PREPAID BITTE!

Am Samstag habe ich den Telefonprovider gewechselt. Das an Sich ist ja nichts Besonderes, aber bin nun bei einem neuen Provider aufgrund einer Empfehlung des Alten. Es scheint nämlich hier deutlich einfacher zu sein, bei einem Wechel im Vertrag – zum Beispiel von Postpaid zu Prepaid – direkt zu einem anderen Anbieter zu gehen, der dann die Umstellung, Mitnahme der Telefonnummer etc. erledigt, als wenn dieses die Gesellschaft selber tut.

Oder das ist ein spezieller Service für Nicht-Muttersprachler – frei nach dem Motto: Ist uns zu viel Arbeit, sollen sich doch die Anderen damit rumschlagen 😉

Ich war durchaus guten Mutes, beim alten Provider zu bleiben. Und es schien auch erst ganz einfach, denn man geht ins Geschäft, bespricht mit dem Mitarbeiter dort, was gewünscht wird, der gibt alles in seinen Computer ein, man erhält eine Protokollnummer die 5 Tage später via Telefonat einem Operator genannt wird, der dann den Vorgang abschliesst. Da gehts dann nur noch um die Bestätigung des Antrages.

Das Problem war, dass während des Telefonats alles Andere als eine Bestätigung versucht wurde – neuen Vertrag verkaufen, erweitertes Spektrum anbieten, andrere Postpaid-Tarife vorstellen usw. – und dass mein Wunsch, lediglich auf Prepaid zu wechslen, nicht verstanden wurde (oder nicht gehört werden wollte). Nach den ersten erfolglosen Versuchen habe ich eine Muttersprachlerin zur Hilfe geholt, aber es hat leider trotzdem nicht geklappt.

Am letzten Samstag im Geschäft vor Ort empfahl dann ein Mitarbeiter: „Ach, alles viel zu kompliziert! Gehen Sie einfach eine Etage tiefer zur Konkurrenz – der Rest erledigt sich von allein“ 🙂 pe

1x FRADIQUE UND ZURÜCK

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4 Tage in der Woche mache ich mich entweder per Bus oder zu Fuß auf in den unteren Teil von Pinheiros, um dort entweder Geist oder Körper zu ertüchtigen. Jetzt könnte eigentlich schon wieder der kleine Diercke herbeizitiert werden, aber ein Link auf Google Maps ist in diesem Fall einfacher.

>>> Karte

Vor einer Woche habe ich die Kamera mitgenommen und in der Galerie befindet sich nun unser Lieblingsviertel fotografisch mit Erläuterungen! Wie lange es noch die charmante Mischung aus Groß und Klein, Hoch und Niedrig, Teuer und Billig gibt, ist leider nur eine Frage der Zeit. Die alten Häuser werden sukzessive abgerissen um Platz für neue Condominios und damit mehr Wohnraum zu schaffen. pe

FESTAS JUNINAS

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Die Festas Juninas werden in Brasilien traditionell den ganzen Juni über gefeiert. Zurück geht der Brauch auf den Johannistag, welcher nach dem hl. Johannes benannt ist, der etwa ein halbes Jahr älter gewesen sein soll, als Jesus. Und zack: 24ter Juni.

In dieser Nacht werden rituell die Johannisfeuer angezündet, die auch mit Sommersonnenwende und Verehrung der Sonne zusammenhängen und zusätzlich böse Dämonen abwehren sollen. Landwirtschaftlich betrachtet feiert man das Ende der Schafskälte und leitet die Erntesaison ein. So weiß es Wikipedia.

In Brasilien hat man den Brauch von den Portugiesen übernommen, die hier im 16 Jhd. alles erobert und klar gemacht haben. Man feiert ihn auf ähnliche Weise: Es gibt die Feuer, die auch leuchtende Ballons oder ein Feuerwerk sein können, man kleidet sich traditionell mit Strohhut und Karohemd, führt Quadrillen auf oder tanzt Forró und futtert die ganze Zeit komische Maissüßigkeiten. Am kommenden Samstag werden wir ein Festa Junina in Jo’s Schule besuchen und dann werde ich diesen Bericht noch mit Fotos ergänzen, wenn was brauchbares dabei ist.

Was mir besonders gut gefällt ist die Tatsache, dass der Brasilianer quasi 3 in 1 feiert, denn es wird gleichzeitig auch noch São Antonio (13.06) und São Pedro (29.06) gedacht. Also auch kein Wunder, dass man den genauen Termin für die Party nicht so einfach bestimmen kann und den ganzen Juni über feiern muß!

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São Antonio fällt dabei eine ganz besondere Rolle zu, denn er hat neben vielen Patronaten wie: dem Wiederauffinden von verlorenen Gegenständen (daher auch der Name Schlampertoni), Fieber, Schiffbruch, Atltwerden, gute Ernte, auch das für Fruchtbarkeit und Geburt. Die letzten Beiden sind  für die Brasilianerin interessant, denn Antonio wird vor allem von ledigen Frauen verehrt, die sich dringend einen Mann herbeiwünschen.

Laut Brauch läuft das hier so ab: Man kaufe eine Antonio-Statue (möglichst zweigeteilt, d.h. Christuskind extra), stelle sie auf und nehme Antonio das Kind sofort wieder weg (Kidnapping?). Das Kind wird separat aufbewahrt (Portemonnaie oder so) und das so lange, bis der Gatte gefunden und geehelicht wurde. Dann gibt man Antonio das Kind wieder zurück und alle sind glücklich. Alternativ kann man auch, sollte der Antonio nur 1-teilig vorliegen, die Statue kopfüber ins Wasser tauchen (Folter?) und ebenfalls solange in diesem Zustand belassen, bis ein geeigneter Gatte vorliegt.

Als ich die Geschichte vorgestern von meiner Portugiesisch-Lehrerin Marilena erzählt bekam, musste ich wirklich laut lachen, denn der Pragmatismus des Brasilianers, selbst beim Verehren von Heiligen, ist wirklich kaum zu überbieten. 😉 Lache eigentlich jetzt noch … pe

DER KLEINE DIERCKE

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Schon einige Male habe ich davon erzählt, dass wir kurz ans Meer gefahren sind und damit ihr euch das alles mal besser vorstellen könnt, gibts heute eine Karte zur Ansicht.

Auf der oberen Karte seht ihr den Großraum São Paulo – hier leben etwa 20 Mio. Menschen. Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 60 x 80 Quadratkilometern und liegt auf einem Hochplateau (ca. 800m über NN). Vom Zentrum bis zur Küste sind es ca. 80 km – das heißt, die Strecke ist bei normalem Verkehr in einer Stunde zu schaffen.

Um an die Küste zu gelangen, durchquert man die Serra do Mar – den atlantischen Küstenurwald, der unter Naturschutz steht und vor São Paulo bis zu 1200m hoch aufsteigt. Ihr könnt euch denken, wie steil es demnach runter ans Meer geht.

Auf der unteren Karte seht ihr die Küstenregion. Von Santos, der Hafenstadt mit den Wackelzahnhäusern, habe ich ja schon erzählt. Ebenfalls von Guarujá – das war das verregnete Wochenende. Dieses Mal gehts um den südlicheren Teil.

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Praia Grande wird der Ort genannt – ist aber auch Synonym für den gigantischen, geraden Strand, der 37km lang sein soll. Im Sommer wimmelt es nur so von Menschen, aber in dieser Jahreszeit ist es schön leer und weitläufig, daher fein für ausgedehnte Strandspaziergänge. Dennoch dürfen die Tinnefverkäufer nicht fehlen und auch die Strandwagen-Gastronomie funktioniert bestens, damit der Brasilianer nicht auf sein Choppé gelado oder einen Caipirinha verzichten muß. Das wollten wir übrigens auch nicht 😉

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2 Brücken verbinden Praia Grande und São Vicente – wir haben die kleinere und ältere genutzt, um auf die andere Seite nach São Vicente zu gelangen. Die Stadt selber ist nicht sooo interessant, daher sind wir schnurstraks hoch auf eine Landzunge gefahren, von der aus man einen tollen Blick auf die lange Bucht von Santos haben soll. Praktischerweise befindet sich ganz oben auch ein Restaurant und ein Aussichtspunkt, gestaltet von Herrn Niemeyer, der ja an keinem neuralgischen Punkt in Brasilien fehlen darf. Ob dieses Bauwerk allerdings eines seiner gelungensten Werke ist, na ich weiß nicht?

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Die Aussicht ist wirklich spektakulär, auch wenn sie am besten vom Restaurant aus zu genießen ist, was natürlich heißt, sich dort hinzusetzen und etwas zu verzehren, was sich die Gastronomen natürlich etwas kosten lassen – daher besser dort nichts essen. Aber so what – man kann ja auch „naturbreit“ werden 😉 pe

IN BRASILIEN IST ES IMMER WARM!

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BEEEEP – falsch! Seit meiner Rückkehr aus Deutschland sitze ich mit einem Heizofen und dickem Pulli vor dem Computer. Und all die mitgebrachten schönen Sommerkleidchen dürfen einstweilen im Schrank auf wärmere Zeiten warten. Menno!

Kalt heißt hier so um die 11-14°C. „Stellt euch nicht so an“, mögt ihr vielleicht jetzt denken. Aber 11°C in São Paulo sind nicht unbedingt mit 11°C in der Kölner Bucht zu vergleichen. Das fängt schon damit an, dass die Häuser hier keine Heizungen haben und das Thema Wärmedämmung im brasilianischen Bauratgeber vermutlich ganz hinten unter „Vermischtes“ steht.

Die Häuser kühlen sehr schnell aus und werden klamm. Schränke sollten daher via Luftentfeuchter getrocknet werden, da in dieser Zeit der Schimmel fix bei der Sache ist. Andereseits ist die Luft im Winter aber trocken – daher empfiehlt sich eher ein Luftbefeuchtungsgerät, damit die Augen nicht zu jucken beginnen. Und schon haben wir den Salat! Übrigens: wir besitzen weder das Eine, noch das Andere 😉

Und wenn man so hübsch weit oben wohnt, wie wir gerade, kann es, nachdem die Sonne weg ist (wenn sie überhaupt da war), richtig zugig und frisch werden. Die Fenster lassen sich leider auch nicht vernünftig schließen – sehen dafür aber stylisch aus.

