinen Villenvierteln, auf der anderen Seite gehts runter ins Centro. Die großen Masten auf den Dächern sind nachts zum Teil in quitschbunten Farben beleuchtet und von weither sichtbar. pe

CENTRO


Sonntag: Unser erster Trip in die Altstadt von São Paulo. Hier prallen Welten aufeinander. Es gibt wunderbare Gebäude aus dem Ende des 19.Jh, die zum Teil renoviert sind, leider aber größtenteils verfallen. Ansonsten wird das Stadtbild von mehr oder weniger tristen und heruntergekommenen Hochhäusern geprägt. Die Altstadt muß einmal sehr schön gewesen sein, doch das kann man jetzt nur noch ahnen.

Leider ist es auch nicht ganz ohne, die Altstadt zu besuchen, da hier die Kriminalität sehr hoch ist. Daher hat uns Christian, ein Kollege von Jo begleitet, der sich gut auskennt, da er schon lange in São Paulo lebt. So wusste er auch, wo es gefährlich ist und man besser nicht aus dem Auto steigt und wo man relativ sicher herumlaufen kann.

Wir haben den Complexo Cultural Estaçao Júlio Prestes besucht. Zentrum ist der alte Bahnhof der Stadt Estação da Luz. Im Bahnhof selbst ist es sicher – drumherum wird einem schon mulmig, denn wie warscheinlich auf allen Bahnhöfen dieser Welt versammeln sich dort alle, die Drogen, Geld oder wer weiss was suchen. In der Nähe des Bahnhofes gibt es direkt einen Zweiten. Auch der ist in Betrieb, beherbergt aber zusätzlich einen Konzertsaal, den Sala São Paulo. Merkwürdige Vorstellung, auf der einen Seite des Gebäudes klassische Musik zu hören und auf der anderen Seite das Quitschen der Züge? Aber funktioniert wohl.

Direkt an den Bahnhof schließt sich die Estação Pinacoteca an. Das Gebäude war während der Militärdiktatur (1964-1985) der Ort, an dem Tausende von Menschen verhört und gefoltert wurden. Und verschwunden sind. Daher hat das Gebäude in Brasilien eine traurige Berühmtheit. Dort ist jetzt das Memorial da Resistênca. Die Ausstellung ist sehr bedrückend, da man die Räume wieder so hergerichtet hat, wie sie während der Diktatur benutzt wurden. Man begeht die Zellen der Gefangenen, liest Inschriften auf den Wänden und kann, sofern man portugisisch versteht, Tondokumente von Zeitzeugen hören. Dazu jede Menge Filmmaterial ansehen. Sehr gut gemacht – für uns halt leider kaum zu verstehen, da es keine englische Übersetzung gibt.

Zu dem Complexo Cultural Estaçao Júlio Prestes gehört auch ein Park mit tollem, alten Baumbestand und vielen Skulpturen, der Parque da Luz. Vor einigen Jahren hätte man einen Spaziergang dort warscheinlich nicht überlebt, doch es hat Bemühungen gegeben, den Park wieder sicher zu machen. Es gibt Wachen und so bleibt man relativ geschützt.

An den Park schließt sich die Pinacoteca do Estado an, das älteste Museum der Stadt. Von außen eher eine Ruine, aber innen eine Ausstellungshalle mit beindruckender Architektur. Dort findet man Kunst aus dem Bundesstaat São Paulo, eine Mischung aus Kunst aus dem 19. Jh und der Moderne. Wir hatten nicht viel Zeit, alle Ausstellungen zu sehen, holen das aber sicher bald nach, wenn es „ausnahmsweise“ mal wieder regnet … gerade scheint nämlich die Sonne! 🙂

Gerne hätten wir an unserem ersten Tag im Centro noch mehr angesehen, aber es wurde langsam dunkel und somit Zeit, die Altstadt zu verlassen. Denn bei Dunkelheit wollte auch unser Begleiter lieber im Auto bleiben. pe

>>> Website der Pinacoteca

ZG (CERVEJARIA & FRUITOS DE MAR)

 Da sind wir ganz zufällig gelandet. Eigentlich stand ein Besuch des Aquariums auf dem Plan. Nicht weil wir die absoluten Fischfreaks sind, sondern eher, weil wir davon ausgegangen sind, dass es dort WARM ist. Nach zwei Wochen Regen und Kälte ohne Heizung braucht man: WÄRME!!!

 

Na jedenfalls hat sich unser Navi verhaspelt – war wohl ein doch ein „Eingabefehler“ und so haben wir unser Ziel vor einer Autowerkstatt in Itaim Bibi erreicht. Das Aquarium war auf der anderen Seite der Stadt. Wieder zurückfahren? Neee! Daher Not/Tugend/Planänderung und von innen wärmen: Essen!