Dass es hier keine Heizungen etc. gibt, verstehe ich ja irgendwie, denn bei den 1-2 Monaten Kälte im Jahr lohnt sich der ganze Aufriss wohl kaum. Außerdem kann man ja etwas dazu kaufen: Elektroradiatoren, Gasöfen (die allerdings in Appartments strikt verboten sind, woran sich aber keine Socke hält 😉 ) oder lustige Halogen-„Placebo“-Heizöfen (siehe Bild oben). Die sehen nach richtig viel Wärme aus, aber tatsächlich fühlt man das nur, wenn man etwa 20 cm davor steht. Möchte man damit einen ganzen Raum heizen, kann das schon mal etwas dauern und vor der nächsten Stromrechnung habe ich jetzt schon ein bißchen Angst. Last but not least: Wer es sich leisten kann, nutzt in dieser Zeit den offenen Kamin. Für alle anderen muß es mit dicken Pullis, Schals, Mützen und Handschuhen gehen.

Wie zum Beispiel bei Avanete, die heute morgen dick vermummt bei uns eintrudelte und naturgemäß eine fette Grippe hat. Möchte mir gar nicht vorstellen, wie kalt es bei ihr zuhause ist. Sie sagte, sie wärmen von innen und meinte damit einen heißen Kakao oder Tee. Bei von innen wärmen fällt mir ja was anderes ein und ich nehme an, Cachaça, also der hiesige Zuckerrohrschnaps, ist in dieser Jahreszeit auch ein probates Mittel, um der Kälte entgegen zu wirken.

Tja, gerade ist irgendwie eine verkehrte Welt … und daher ihr Lieben: genießt den Sommer und die schönen warmen Temperaturen! Jetzt bin ich auch mal awoi neidisch 🙂 pe

VIRADA CULTURAL

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Letztes Wochenende befand sich São Paulo in einem kulturellen Ausnahmezustand. Das Ganze nennt sich Virada Cultural und ist prinzipiell mit dem damaligen Kölner Ringfest zu vergleichen, nur dass in São Paulo zusätzlich die klassischen Orchester, Ballett- und Theaterensembles auftreten. Und natürlich ist alles umsonst, was dann ausnahmsweise allen Teilen der Bevölkerung die Möglichkeit eröffnet, an einem kulturellen Event teilzuhaben – und gute Geschäfte zu machen – siehe das Verkaufen und Wiedereinsammeln von Dosen.

Da São Paulo etwa 20 Millionen Einwohner hat, ist die Sache eine Spur größer, hier Zahlen: 1000 Veranstaltungen, 100 Veranstaltungsorte, davon die meisten im Centro, 13 Bühnen, 7 Pistas, etwa 3 Millionen Besucher, 24 Stunden.

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Yep, 24 Stunden dauert der Veranstaltungsmarathon, der samstags um 18h beginnt und dann ohne Pause bis sonntags 18h zelebriert wird. Für den Brasilianer ist es nicht unüblich, die Nacht über zu feiern (siehe Karneval im Sambodromo), daher ist auch tatsächlich 24 Stunden lang die Innenstadt granatenvoll – wie übrigens irgendwann auch die Leute dort 😉

Besonders schön war es, mal nachts im Centro umherzulaufen. Normalerweise für uns ein NoGo, weil es viel zu unsicher ist. Doch wenn man sich die Straßen mit 3 Millionen Anderen teilt? pe

Hier der offizielle Trailer zum Event >>> virada cultural

DONA YAYÁ

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In Bixiga steht das Haus der Dona Yayá. Haus ist gut gesagt, eigentlich ist es ein amtliches Herrenhaus, das sich früher inmitten einer Fazenda befand – heute ist nur noch ein kleiner Garten übrig. Es gehört der Universität São Paulo und die hat dort das Zentrum für den Erhalt der Kultur untergebracht. >>> Centro de Preservação Cultural

Wirklich interessant ist die Geschichte von Yayá, die eigentlich Sebastiana de Melo Freire hieß, 1887 geboren wurde und zu einer aristrokratischen und auch politisch sehr bedeutenden Familie in São Paulo gehörte. Das Leben, oder sagen wir die Umstände, oder sagen wir die Verschwörung – letzteres ist nicht bewiesen, wird jedoch vermutet –  haben ihr Leben zu einer Tragödie gemacht.

Es begann mit einer Todesserie, die Yayás Familie beinahe völlig eliminierte: Eine Schwester erstickte, die Andere starb an einer Infektion. 1899 starb die Mutter, da war Yayá 12 Jahre alt. Zwei Tage später folgte der Vater. Im Jahr 1905 dann der nächste Schlag: Ihr Bruder, bei dem eine geistige Erkrankung diagnostiziert wurde, stürzte sich auf einer Schiffsreise nach Buenos Aires ins Meer und starb ebenfalls.

Somit war Yayá die einzig Überlebende der Familie und erbte ein gewaltiges Vermögen. Untergebracht in einem stattlichen Haus in São Paulo lebte sie das Leben der Bohème, veranstaltete Abende mit ihren Freunden, widmete sich der Fotografie, soll angeblich reichlich Verehrer gehabt haben, die sie aber alle ablehnte, da sie eine tragische und unerwiderte Liebe mit Edu Chaves verband. (Zur Info: Chaves war ein junger Flieger, der als Erster die Strecke São Paulo – Rio ohne Tankstopps versuchte – damals ein ordentliches Abenteuer mit Anspruch auf Heldenstatus. Geschafft hat er das am 5. Juli 1914)

Im Jahr 1918, Yayá war 31 Jahre alt, zeigten sich Symptome einer möglichen Geisteskrankheit. Sie versuchte einen Selbstmord und wurde daraufhin in einem Sanatorium untergebracht, das aber sehr bald als ungeeignet angesehen wurde, sie auf Dauer zu beherbergen. Daher erwarb man als Wohnsitz ein leerstehendes Herrenhaus in Bixiga. Gleichzeitig entbrannte ein Streit um Vormundschaft, die Verwahrung ihrer Vermögenswerte und es gab eine Reihe von Gerüchten und Skandalen.

Anerkannte Psychiater Brasiliens wurden herbeizitiert, um Yayás Geiseszustand einzuschätzen und man kam überein, dass es sich bei ihrer Erkrankung um eine Form der Schizophrenie handeln müsse, die sich in einer Weise zeigte, sich selbst zu verletzten, gegen Wände zu laufen … kurz und knapp: Eine Gefahr für sich und Andere. Daher wurde sie isoliert und eingesperrt. Das Herrenhaus wurde ihren Bedürfnissen angepasst mit speziellen Bädern oder splitterfreien Fenstern, die nur von außen zu öffnen waren. Sie blieb bis zum ihrem Tod 1961 komplett isoliert – 36 Jahre lang. Ihr Vermögen, größtenteils Immobilien der Familie, hinterließ sie der Universität São Paulo.

Heute wird vermutet, dass ihre Isolierung primär dem Zweck diente, sie aus dem Weg zu schaffen, um statt ihrer in eine Machtposition zu kommen und den Zugriff auf ihr Vermögen zu erlangen.

Wahnsinns Geschichte, oder? Ich finde, das ist ein Filmstoff. pe

MÄBILINI

Dass wir hier mit der portugiesischen Sprache zu kämpfen haben, ist ja nichts Neues. Aber es tauchen auch immer wieder Begriffe auf, die wir eigentlich kennen, die aber durch den Portugiesisch-Filter dermaßen unkenntlich gemacht werden, dass es oft ein großes Hurra gibt, wenn sich die eigentliche Bedeutung klärt.

Grundsätzlich kann man festhalten, dass der Brasilianer phonetisch ein „I“ braucht, um Anglismen, Markennamen oder anderstämmige Wörter zu verbrasilianisieren. Dieses wird stellvertretend als „E“ eingesetzt, zum Beispiel „NIVIA“. Oder es wird vor dem Vokal „E“ eingesetzt – siehe „PIETRA“. Manchmal kommt es auch ans Wortende „BAYERN MUNIKI“.

Mittlerweile haben wir uns eingehört, aber dennoch gibts immer wieder lustige Überraschungen, wie gestern in der Drogerie, als mir ein Lippenstift von MÄBILINI offeriert wurde. Hier eine Liste der Lieblingsbegriffe – mal sehen, ob ihr alles erkennt. pe

FORDSCHI
COLGATSCHI
LONGINÄCKI
HOCKI
FIATSCHI
BASFI
FUTSCHIBOLLI
SZENICI
PANTENI
BIKI MÄKI
SAMSUNGI
CAMÄO
SCHICKI
ZEIA

GUTEN MORGEN

Wenn Sie bitte mal reinhören möchten … dieses ist ein Ausschnitt aus einem, bereits eine Woche andauernden Konzert, welches in der über uns liegenden Wohnung jeden Tag von 9h bis etwa 17h mit einem 3 Mann Orchester aufgeführt wird. Herrlich! pe

 

BEIJA-FLOR

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Echt witzig! In der alten Wohnung habe ich immer versucht, die Kolibris anzulocken. Man kann hier kleine Wasserbehälter kaufen, die in die Bäume gehängt werden und die als Ausgang große Plastikblüten haben. So wird den Tierchen die Blume vorgegaukelt und in der Regel funktioniert das bestens, vor allem, wenn man dem Wasser ein bißchen Zucker beimischt.

Das fanden bisher ziemlich viele Vögel spitze, zum Beispiel die Olsen-Bande, 5 Vögel in blau, die sich regelrecht um den Stoff geprügelt haben und morgens schon auf der Lauer lagen, wann die Frau Bähner mit dem Nachschub kommt. Aber leider war nie ein Beija-Flor dabei, für den das Ding ja eigentlich gedacht war.

Und jetzt wohnen wir hier im 11ten Stock und täglich fensterln die Viecher – ohne dass wir Zuckerwasser in Plastikblüten oder was anderes offerieren. Keine Ahnung, was daran so aufregend sein soll, an einer kahlen Hauswand hochzufliegen? Aber ich verstehe ja auch nicht, warum der Brasilianer an einer vierspurigen Straße joggt. Oder warum sich am Strand alles auf 20 Metern zusammenrottet, wo doch so viel Platz da ist (das Foto wird übrigens nachgereicht, wenn wir noch einmal zum Praia Grande fahren – das glaubt ihr nicht!)

Naja, jedenfalls finde ich es super, dass es mir endlich gelungen ist, eine Aufnahme zu machen. Die Tiere sind unheimlich scheu und jede Bewegung auf der anderen Seite des Fensters hat für die bisher ausgereicht, umgehend davonzuflattern. Spricht einiges dafür, dass ich sehr gute Pirsch-Qualitäten habe, oder? pe

HIGIENÓPOLIS

Architektur in São Paulo = die Herren Oscar Niemeyer und Paulo Mendes da Rocha in Sachen Moderne – sprich Beton in allen Variationen (sehr vereinfacht ausgedrückt). Und Rui Ohtake für seine ungewöhnliche und dynamische Architektur (siehe zum Beispiel das Hotel Unique oder das rot-blau gestreifte Ohtake-Building).