Das ZG – warum das so heißt ist mir überhaupt nicht klar – hat den Charme einer italienischen Markthalle. Hier muß man Fußball gucken – am besten Italien/Brasilien! Die Beamer und Leinwände geben Anlass zur Vermutung, dass das hier auch regelmäßig getan wird. Überall wuseln Kellner, es ist irre laut und urgemütlich. Es gibt eine Karte mit zig Bieren, die dort auch mittags schon reichlich konsumiert werden und genau ein Gericht, das mündlich offeriert wird: Fisch mit einem Drumherum, bestehend aus Scampis, Gemüse, Salat, Reis, Pürree, Farofa (geröstetes Maniokmehl), scharfen Soßen und auf Wunsch Bohnensuppe. Einfach, viel und sehr köstlich!

Der Patrone – zumindest macht er den Eindruck – wacht über allem, palavert und flirtet hier und dort, dirigiert seine Kellner und ist natürlich außerordentlich wichtig. Er sieht selbst aus wie ein dicker Karpfen und passt großartig in das Ambiente. Der ganze Spaß hat uns umgerechnet 36 RS gekostet – das sind 6,50€ pro Nase. Wir kommen wieder! Und: Wir wollten Fisch. Und hatten Fisch. pe

BUCHSTABENGRÖSSEN

Frau trägt hier selten 40 oder 42, sondern P oder G. In meinem Fall leider zur Zeit GG. Diskreminierend – ich finde, GG hört sich genauso doof an wie Doppel-D. Wäre H wirklich schlimmer als Doppel-G? Weiß nicht! Wir sagen ja auch nicht 42+2, oder? Dennoch muß man hier immer plus2 rechen, also eine 40 wird zur 42 und so weiter. XL habe ich bei Mädchensachen noch nie gesehen – L. Und Ende.

Naja, jedenfalls habe ich im Moment GG und das macht die Sache in den Shopping-Malls nicht gerade einfach. Es gibt sehr schöne Sachen, aber gerne in kleinen Größen. Was mich wundert! Man sollte nicht meinen, dass die brasilianischen Frau via Extra-Gen jung, schlank, sportlich und gut gebaut ist.

Au Contraire – da gibt es schon reichlich ordentliche Ärsche zu bestaunen – auch stramme Prachtschenkel und bedeutsame Vorbauten. Nur im Gegensatz zu den europäischen Frauen, tragen die Damen das hier mit einer scheinbaren Gleichmut zur Schau – sind doch die Hosen, Shirts größtenteils press-eng!

Das mag an den fehlenden GG’s, H’s oder I’s liegen, oder wirklich daran, dass es hier eine andere Körperkultur gibt. Das werde ich noch genauer inspizieren – habe mich jetzt erstmal zum Pilates angemeldet, um bald mit einem P einkaufen gehen zu können … bin eben keine Brasilianerin 🙂 pe

REGEN/REGEN/REGEN

Boahhhhhh, so langsam isses gut. Seitdem wir hier sind, hatten wir einen regenfreien Tag. Ansonsten gießt es in Strömen und warm ist auch nicht wirklich. Dabei kommt die Regenzeit erst noch, hat man uns gesagt. Normalerweise ist es hier im Winter eher trocken. Das ist selbst für die Paulistas eine kleine Sensation. Nun, was nützt es? Jo sagte schon, er könne jetzt gut verstehen, warum die Lehrer lieber im Winter nach Deutschland fliegen. Das werden wir auch so halten … wir kommen im Winter, ihr im Sommer nach brasilianischem Kalender … bene?

Ansonsten gehts uns gut. Jo ist seit einer Woche in der Schule – und hat schon wieder frei. Die Schulen in S.P. wurden wegen möglicher Schweinegrippefälle vorsorglich geschlossen. Erstmal bis Samstag, evtl. aber auch noch die gesamte nächste Woche. Ich finds gut, denn dann können wir gemeinsam die Stadt erkunden.

Das geht jetzt Dank GPS-Navi deutlich einfacher. War nicht ganz ohne, mit der Karte auf den Knieen durch das holprige São Paulo zu düsen … Würg 🙂

Das für den Moment. Gehts euch gut? Wir freuen uns über Kommentare!!! pe

HOTEL UNIQUE

Dies ist die Bar des Hotel Unique. Das Hotel gehört zu den GEILSTEN in S.P., hat die Form einer Melone und oben auf dem Dach eine grandiose Aussicht über die Stadt. Leider ist im Moment das Dach noch geschlossen, daher waren wir auf einen Caipirinha Maracuja in der Bar, die gleichermaßen die Empfangshalle ist! pe

>>> Unique

RESTAURANT FIGUEIRA

Heißt: Feige und bezieht sich auf den fetten Feigenbaum, unter dem man sitzen kann. Hier haben wir am Samstag die erste Feijoada probiert … Bohnen und Gemüse sind köstlich, aber die verschiedenen Fleischarten können schon Probleme machen, vorausgesetzt man steht nicht unbedingt auf Fett, Füße, Ohren und Innereien – bah! Die Feijoada ist mittwochs und samstags Nationalverpflegung und man bekommt sie mehr oder wenig aufwendig überall. pe