Da hab ich meine Rechnung bisher ohne Higinópolis gemacht – dies ist kein Architekt, sondern ein Bairro von São Paulo. Ende des 19 Jhds sammelte sich dort die Highclass São Paulos und erschuf einen Stadtteil, der im Kontrast zum Centro große und breite Straßen hatte, über einen ordentlichen Baumbestand verfügte, sehr ruhig und reinlich war und daher seinen „sauberen“ Namen Higinópolis erhalten hat.

Mitte der Vierziger bis Ende der fünfziger Jahre wuchs der Stadtteil in die Vertikale. Verantwortlich für die, bis heute bemerkenswertesten Gebäude dort, zeichneten sich zwei Architekten, die ebenfalls durch die Moderne inspiriert waren: der Paulistano João Artacho Jurado und der Deutsch-Brasilianer Adolf Franz Heep.

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Ersterer baute 1952 in Higinópolis das erste brasilianische Condomínio mit Freizeitcharakter – das Edifício Bretagne. Er integrierte ein Schwimmbad, Spielplätze, Leseräume, einen Tee- und Musiksaal sowie eine Piano-Bar. All das für jedermann im Haus nutzbar. In seiner Architektur huldigt er Oscar Niemeyer, doch versucht er eine ornamentale und farbige Annäherung an die Gebäude Niemeyers. Derart, dass seine Gegner das Edifício Bretagne als ein „von Oscar Niemeyer entworfenes Barbiehaus“ bezeichnet haben. Das selbe Gebäude wurde übrigens vom Wallpaper-Magazin als jeniges welches beschrieben, indem es sich seinerzeit weltweit am besten leben lassen sollte.

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Zweiterer, der Herr Heep, stark von Bauhaus geprägt und Mitarbeiter von Corbusier, zeichnet sich verantwortlich für zwei bemerkenswerte Gebäude. Das Edifício Lausanne (1950) in Higinópolis (siehe Bild ganz oben), berühmt für die Farbgebung der Fassade mit den Holzfensterläden und das Edifício Italia im Centro (1965) – zweitgrößtes Gebäude der Stadt mit 165m, direkt neben Niemeyers „Copan“, touristische Sehenswürdigkeit. Letzteres wohl eher wegen der auf dem Dach ansässigen Bar + Restaurant mit fantastischem Ausblick.

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Ein Rundgang durch Higinópolis ist mit einer architektonischen Zeitreise ins São Paulo des 20 Jhds zu vergleichen, da jedes Jahrzehnt hier seine deutlichen Spuren hinterlassen hat. Higinópolis war immer schon reich und intellektuell und das ist es auch heute noch – also die perfekte Voraussetzung für die Erschaffung von Besonderem. Daher darf man wohl besonders gespannt darauf sein, welche zukünftigen Klassiker dort gerade entstehen. pe

SELBSTVERSUCH REGEN + STRAND

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Das Wetter in São Paulo bietet seit etwa drei Wochen keinen Anlass zur Freude. Es ist zwar nicht kalt, aber es regnet häufig und es ist trist und grau. Daher haben wir uns gedacht: Wenn man schon das Grau nicht ändern kann, dann wenigstens das Umfeld und sind gestern ans Meer nach Guarujá gefahren.

Guarujá liegt auf einer Insel, die etwa 90 km von São Paulo entfernt ist. Nur ein kleiner schmaler Kanal trennt sie vom Festland. Daher stammt auch der indigene Name: schmale Passage = Guaru-ya. Weil man von São Paulo so schnell dort ist, blüht die Strandkultur, um dem Brasilianer eine feine Zeit zu bereiten. Es gibt viele verschiedene Strände – von HalliGalli bis Fischerdorf – von Stadtstrand bis Natur. Es finden sich Strandbuden, Restaurants, Kitsch- und Kremepelläden in ausreichender Anzahl. Also alles so, wie es sich der Brasilianischer wünscht. Wenn die Sonne scheint.

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Aber eben das tat sie nicht. Dennoch – mit dem festen Vorsatz „auch bei schlechtem Wetter ists schön am Meer – wir sind doch keine Weicheier“ und dem Gedanken im Hinterkopf „die Nordsee funktioniert ja auch bei jedem Wetter“ sind wir allen Unkenrufen und dunklen Wolken zum Trotz Richtung Strand losspaziert. Die Wellen waren hoch und toll, die Surfer schwer aktiv, der Strand schön und rau. Das Dosenbier war gut gekühlt, Schirmchen und Liegestühle perfekt ausgerichtet und einem trägen Nachmittag stand nichts im Wege. Haben wir gedacht 😉

Keine halbe Stunde später folgendes Bild: Orkanartige Böen, prasselnder Regen, verlassene Liegstühle und ein paar rote Schirmchen, unter denen sich traubenförmig Menschen zusammengerottet haben, im Versuch, sich und die Habe halbwegs trocken durch das Unwetter zu bringen.

„Nein, ist nicht kalt“. „Neiiiiiiin, ist doch nur Wasser“. NEEEIIIIIIIIN, MÖCHTE KEIN BIER MEHR“!

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Nachmittags insofern Besserung der Lage, dass es im Auto erfahrungsgemäß nicht regnet und wir ausreichend Zeit hatten, die verschiedenen Strände auf der Insel anzufahren und mal zu gucken, was da so geht. Es gab denn auch ein Überraschung, denn am großen Stadtstrand von Guarujá fand ein Freestyle-Paragliding-Wettbewerb statt und das war schon spannend, die Kunststücke zu sehen, die die Jungs da aufgeführt haben. Hier ein kurzer Film: >>> Paragliding

Heute morgen dann, entgegen unsere vagen Hoffnung, noch einen Tag ohne Regen am Meer verbringen zu können, leider Ernüchterung: Dauerregen – Grau! Daher gabs statt Strand die Autobahn Richtung nach Hause ins Trockene. In São Paulo schien sogar gemeinerweise ein kleines Bißchen die Sonne, als wir dort ankamen.

Als dann: Das machen wir nicht mehr. Wenn die Wettervorhersage über 70% Regenwahrscheinlichkeit an der Küste porognostiziert, bleiben wir schick daheim. Denn bei allen Schönfärbungsversuchen: Der Strand macht bei Regen einfach keinen Spaß, weder hier, noch an der Nordsee, noch sonstwo 😉 pe

NET #2

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To be continued, hab ich beim letzten Artikel über NET (NETSCHIE) geschrieben – ahnte damals allerdings noch nicht, dass wir noch einmal umziehen werden und damit die ganze Chose von vorne beginnt! Als dann …

1. Umzug ist erfolgt, Besuch bei NET vor Ort, neue Adresse durchgegeben und Änderungen besprochen. Im Klartext: a) Kündigung des zusätzlichen Telefon- und Internetanschlusses. b) Techniker soll bitte vorbeikommen und TV, Telefon und Internet anschließen, Zeitfenster nachmittags!!! c) Änderung des Leistungspaketes (das geht erst, wenn Techniker die Basisinstallation vorgenommen hat. Doof – weil man muß nochmal hin)  /// 2. Techniker kommt abends und schließt TV und Telefon an. Internet klappt nicht, da im Viertel zur Zeit kein Netz /// 3. Am nächsten Tag immer noch kein Netz – Anruf bei NET wegen neuen Termins (kompliziert, weil durch drei Instanzen weitervebunden wird – aber immerhin: das können wir jetzt selber!) /// 4. Techniker kommt 3 Tage später und schließt Internet an. Sagt, sein Vorgänger hätte einen Fehler gemacht /// 5. Bis dahin alles ok – WLAN überall in der Wohnung möglich  ///  6. Erneuter Besuch bei NET, um nun wie besprochen das Paket zu ändern. Gewünscht: weniger TV-Kanäle und Erhöhung der Leistung von 6MB auf 10MB. Neuer Besuchstermin wird vereinbart /// 7. Techniker kommt – ist aber nur für TV zuständig und schließt neues NET-Modem an – Teile der Programme jetzt in HDTV (feine Sache) /// 8. Andere Techniker (diesmal 2 Mann) kommen etwa 1 Stunde später und checken den Internetanschluß. Stellen fest, dass der zweite Intenetzugang noch nicht abgemeldet ist. Versprechen, dass sie das an NET weiterleiten /// 9. Zwei Tage später wird das Netz lahm – nur noch eingeschränkt WLAN möglich /// 10. Erneuter Anruf bei NET und Vereinbarung eines Termins /// 11. Mitarbeiter kommt zwei Tage später und prüft die Verbindung. Sagt, es läge am WLAN-Router und er könne nichts machen. Wir sagen, das er vorher noch bestens funktioniert hat – selbst mit 6MB. Er kann nichts machen /// 12. Anderer Mitarbeiter kommt kurze Zeit später (Rosenmontag, morgens um 9h, unanfgefordert) und will den NET-Router mitnehmen sowie das Internet abklemmen /// 13. Wir können ihn davon abhalten und erklären die Situation. Er vereinbart neuen Techniker-Termin zur Überprüfung der Leitung und des Signals, da er nur für das Abklemmen von Leitungen zuständig ist. Jo sagt, ich sei nicht nett gewesen /// 14. Internet-Zugang liegt nach Abgang des Technikers lahm, funktioniert erst nach einiger Zeit wieder /// 15. 8ter Techniker war gerade da. Ergebnis: a) Wir haben eine 10MB starke Verbindung, aber der WLAN Router scheint dem nicht mehr gewachsen? Warum weiß er nicht. Idee: Es gibt in der Gegend wohl „NEUE“ Interferenzen. b) NET ist nicht für WLAN-Router verantwortlich (obwohl der Techniker netterweise eine neue IP-Adresse vergeben hat – was aber auch nichts an der Situation ändern konnte). Empfehlung: Neuen WLAN Router kaufen – nicht NETGEAR, sondern D-LINK mit 3 Antennen /// 16. Unsere letzte Idee, nämlich dass wir beim Einzug vielleicht vorrübergehend noch über die Leitung unserer Vormieterin ins Internet gegangen sind und dass diese evtl. 50MB stark war, hat sich nach Abklärung nun auch nicht als Lösung ergeben. Das waren nämlich nur 3MB und alles lief einwandfrei 17. Das Problem ist nicht gelöst , aber jetzt muß es ohne NET gehen! pe

SEXTA OP D’R ECK

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Sexta-feira (sprich: sessta) bedeutet einfach nur Freitag. Freitag hat bekanntermaßen nicht nur für den durchschnittlichen Brasilianer eine überaus wichtige Bedeutung, sondern auch für den Rest der Welt. Während die einen sich an einem Freitag religiösen Pflichten  unterziehen, hat der Freitag für den Brasilianer (und natürlich für viele andere auf der Welt) eher profanen Charakter. Denn eine Woche Arbeit ist vorbei und nun kommt die Zeit der Erholung.

Während unsereiner (meistens) sich zuerst einmal nach Hause begibt, sich etwas ausruht, gemeinsam mit den Lieben das Wochenende plant, verliert der Brasilianer speziell der Paulistano  hingegen keine Zeit (zumal auch schon dessen Heimfahrt an einem Freitag unter Umständen schon ca. drei Stunden dauern kann). Spätesten um 19 Uhr sind die Lanchonetes in unmittelbarer Nähe der Büros und sonstigen Arbeitsstätten voll, und das heißt wirklich voll.

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Ebenso schnell ist der erholungsbedürftige Brasilianer auch voll, denn vor allem das Bier fließt in Strömen (man trinkt hier doch eher viel Bier und weniger Caipirinha, Klischee lässt grüßen). Interessant sind auch die Deckel, die getrunkenen Flaschen lässt man so lange stehen, bis man bezahlt. Und heimlich wegräumen oder auf einen anderen Tisch schmuggeln, das gibt es hier nicht.

Zwischen 22 und 23 Uhr ist der Tanz vorbei, der Brasilianer möchte nach Hause, denn das Wochenende muss ausgenutzt werden: Samstagmorgen Sport, nachmittags Feijoada (Bohnen, Reis und stundenlang gekochte Schweineinnereien, -ohren,- schwänze und -füße, hmmm, lecker, koch ich euch mal, wenn wir wieder in der Heimat sind :-)) mit Bier und Caipirinha, dann ausruhen und verdauen, dabei Fussball schauen. Spät abends auf die Piste und solange durchhalten, wie es geht, mit oder ohne Hilfsmittel – meist bis Sonntagnachmittag. (Sehr häufig gehts mit dem eigenen Wagen nach Hause, das mit dem Alkohol am Steuer sieht der Brasilianer nicht so eng.) Was für ein Programm…

Die Bilder stammen von der Lanchonete in unmittelbarer Nähe zu unserem alten Haus, sozusagen „Op d‘ Eck“. Jo

BIXIGA

Ich sach nur: Sfogliatelle! Nein, das ist nicht schon wieder ein indigenes Kunstwort – diesmal hat es romanischen Ursprung und bezeichnet ein gefülltes und in Falten gelegtes italienisches Hefegebäck. Wir hatten den ersten Kontakt mit diesem Gebäck“dings“ durch die Fernsehserie „Sopranos“ und als Jo eines Tages mit einem Schächtelchen Sfogliatelle ankam, war die Freude riesig! KleinItalien am Gaumen klebend, daraufhin KleinItalien in Gedanken und ein paar Tage später in Echt in São Paulo – im Bairro Bixiga (gehört zu BelaVista).

Den Ruf, das Little Italy von São Paulo zu sein hat Bixiga, weil Ende des 19ten Jhds verstärkt europäische Einwanderer nach Brasilien strömten, die angeheuert wurden, um auf den Kaffeeplantagen zu arbeiten. So eben auch die Italiener. Viele der italienischen Einwanderer haben sich in der Nähe der Gutshäuser der Kaffeebarone niedergelassen, deren Überbleibsel (teils renoviert, teils Ruine) man übrigens heute noch auf der Avenida Paulista, der Bankenmeile Südamerikas, sehen kann. Naja und die fuzzeligen Reste der Einwandererzeit sind eben deutlich in Bixiga zu spüren – etwa 10 Gehminuten von der Paulista entfernt.

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Dass dieses Viertel nur von italienischen Einwanderern geprägt wurde, ist übrigens eine nette Geschichte – stimmt aber nicht ganz. Tatsächlich versuchten dort auch Portugiesen und Afrikaner einen Neuanfang. Die Afrikaner haben zum Beispiel die erste Karnevalsgesellschaft São Paulos gegründet – die Sambaschule VAI VAI – heute gehört sie zu den Topfavoriten und in die erste Liga der Karnevalsvereine.

Hier der >>> Link zum aktuellen Karnevalssong des Vereins! Falls ihr euch über die klassischen Elemente am Anfang wundert – das diesjährige Motto ist die tragische Lebensgeschichte des brasilianischen Pianisten und Dirigenten João Carlos Martins.

Optisch hat sich in den Straßen rund um die Rua 13 de Maio gar nicht so viel getan – sieht immer noch ziemlich rustikal, ursprünglich und irgendwie italienisch aus. Unterstützt wird der Eindruck durch die vielen italienischen Restaurants und Lädchen, die sich dort aufreihen und die der Grund für die wahren Besucherströme an 5 Wochenenden im Juli/August sind – wenn das Fest „Festa de Nossa Senhora de Achiropita“, stattfindet und auf den Straßen die ganzen fiesen italienischen Kleinigkeiten probiert werden können. Wir hatten neulich – und das meine ich ernst – die besten Ravioli ever in einem der Restaurants!

Verstärkt wird das italienische Gefühl durch die vielen älteren Herrschaften, die sich auf dem nahegelegen Antikmarkt, der jeden Sonntag stattfindet, herumtreiben oder es sich in den Cafés und an der Straße auf schäbigen Plastikstühlen bequem gemacht haben, die Straße „abnehmen“, zusehen, wer da so flaniert, alles kommentieren … und vielleicht gerade Sfogliatelle verspeisen … das würde mir natürlich gut gefallen 🙂 pe

GUTE AUSSICHT

Ziemlich praktisch – so ein Leben im elften Stock. Denn neben der guten Aussicht läßt sich zudem schnell feststellen, ob zum Beispiel die Mitnahme eines Regenschirms sinnvoll wäre, oder, ob das Vorhaben, das Haus zu verlassen, getrost vergessen werden kann. Das schützt vor unangenehmen Überraschungen (siehe Artikel Chuva), die wir parterre des Öfteren erlebt haben.

Abgesehen davon ist es einfach klasse, den Himmel kurz vor einem Gewitter zu sehen. Oder einen Sonnenuntergang, nachdem es geregnet hat. Oder das rosa Morgenlicht an den Wohntürmen. Oder. Oder. Siehe unten. pe

SÃO PAULO RELOADED

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So langsam kommen wir runter. Der Umzug ist geschafft, unsere Sachen haben zum größten Teil ihren neuen Platz gefunden und nun beginnen wir, uns neu einzuleben.

Wir wohnen jetzt in Pinheiros (auf der rechten Seite in der Linkliste findet ihr einen Link zu Google Maps). Dieses Bairro hatten wir schon vor langer Zeit als unser Liebstes gekürt, denn hier vermischt sich Neues und Altes São Paulo auf wunderbare Weise: Es gibt noch die kleinen Stadthäuschen neben den hohen Wohntürmen. Es gibt noch kleine schimmelige Läden neben exklusiven Ladenlokalen. Gastronomisch geht auch fast  alles und sozial ein Nebeneinander verschiedener Schichten – wobei es keine Favelas mehr gibt (soweit ich weiß).

Wir sind nun urbaner unterwegs (geht das überhaupt in São Paulo – noch urbaner???) und haben beide festgestellt, dass es genau das ist, was wir leben wollen. Das Haus war toll, aber rückblickend nicht unser Lebensstil – das haben wir in der ersten Woche hier gemerkt. Das liegt sicherlich am schönen Appartment, mit dem wir wirklich großes Glück gehabt haben – oder sollte ich sagen: die Belohnung für unsere große Anstrengung und das viele Pech im Januar? 😉

Wir haben beide das Gefühl von „São Paulo reloaded“. Es scheint, eine große Last ist abgefallen (nicht nur finanziell) und das Lebensgefühl ist leichter, unkomplizierter und freier. Vielleicht hat sich im Haus in den letzten anderthalb Jahren eine schlechte Energie angesammelt – vielleicht war dort durch den harten Anfang in São Paulo irgendwann alles nur noch geprägt von Komplikation, Stress, Verlust? Oder wars einfach nur zu feucht? Keine Ahnung, aber irgend so etwas wirds wohl sein.

Als dann, schaun wir mal, was nun kommt. Anbei ein kleiner Film von unserem Umzug und der neuen Wohnung (allerdings ohne wüste 60er Parties – Thorsten 🙂 pe

>>> move

APPARTEMENT

Habe mich zum Schluß gar nicht mehr getraut, eine Erfolgsmeldung zu veröffentlichen, da jedesmal wenn ich es tat oder jemandem geschrieben habe, dass etwas geklappt hat, sofort das Gegenteil eingetreten ist.

Insofern glich unsere Wohnungssuche einer Odyssee, wie ihr lesen konntet, aber letzten Freitag um 14.30h Ortszeit São Paulo hat die Vermieterin den Vertrag unterzeichnet. Dieser muß nun noch vom Bürgen gegengezeichnet werden und dann können wir umziehen.

Der Umzug ist für den nächsten Samstag geplant, wobei das Umzugsunternehmen heute erstmalig zu uns kommen soll, um einen KVA abzugeben, die Lage zu peilen und um jede Menge Kartons dazulassen – die kann man hier nicht im Baumarkt kaufen – das geht nur über das Unternehmen. Der Termin ist um 10h, aber um ehrlich zu sein, rechne ich nicht damit, dass jemand kommt, denn heute ist ein Brücken-, morgen ein Feiertag. Da ist der Brasilianer lieber am Meer. Aber warten wir es ab …

Oben seht ihr unser neues Haus – vielmehr das, in welchem sich unser Appartement befindet. 11 Stock – Nr. 113 – also nix für abergläubische Menschen oder solche mit Höhenangst. Jetzt denkt ihr bestimmt: Ach du Sch …, oder? 😉 Haben wir auch, bis wir das Appartment von innen gesehen haben. pe

CHUVA

chuva

Heisst Regen und wenn der hier runterkommt, dann gerne richtig. Angekündigt hatte sich dieser Wolkenbruch bereits, als wir gerade das Haus verlassen haben, um „mal wieder“ eine Wohnung zu besichtigen. Auf dem Rückweg gings dann prächtig zur Sache. Innerhalb kurzer Zeit sind die Straßen vollgelaufen, denn mit diesen Regenmassen kommt kein Gulli mehr klar. Einen Vorteil hat das Ganze: Das Auto ist nun wieder sauber 🙂 Naja, und die Wäsche muß wohl nochmal in die Maschine … Grrrr. pe

Hier zu Demonstration >>> chuva

UMZIEHEN

Im Oktober haben wir bereits mit der Wohnungssuche begonnen. Nach guter, deutscher Tradition mit viel Vorlauf, um uns eine Meinung bilden zu können und natürlich um rechtzeitig an die guten Wohnungen in dem Viertel heranzukommen, das wir uns ausgesucht haben. Alles Käse! In Brasilien läuft das anders.

A) Es wird nicht gekündigt – das Wort Kündigung existiert im Brasilianischen nicht – wer hätte das gedacht – siehe brasilianisches Nein 😉 – man verlängert der Vertrag einfach nicht mehr und formuliert das in einem netten Brief an den Vermieter, bevor man das Weite zu suchen gedenkt.

B) Man kündigt – ach natürlich: verlängert den Vertrag nicht mehr – einen Monat vor Umzug. Das heisst, theoretisch beginnt die Phase der Wohnungssuche, wenn die alte Wohnung bereits nicht verlängert ist. Und auch erst dann nehmen Makler Notiz und fangen an, sich ein wenig zu kümmern. Oder dich mit deinem Anliegen, eine Wohnung zu finden, ernst zu nehmen.

C) Ist ein geeignetes Objekt via Internet enttarnt, wird das Interesse ausgesprochen und im besten Falle eine Vorreservierung vorgenommen. Ab dann hat man (laut Makler) genau 48 Stunden Zeit, folgende Papiere zu transferieren: Gehaltsbescheinigung, Visakartenauszug + Limit, Kontoausszüge der letzten drei Monate, Gas-, Wasser- und Telefonrechnungen um beweisen zu können, dass man in Brasilien lebt, diverse Formulare zur Person, zur Person des Ehegatten und der jeweiligen Eltern.

Des Weiteren braucht man in Brasilien eine Bürgen um eine Wohnung mieten zu können, der glaubhaft versichern muß, dass er im Falle des Nichtzahlenkönnes der Mieter flüssig genug ist, um die Rechnungen zu begleichen. In unserem Falle ist das die Schule bzw. eine Gesellschaft, die der Schule angehört. Auch hier werden reichlich Unterlagen benötigt, die die Solvenz des Bürgen unter Beweis stellen – bishin zur Unterschrift des Vorstandes und der Bilanz des Unternehmens. Also ein Wahnsinn an Papierkram, damit auch ja nix passieren kann und niemand behaupten kann, er hätte nix gewusst.

D) Liegen alle Unterlagen vollständig vor (was bei uns dann doch zwei Wochen gedauert hat), wird der Vorgang an den Vermieter weitergereicht und der sagt dann ja oder nein. In unserem Falle hat er heute ja gesagt – vier Tage bevor die Kündig … Nichtverlängerungsfrist abgelaufen ist. Puuuh!

E) Daraufhin begeben sich alle Mann in die Wohnung, um dort eine Abnahme vorzunehmen und bis ins Kleinste zu dokumentieren, wie der Ist-Zustand ist. Denn werden bei Auszug Mängel festgestellt, die vorher nicht da waren, muß der Mieter dafür aufkommen.

F) Verträge werden in der Regel für 30 Monate angesetzt. Zieht der Mieter vorher aus, muß er eine Multa – also Strafe zahlen, die sich auf Basis der Miete und der abgelebten Mietzeit berechnet. Wir werden also noch fett zur Kasse gebeten, da wir ja nur 15 Monate hier im Haus gewohnt haben. Aber das rechnet sich, denn der neue Mietzins ist nur halb so hoch wie der zur Zeit anfallende.

Als dann, Ende gut alles gut und schnell auf Holz geklopft – wer weiß, was noch kommt??? pe

Zeitungleser01Das Jahr geht zu Ende, wir machen es uns jetzt im Kreise unserer Lieben gemütlich – bei euch mit Schnee, hier ohne – und freuen uns auf ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein Neues, hoffentlich angenehmeres und leichteres Jahr mit positiven Begebenheiten, Erfolg und Glück.

Das letzte Jahr war warscheinlich für uns alle nicht einfach, viel hat sich verändert und sehr oft stand es im Zeichen des Tigers: Krallen ausfahren und kämpfen. Dabei vergessen wir manchmal, wie gut wir es eigentlich haben, denn jeder sitzt ja in der eigenen Soße der Befindlichkeiten – Vergleiche sind daher schwer zu ziehen.

Und ich mach es jetzt trotzdem mit dem Blick ins Wohnzimmer eines  vermeintlichen Zeitunglesers, der sich bei genauerem Hinsehen als Pappkartonlandschaft entpuppte und auf sehr reale Weise offenbart, wie viele Menschen leben müssen!

Boas Festas ihr Lieben! Pe&Jo

STENCILS

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Was dem Paulistano das Graffitti, ist dem Buenos Airesser das Stencil, also das Sprühen mittels einer Schablone. Diese Kunst braucht in der Vorbereitung Zeit und Fingerfertigkeit mit dem Skalpell, aber einmal angefertigt, kann mit der Schablone ganz schnell – und dadurch im besten Falle unerkannt – ein Bild zigfach reproduziert werden, eine Botschaft zigfach transportiert werden. Und darum gehts!

Der Ursprung der Bewegung ist wohl in der Zeit des argentinischen Ausnahmezustandes von 2001 zu finden, als klassenübergreifende Proteste gegen die Regierung stattfanden, mit der Forderung: „Que se vayan todos!“ / „Alle sollen verschwinden!“ Gefordert wurde das Verschwinden aller politischen Parteien und die komplette Neustrukturierung des Landes. Zu dieser Zeit entstanden die ersten, politisch motivierten Stencils und sehr rasch explodierte die Bewegung.

Heute findet man Stencils fast an jeder Wand. Häufig überlagern sich die Motive – dort wo einer anfängt, gesellt sich bald ein Anderer dazu und so weiter. Hier ein Film zum Thema. Der ist zwar auf spanisch, aber man versteht auch so, worum es geht, wie es geht und was geht. pe

>>> zum Film

FERIEN IN EUROPA

Schön wars, in Buenos Aires. Vor zwei Wochen war ich dort – diesmal ohne Jo – dafür mit Nicole, meiner Freundin aus Deutschland, die uns zuerst in São Paulo besucht hat, dann gemeinsam mit mir nach Buenos Aires geflogen ist, um danach auf eigene Faust Argentinien bis runter nach Feuerland zu durchreisen. WOW!

Von Buenos Aires sagt man, es sei die europäischste Stadt Südamerikas. Stimmt! Die Gebäude und Straßenzüge erinnern an Paris oder Madrid – man hat den Eindruck, hier ist ein Stück europäischer Kultur konserviert worden.

 

Man sagt, dort gäbe es das beste Fleisch und den besten Rotwein. Stimmt! Ohne Worte – man muß beides ausprobieren! In argentinischen Restaurants in Deutschland schmeckt das Fleisch ja schon toll, aber wenn es quasi frisch vom Rind aus der Pampas auf dem Teller landet, ist das nochmal geiler. Und das umgerechnet für 6 Euro bei 250 Gramm.

 

Die Stadt des Tango. Stimmt! Leider, denn alle Nase lang wird einem eine „Original Tangoshow“ via Flyervertrieb auf der Straße offeriert, da der Tanz gerade wieder in Mode gekommen ist. Wie so etwas abläuft, haben wir unfreiwillig in La Boca gesehen – muß man nicht haben.

 

Man kann in Buenos Aires bestens shoppen. Stimmt! Vor allem im Viertel Palermo, das rein zuuufällig auch unser Standort war. Wir wohnten dort in einem chicen Loft (siehe Galerie) – sehr angemessen für eine Mädchenfreizeit 🙂 Leider gilt auch in Buenos Aires: Konfektionsgröße 36-38 ist eindeutig im Vorteil.

Bei soviel „Stimmt“ kommt die Frage, was eigentlich überraschend war?

 

Zum Beispiel das Grab von Eva Perón, der bis heute beliebtesten Person in Argentinien. Begraben ist sie auf dem Friedhof in Recoleta, einem zentralen Stadtviertel. Der Friedhof ist nebenbei einer der touristischen Hotspots in Buenos Aires. Erwartet haben wir ein Mahnmal der Extraklasse – gefunden eine vergleichsweise schlichte Grabstätte in einer schmalen Gasse am Rand des Friedhofs. Gefunden auch nur deshalb, weil vor uns eine Touristengruppe in diese Gasse marschiert  ist.

 

Überraschend war auch der Aufmarsch der Mütter auf dem Plaza de Mayo. Die Demonstration der „Madres“ gibt es seit 1977 mit beginnendem Ende der Militärdiktatur. Anfangs war die Demo lebensgefährlich, denn jederzeit hätten die Teilnehmerinnen abgeführt werden können – so ist auch die Gründerin „einfach“ verschwunden. Ungeachtet dessen und unterstützt durch die Bevölkerung haben die Frauen weitergemacht und jeden Donnerstag treffen sie sich seitdem auf dem Platz, um die Aufklärung der Verbrechen und die Strafe für die Schuldigen zu fordern, indem sie eine halbe Stunde lang stumm um den Platz marschieren, da stehender Protest zu Zeiten der Militärdiktatur verboten war. Das war sehr beeindruckend, sind doch die Frauen in der ersten Reihe mittlerweile in den 80ern. Und wenn man in ihre Gesichter schaut, bekommt eine Idee von dem Leid, das die Diktatur hervorgebracht hat.

 

Ich hätte nicht gedacht, dass es in Buenos Aires einen „Rheinauhafen“ gibt 😉 Nennt sich Puerto Madero, ist ein extrem chices Viertel und hat mich im ersten Moment wirklich an Köln erinnert, denn auch in Buenos Aires sind die alten Hafengebäude und Kräne restauriert und mit neuen, modernen Gebäude ergänzt worden.

 

Sehr enttäuschend war La Boca. Das Viertel hat den Ruf, eher gefährlich für Touristen zu sein, daher beschränkt sich ein Spaziergang dort auf drei Straßen. Dort flanieren dann alle zwischen den bunten Häusern – demzufolge blüht der Tourismus mit Tangovorführungen, Ins-Restaurant-Schleppern, Ständen mit allem Originalkitsch und Souvenirs made in China. Hin und Weg – und das im wortwörtlichen Sinne!

 

Unerwartet das Highlight: das Konzert von Rammstein. Nicole hatte die goldene Idee, Karten zu organisieren und so standen die Damen auf der Gästeliste und konnten durch einen separaten Eingang direkt auf die Tribüne flanieren. Das war sehr gut so, denn wie sich später herausstellte, gab es unten auf der Pista nur einen Eingang, durch den die Menschen hereinströmen konnten und Bilder von der Love Parade in Duisburg wurden wach. So kam es auch zu einer Unterbrechung des Konzerts, da die Situation zu eskalieren drohte und man erst dafür sorgen musste, dass die Leute im Pulk Luft und Platz bekommen konnten, bevor das Konzert weiterging. Rammstein haben ihrem Ruf, die Grillmeister der Metalbranche zu sein, alle Ehre gemacht. Und auch wenn ich kein Metalfan bin, war das Konzert extraklasse 🙂

Als dann, die 5 Tage Buenos Aires fühlten sich an wie Ferien in Europa. Schön und auch vertraut. Und haben dann auch einer Idee, eventuell in Buenos Aires die Abwesenheit von Deutschland um eine weitere Periode zu verlängern, ein Ende bereitet. Europa kann man auch in Europa haben. 😉 pe

KOMMUNIKATION

Wenn ich heute auch nur noch 1 Wort portugiesisch reden muss, dreh ich durch. Es gibt so Tage hier, da versteht einen kein Mensch!

Angefangen bei der Übersetzung eines Rezeptes, wo ich erfahren durfte, dass ich das Wort „Stück“ so übersetzt habe, dass der Brasilianer das zweifelsfrei als „Schwanz“ lesen muss. Sehr zum Vergnügen meiner Sprachlehrerin und meines Mannes, der das eben erzählt bekam.

Danach einen halben Tag und mindestens 10 Telefonate lang der Versuch, meine doch rechte simple Email-Adresse Richtung Makler zu kommunizieren. Abgesehen davon, dass ich nicht Jessica, auch nicht Pizza, sondern Petra heiße. Avanete hatte heute ebenfalls Sprachbomben parat, die ich mir mehr oder weniger als Kleingedrucktes vorstellen durfte. Und der Brasilianer hat Spass, hat Spass, hat Spass.

Also heute Abend defintiv: Ausnahmslos Deutsch mit einigen Fasern Kölsch 🙂 SO! pe

FRANZ VON ASSISI

donipássaros

Die gute Seele der Straße, Donisätschi (mdl) hat viele Aufgaben: Parkticketverkäufer, Ein- und Ausparker, Aufpasser, Helfer in der Not – zum Beispiel wenn Wassertanks auslaufen oder das Wasser plötzlich komplett abgesperrt werden soll, Unter-die-Arme-Greifer in praktischen Dingen wie Einkaufstüten aus dem Taxi reintragen oder abgebrochene Palmwedel raustragen (und verbotenerweise im Müllcontainer nebenan entsorgen), Herauswinker, wenn man rückwärts auf die Straße fahren möchte, Gasmafia-Abwimmler und so weiter.

Neuerdings hat er sein Herz auch für die kleinsten Mitbewohner der Straße entdeckt: die Pássaros – und eine Futterstation auf seinem Parkticketverkäuferhäuschen eingerichtet, die, von morgens bis abends, reichlichst von Rotkehlchen, Tauben und Maritacas frequentiert wird.

Jetzt haben wir richtig Theater vor dem Haus 😉 – aber ein Schönes! Und solange sie jetzt nicht lustig anfangen, alle unverdaulichen Bestandteile ihrer Mahlzeit genau über unserem Auto abzuwerfen, darf bitte alles genauso bleiben, wie es ist! pe

KRIMINALITÄT

Immer wieder hören wir Geschichten von kriminellen Übergriffen in São Paulo. Am Wochenende hat es Jenson Button beinahe erwischt, als er auf dem Weg von der Renstrecke ins Hotel mit Maschinenpistolen bedroht wurde. Nur die Geistesgegenwart des Fahrers der Gas gab, hat Schlimmeres verhindert.

Zeitgleich haben wir von einem Überfall auf eine deutsche Familie in Interlagos gehört. Die 16jährige Tochter hat sich abends vor der Haustür ausgiebig von ihrem Freund verabschiedet und beim Betreten des Hauses hatte sie auf einmal Begleitung von einigen vermummten und bewaffneten Personen, die sich anschicken, alle Wertsachen dauerhaft zu entfernen. Die Diebe hatten zudem noch praktische Lebenshilfe parat, indem sie der Familie mitteilten, dass man niemals abends allein längere Zeit vor der Haustüre stehen solle, da man nie wisse, was passieren kann wie sie ja gerade am eigenen Leibe erfahren durften und sie somit eigentlich selber Schuld seien! Dä!

Uns hat zum Glück noch niemand bedroht, was nicht heißt, dass wir noch nicht beklaut wurden. Vor zwei Wochen wars soweit. Durch eine Methode die sich Kartenklonen nennt, und den Dieben bislang 3000 Euro beschert hat, die sie lustig von unserem Konto in Deutschland abgezogen haben.

Tatort war wohl eines der Shopping-Center. Dort sind überall öffentlich zugängliche Geldautomaten. Die waren verwanzt – entweder durch Aufsatz oder andere Apparaturen und als Jo Geld abgehoben hat, wurden alle seine Karteninfos gespeichert und in der Folge zum Klonen aufbereitet.

Nun konnten die Herrschaften in aller Ruhe Bargeld bis zum Tageslimit abheben, jedesmal etwa 450 Euro. Zum Glück ist der hiesigen Bank, bei der abgehoben wurde, aufgefallen, dass da etwas nicht stimmen kann und sie haben: „Achtung Sicherheitslücke“ nach Deutschland gefunkt. So wurde unsere Bank aktiv und hat sofort Jo’s Karte gesperrt. Und zum Glück wurde somit erwiesen, dass wir nicht selber abgehoben haben so dass der Verlust durch die Versicherung ersetzt werden wird.

Nachdem das also geklärt war, dachten wir, alles sei gut. Aber dem war nicht so, denn das Konto wurde trotzdem weiter belastet, jeden Tag mit kleineren und größeren Beträgen. So wurde denn auch meine Karte, die ja eigentlich gar nicht bekannt sein konnte, sicherheitshalber gesperrt und jeglicher Kreditrahmen des Kontos gekappt. Seit zwei Tagen ist nichts Neues mehr passiert, die kriegen nichts mehr – wir auch nicht 🙁 – vorrübergehend. Wir schauen noch zu, wie alte Abbuchungen, die bis zum Stopp vorgenommen wurden, eintrudeln, aber bald hat der Spuk hoffentlich ein Ende, wir neue Karten und eine Erkenntnis mehr.

Also ihr Lieben: An öffentlichen Automaten aufgepasst, denn die Methode ist ja auch in Deutschland sehr beliebt. Wir werden nun nur noch in Banken abheben und nicht an frei zugänglichen Geräten, immer mit der Hand die Codeeingabe abdecken und vorher schauen, ob irgend etwas merkwürdig ist. Eventuell auch an der Lesevorrichtung ruckeln. Menno! pe

WAHLEN #02

Am Wochenende geht die Wahl in Brasilien in die zweite Runde. Dilma und Serra sind noch im Rennen und die Hochrechnungen sind eindeutig zu Gunsten Dilmas. Nicht zuletzt, weil sie im bislang armen Nordosten Brasiliens etwa 80% aller Stimmen einheimsen wird. Anbei ein Spiegel-Online Artikel, der sich noch einmal mit Pro und Contra Lula (und somit Dilma) befasst. pe

>>> zum Artikel

DAS BRASILIANISCHE NEIN

Soll man Stefan Zweig in seinen Ausführungen im Buch „Brasilien – Land der Zukunft“ Glauben schenken, so ist der Brasilianer an sich ein friedliebendes Volk. Freundlich, nett, ein wenig unschuldig oder naiv und vor allem harmoniebedürftig.

So ganz kann ich diese Meinung nicht teilen – siehe man nur mal das Verhalten im Straßenverkehr – aber etwas scheint dran zu sein. Denn wer soooo freundlich sein soll, kann sicher nicht ohne weiteres NEIN sagen!

Da kann man wirklich noch einiges lernen, vom Brasilianer. Daher habe ich hier anhand von Fallbeispielen ein paar Übungen vorbereitet:

1. In der Rolle der Sprachlehrerin

Man verabrede einen Termin, sage dann aber kurz vorher (max 2 Stunden) wieder ab, um einen neuen Termin zu vereinbaren. Auch diesen Termin verschiebe man unter heftigem Bedauern auf ein anderes Mal. Beim dritten Mal unternehme man gar nichts, gehe nicht hin, dafür schreibe man aber sofort einen Tag später eine Nachricht, wie leid es einem tue – und verabrede ein weiteres Mal. Und so weiter. Wichtig ist, dass die Gründe und Zeiträume immer anders gewählt werden.

Der Erfolg: Der Andere meldet sich ganz sicher nie wieder!

2. In der Rolle des Handwerkers

Man unterhalte sich am Telefon über ein Stück „Gewerk“, was zu erledigen ist. Man zeige sich begeistert, ja regelrecht enthusiastisch über den bevorstehenden Auftrag und erkläre sich gerne bereit, zu einem gemeinsamen Termin vor Ort zu erscheinen, um ein Angebot anzugeben. Und dann schalte man das Telefon aus und melde sich nicht mehr. Selbstverständlich erscheine man auch nicht zum vereinbarten Treffpunkt, der via Mailbox erhalten wurde.

Der Erfolg: Der Job geht garantiert an einen anderen.

3. In der Rolle der Physiotherapeutin

Man stelle sich via Internet mit seinem Handwerk vor. Es melden sich bestenfalls potentielle Kunden, auch telefonisch via Mailbox. Man lasse den Tag zu Ende gehen und rufe dann möglichst spät (etwa ab 23h) zurück, mit der Betonung, wie leid es einem tue, aber dass es nicht anderes gehe. Dieses Gespräch muß unbedingt ergebnislos bleiben und mit einem weiteren versprochenen Rückruf enden. Dieser darf aber nicht erfolgen, so dass der Andere sich von allein meldet. Dann absolut unverbindlich bleiben und klarstellen, dass ein Termin eventuell möglich sei, zwischendurch, aber nicht verabredet werden kann.

Der Erfolg: Der Kunde wird sich abwenden.

4. In der Rolle des Auftraggebers

Man stelle einen neuen Job in Aussicht und gebe dem Anderen die dafür nötigen Unterlagen mit der Bitte, sie innerhalb kurzer Zeit zu lernen um sich dann wiederzutreffen und das Gelernte abzufragen. Man sage etwa 2 Stunden vorher ab, verabrede aber einen neuen Termin (Siehe Sprachlehrerin). Jetzt seid ihr dran: Was muß als Nächstes passieren? … RICHTIG! Man nehme auch den Zweiten nicht wahr, aber unter größtem Bedauern und mit Ausdruck der Vorfreude aufs nächste Treffen. Gerne auch ein Zusatz, dass man schon sehr gespannt sei. Das Prinzip muß so lange fortgeführt werden, bis der Andere irgendwann nachfragt, was eigentlich los sei. Daher immer unterschiedliche Medien einbeziehen: Telefonate verabreden, persönliche Treffen, Skype-Sessions, E-Mails – da ist der Kreativität keine Grenze gesetzt.

Der Erfolg: Der Andere kommt sich irgendwann doof vor und gibt einfach auf.

Also Summasummarum: UNBEDINGT IMMER unverbindlich bleiben, Entscheidungen nicht treffen oder möglichst lange herauszögern. Wenn man keine Lust hat, ja sagen und sich nicht mehr melden. Oder sich einfach überhaupt nicht melden. Nun viel Spaß beim Üben 😉 pe

Kleiner Tipp: Als Rollen eignen sich auch hervorragend Makler, Versicherungsagenten und KFZ-Mechaniker

SHOPPING

bier

Was dem Mädchen Schuhe, Kleidchen, Ober- und Unterteile, ist dem Jungen das Getränk. Mein Mann kann sich von diesem Interesse auch nicht wirklich freisprechen und daher finden immer wieder brasilianische Gerstensaftschöpfungen den Weg in unseren Kühlschrank, die UNBEDINGT einmal getestet werden müssen und – nach ihrer Entleerung – einen Platz auf dem, dafür eigens eingerichteten Regal, finden. Männer! Bierschrank statt Schuhschrank – Das wusste auch schon IKEA! Diesmal: Bohemia Confaria – Cerveja Forte Tipo Abadia (schmeckt wie Bananenweizen) und Bohemia Escura (dunkel, süß, bitter, extrem malziges Starkbier (O-Ton)). Jo, mach doch mal eine spezielle Rubrik zum Thema Biere auf 😉 pe

JUQUEHI

In schöner Regelmäßigkeit sollte man São Paulo den Rücken kehren und ans Meer fahren. Das ist gut fürs Gemüt und schlecht fürs Portemonnaie, aber das Gemüt geht in diesem Falle vor 😉 Also haben wir letzten Samstag kurzerhand beschlossen, drei Tage ans Meer zu fahren um mal wieder „runterzukommen“.

Wir hatten im letzten Monat eine schwierige Zeit. Der Plan, innerhalb von São Paulo umzuziehen ist ausgereift und wir haben begonnen, Kontakt zu Maklern aufzunehmen um uns Appartements oder kleine Häuser anzusehen. Nicht ganz leicht in der Gegend, in die wir ziehen möchten. Nicht ganz leicht mit unseren Budget. Und nicht ganz leicht mit der Mentalität der hiesigen Makler. Aber das ist eine andere Geschichte und gehört eigentlich in die Rubrik „Handwerk“.

Jo hatte sich letzte Woche passend zum Ende der Abiturprüfungen, die viel Zeit und Energie in Anspruch genommen haben, amtlich den Fuß verknackst und ist nun mit Krücken und Beinschiene unterwegs. Das war dann leider auch das Aus für unsere geplante Tour an die Iguaçu-Wasserfälle.

Meine Situation gestaltet sich gerade auch nicht rosig, denn SoulSampa hat sich nach 1monatigem Zaudern und Hadern und nicht wissen, was ist, eine Pause bis Januar verordnet. Daher habe ich zur Zeit keinen Job dort und überlege jetzt, was ich mit dem Gelernten oder sonst so tun kann. Sehr sehr schade, denn die Stadtouren haben mir viel Spaß gemacht, wenn es auch leider wenig Nachfrage gab. Schnarchnasen! 😉 Also gerade alles doof im Staate São Paulo!

Es gibt das geflügelte Wort, dass bei einem Spaziergang am Strand jede Welle ein Stück Sorge mitnimmt und das haben wir, Jo im Rahmen seiner Möglichkeiten, ausgiebig getestet. Ist zwar nicht alles weg, aber fühlt sich wieder leichter an. Der Strand in Juquehi ist wunderschön, lang und hat eine prächtige Brandung. Zum Schwimmen tricky, aber zum Surfen perfekt, wenn man das kann. Und es gibt eine Strandbar – DIE Strandbar ;-), wie Thomas bestätigen wird und zu der es uns immer wieder hinzieht. Hier die Blder von einem „Stressbeseitigungs-und-wieder-gut-drauf-komm“-Wochenende. pe

WAHLEN IN BRASILIEN

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Am Sonntag wird in Brasilien abgestimmt, ob die Regierung Lula weiterhin an der Macht bleibt. Denn auch wenn er selber nicht mehr antritt, hat seine Nachfolgerin Dilma Rousseff (vorne im Bild) im Moment allergrößte Chancen, das Rennen zu machen. Nicht zuletzt, weil sie bei den sozial schwach bis gar nicht Gestellten diejenige ist, der man die meiste Reformkraft zutraut.

So denkt auch Avanete, unsere Zugehfrau, die schon vor einiger Zeit per Briefwahl ihr Kreuzchen gemacht hat, da sie im Bundesstaat Bahia, ihrer Heimat, abstimmen muß. Hier ist es übrigens so, dass alle zur Wahl verpflichtet sind. Denn die Teilnahme wird auf der Carteira de Trabalho, dem offiziellen Arbeitsbuch jedes Brasilianers vermerkt. Kein Wahlgang, kein Job. So einfach geht das.

Auf Spiegel Online gibt es gerade ein Special zur Wahl, wenn es euch interessiert. Dort wird auch die schillerndste Kandidatin Marina Silva vorgestellt. Sie kandidiert für die Grünen und steht bei Künstlern und Intellektuellen hoch im Kurs. Ihre Reformpläne sind nicht weniger anspruchsvoll als die Dilmas, nur wird ihre Lobby vermutlich nicht so stark sein. Anbei ein Video von ihrer Website. So wird in Brasilien Wahlwerbung gemacht – man vergleiche das mit der unsrigen 😉

Sehr bemerkenswert sind die Lebensläufe der Kandidaten. Zum Beispiel: Dilma Rousseff war während der Militärdiktatur bei der Guerilla, wurde verhaftet und gefoltert. Marina Silva hat erst mit 16 Jahren Lesen und Schreiben gelernt und arbeitete als Hausangestellte, bevor sie später Geschichte studierte. Der Dritte, José Serra lebte während der Militärdiktatur 14 Jahre im Exil und hat in Princeton Ökonomie studiert. Alle drei sind charismatische Persönlichkeiten, allerdings mit unterschiedlichem Sympathiefaktor.

Als dann, ab Sonntag wissen wir mehr! pe

>>> Zum Spiegel-Artikel
>>> Zur Wahlwerbung

DAS AUGE

 

Gabs da nicht auch mal einen Film mit einem bösen Menschen im Helikopter? Hmmmmm? Wie auch immer, über dieses Auge möchte ich gar nichts schreiben, sondern viel lieber über das Gebäude des Herrn Niemeyer in Curitiba.

2002 hat er es mit 95 Jahren fertigestellt, nachdem schon in den 60ern die Planung begonnen hat. Typisch Brasilianer! Es ist DIE architektonische Referenz der Stadt. Im Inneren finden, neben der Ausstellung von Niemeyer-Zeichnungen und Modellen, wechselnde Veranstaltungen der modernen Kunst statt. Aber wie im Ufo in Niteroi hat es die Kunst angesichts der faszinierenden Architektur etwas schwer.

 

Der Komplex besteht aus zwei Teilen – dem Auge selbst mit geschwungenem Aufgang, der aber kein Eingang ist, wie man vermuten dürfte. Übrigens auch kein Ausgang. Ein bißchen doof, denn wirklich jeder, der zum ersten Mal das Museum sieht, geht rauf, wird von einem Doorman abgewiesen, geht wieder runter und begibt sich in den zweiten Teil, dem hinteren langen Riegel aud Beton und Glas..

Dort ist der eigentliche Eingang. Aber auch hier ist der Weg kompliziert: Erst nach rechts, Ticket kaufen. Fragen, wo man jetzt hinsoll. Arbeitskräfte sind in Brasilien billig – daher stehen auch genug Menschen in Uniformen herum, die man fragen kann. Dann nach links, durch eine Schleuse, in der alle Sachen gefilzt werden zu einem Tresen, an dem Taschen und sonstige Dinge abgegeben werden sollen.

Dann weiter, über eine Treppe ins Untergeschoß. Dort ist die Niemeyer-Ausstellung untergebracht. Schon toll, all die Modelle und Skizzen zu sehen. Nebendran in einem Freiluft-Innenhof befinden sich Skulpturen diverser brasilianischer Künstler. Das strahlende Weiß der Außenwände tut in den Augen fast weh, aber bietet einen tollen Hintergrund für die dortige Kunst.

Über einen unterirdischen und extrem abgefahren Durchgang im Space-Look gehts dann unter das Auge und dort mit dem Fahrstuhl hoch und mitten rein. Eigentlich hatte ich gehofft, durch die Bienenwabenglaswand einen tollen Blick nach draußen zu haben – aber nix da. Alles war abgedunkelt – vielleicht um der dortigen Ausstellung über die brasilianische Moderne etwas mehr Raum zu geben.

Wenn das alles gesehen ist, entweder per Aufzug oder über die Treppen wieder runter. Dort hat jede Etage einen kleinen Raum, ebenfalls für die Kunst reserviert. Zurück durch Durchgang, Ausstellung, Treppe und raus.

So cool das Auge ja ist, so seltsam ist die Besucherführung. Die Niemeyer-Gebäude, die wir bisher besichtigt haben, waren immer sehr klar – dieses hier nicht. Aber trotzdem – sehr sehenswert! pe

PARANAGUÁ

 

Wieder eines der unaussprechlichen Wörter. Paranaguá geht zurück auf die indigene Tupí-Guarani-Sprache Südamerikas und bedeutet so viel wie „schöne Bucht.“ Und das ist sie zweifelsohne.

Sie liegt im Bundesstaat Paraná – einen weiter südlich, wenn man von São Paulo ausgeht. Paranaguá beherbergt den wichtigsten brasilianischen Hafen für Agrargüter und ist außerdem für den Export von Fahrzeugen der Marke Audi bekannt, die in Curitiba, der Hauptstadt, gefertigt werden. Bedeutend ist dieser Hafen auch dadurch, dass die Regierung von Paraguay im Hafen von Paranaguá einen zollfreien Anlege-Kai besitzt und diesen uneingeschränkt nutzen darf. Über diesen Hafen laufen für Paraguay alle Ein- und Ausfuhren.

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Das merkt man deutlich, wenn man über die 70km lange Piste von Curitiba zur Stadt fährt. Kolonnen von LKW’s blockieren nicht nur eine, sondern gerne auch alle Fahrbahnen beim Versuch, sich gegenseitig zu überholen. Wir haben auf unserer Reise nach Curitiba eine ganze Reihe von heftigen Unfällen gesehen – umgekippte LKW’S die ihre Ware verloren haben, Crashs und so weiter.

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Aber zurück nach Paranaguá. Den großen Transporthafen haben wir nicht besucht, sondern sind direkt zum alten Zentrum gefahren. Bestimmt wird das Straßenbild von Bauten im Kolonialstil, leider teilweise völlig verfallen. Und bei dem schlechten Wetter, das wir an diesem Tag hatten wirkt die ganze Szene ziemlich morbide. Aber gerade dadurch fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit um 1600, als das dort alles losging und die ersten portugiesischen Pioniere die Bucht erobert haben.

Schade, dass der Brasilianer mit seinen alten, gebauten Schätzen so schlecht umgeht. Die Altstadt ist eine Perle und könnte ein echter Anziehungspunkt für Touristen sein. Zur Zeit ist Paranaguá, neben seiner Bedeutung als Hafen, touristisch eher Durchgangsort für die Reisen zur nahegelegenen Ihla do Mel (Honig-Insel). Naja, vielleicht ändert sich das ja irgendwann? pe

SANTOS

 

Von São Paulo aus die nächstgelegene Stadt am Meer, etwa 60 km entfernt. Wichtigste Hafenstadt in Lateinamerika. Da, wo auch unser Container vor einem Jahr angekommen ist. Das heißt, unser Hausstand hat schon 2 Wochen dort verbracht, bevor er zu uns gekommen ist.

 

Vielleicht kommt daher die Sympathie, die wir für Santos haben. Denn wirklich schön ist es dort eigentlich nicht – eher skurril. Es erinnert ein wenig an die belgische Küste – die Uferpromenade wird gesäumt von Hochhäusern damit möglichst viele in der ersten Reihe einen schönen Blick aufs Meer haben können. Witzigerweise sieht das Szenario aus wie wackelige Zähne, denn die Häuser haben aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit zum Teil eine gehörige Schieflage. In Deutschland würden da Wohnungen evakuiert und Straßen gesperrt, aber in Santos scheint sich niemand wirklich dafür zu interessieren. Das Ein oder Andere Gebäude ist nicht mehr bewohnt, aber das wars denn auch.

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Gestern haben wir auf einer Bootstour neben der tollen Perspektive auf die Backenzahnhäuser auch mal den Hafen von innen heraus gesehen und damit reichlich Containerschiffe die beladen oder gelöscht wurden. Laut Wikipedia hat der Hafen eine Länge von 13 km und die Lagerhallen dort eine Fläche von 500.000 m2! Dazwischen aber auch Favelas die zum Teil bis aufs Wasser gebaut und bei der Ermittlung der Quadratmeterzahl sicher nicht mitgezählt wurden.

Das Ganze untermalt vom Sambasound unseres kleinen Bötchens und unterbrochen vom Kapitän, der sich ab und an genötigt fühlte, die Landschaft zu erklären – nicht dass wir wirklich alles verstanden hätten. Dazu ein paar Dosenbier und 30 °C … abputzen! Herrlich, so ein Tag am Meer.

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Auch herrlich ist der Strand in Santos. Mit etwa 5 km ordentlich lang und tagsüber voller Bikinis und Badehosen. Gegen 17h, wenn es kühler wird verschwindet der sonnenhungrige Brasilianer und macht Platz für den sportlichen Landsmann. Fußballfelder werden im Sand markiert, Fahrräder bilden die Torpfosten und ab gehts. Hier hat schon Pele seine ersten Tore geschossen. Und damit man alles schön sehen kann, wird der Strand von großen Flutlichtanlagen beleuchtet.

In Deutschland würde nun die Zeit der Strandparties anbrechen, Grills würden ausgepackt und so weiter. Aber der Brasilianer ist da nicht so und wenn man nicht nackig sein und sich zeigen kann, isses langweilig. Und „kalt“ geht schon gar nicht! Daher wird der Strand bis auf die Sportler sehr rasch ziemlich menschenleer, die Strandbudenbesitzer packen zusammen und wir hatten noch geradeso Zeit für einen hastigen Caipirinha, bevor uns der Budenbetreiber um die Rückgabe seiner Klappstühle und Gläser gebeten hat. Ja so ist das, es kann nicht immer weitergehen. pe

NHOQUE DA SORTE

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Gnocchi des Glücks. Dass Nudeln glücklich machen, wissen wir ja alle. Aber im speziellen nur am 29ten eines Monats? Die spinnen, die Brasilianer 🙂 Haben wir gedacht und sind einer Einladung zum Glücks-Gnocchi-Essen gefolgt.

Anlass war ein Aufruf zur Spende für eine Organistation, die Kinder in einer Favela unterstützt, die Associação Cultural Constelação http://www.constelacao.org.br/. Wenn die Eltern morgens zur Arbeit fahren, werden die Kinder von ehrenamtlichen Helfern in einer Art Halbtagesstätte betreut. Ganz hoch im Kurs steht die Kunst und deren Förderung. Eines der Mädchen hat es somit schon zu einer beachteten Künstlerin in São Paulo gebracht. Die Art der Hilfe ist unterschiedlich: Manche spenden Geld oder Hilfsmittel, andere helfen vor Ort und betreuen die Kinder, andere wiederum setzten ihr KnowHow ein und kümmern sich unentgeltlich, so wie unser Zahnarzt Dr. Andrew, der zu dieser Veranstaltung eingeladen hat.

Zurück zu den Nudeln. Das geht so: Man lade Gnocchi auf und lege einen Geldschein unter den Teller. Dann esse man die ersten sieben Gnocchi im Stehen und denke dabei an einen Wunsch. Nun darf man sich wieder setzen und ganz normal weiteressen. Der Geldschein ist jetzt ein Glückssymbol und die meisten bewahren ihn während des Monats im Portemonnaie auf (Also nur kleine Scheine nehmen 😉 ) Am nächsten 29ten wird das Ganze gerne wiederholt. Manche nehmen auch drei der ersten sieben Gnocchi mit, trocknen sie und heben sie in ihrer Tasche als Glücksbringer auf … Hmmmmm?

Die Herkunft dieser Tradition habe ich gegoogelt und einen Text über Uruguay gefunden, der das Ritual beschreibt. Der Ursprung ist nicht ganz klar. Es könnte von den südamerikanischen Bauern stammen, die am Ende des Monats nur noch Kartoffeln und Mehl übrig hatten. Andere sagen, dass am Ende des Monats Zahltag war und die Menschen sich daher Gnocchi gegönnt haben. Dazu würde passen, dass in Südamerika faule Beamte, die nur einmal im Monat ins Büro gehen, um ihren Scheck abzuholen, Gnocchi genannt werden. Wieder andere sagen, es wäre einfach die clevere Erfindung eines Pasta-Konzerns.

Jedenfalls eine lustige Sache, die wir nun regelmäßig wiederholen werden – ein bißchen Glück kann ja nicht schaden 🙂 pe

NEUES AUS SÃO PAULO

YEP … auf ein Neues. Seit einem Monat sind wir wieder hier. Der Anfang war schwer, wie schon gesagt, aber jetzt sind wir angekommen. Jo hatte direkt viel zu tun mit den Deutsch-Prüfungen in der Schule. Das nennt sich deutsche Sprach-Diplom-Prüfungen, das bedeutet, dass die neunten Klassen die erste Stufe machen, die 11ten und 12ten die Zweite.

Pe: Was heisst denn das???
Jo: Heisst, wenn sie das DSD 2 (nicht DSDS) haben, können sie direkt an den deutschen Hochschulen studieren.
Pe: Hmmm. Wieviel haben das geschafft?
Jo: Kann man nicht sagen – die Ergebnisse kommen erst im November/Dezember.

(Das wird gerade ein Interview …)

Pe: Und sonst Jo?
Jo: Jetzt die nächste große Aufgabe ist das Abitur: Im September die schriftlichen, im November die mündlichen Prüfungen!
Pe: Aha. Und was heisst das für deine Arbeit?
Jo: Das heisst, einen anstrengenden Monat, um unsere 19 Schüler erfolgreich durchs Abitur zu führen.
Pe: Möchtest du sonst noch was sagen?
Jo: Jou, so langsam hat man die Sache ein bißchen im Griff in der Schule. Man kennt jetzt die Abläufe. Und kann in der nächsten Zeit stärker gestalterisch tätig werden.
(Man)
Pe: Und sonst?
Jo: Ja, ansonsten freue ich mich auf die gemeinsamen Ausflüge demnächst mit meiner Frau, um das Land etwas mehr kennenzulernen.
Pe: Schnarch!
(Jo guckt in die Luft!)
Pe: Was heisst das?
Jo: Tja. Immer weiter nach vorne, ach Quatsch, schreib doch nicht sowas. Die nächsten Herausforderungen warten schon!
Pe: Wir sind doch hier nicht bei Spiegel Online!
Jo: Nee. Bei Petis Blog!
Pe: Ja und?
Jo: Da muß man schon Farbe bekennen!
Pe: Seit wann das denn ;-)?
Jo: Eigentlich schon immer. Aber ich hab mich noch nicht so getraut!
Pe: Warum denn nicht?
Jo: Peti schreibt zu gut
Pe: Quatsch!
Jo: Doch, das schreibst du bitte!
Pe: Find ich doof!
Jo: Das sehen alle Leser anders.
(Will ich nicht schreiben!)
Pe: Aber du kannst gut schreiben, Jo!
Jo: Ich werde es versuchen!
Pe: Wann?
Jo: Hmmmmm. Du wirst schon sehen!
(Na toll!)
Pe: Wann?
(Lach auf beiden Seiten!)
(Pause!)
(Pause!)

Jo: Es reicht jetzt.
Pe: Wieso?
Jo: Ich lasse mich nicht festnageln.
Pe: Will ich doch gar nicht!
Jo: Oh doch!
(Na toll)
Jo: Lies mal das Ganze jetzt!
Pe: Nein
Jo: Warum nicht!
Pe: Weil ich nicht will!
Jo: Ich muß das erst authorisieren!
Pe: Musste nich!
Jo: So gehört sich das aber!
(LOL)
Jo: Na toll.

DAT HÄZZ VUN DR WELT, JO DAT ES KÖLLE!

Lichter

Da simmer wieder. Landung am 29ten morgens, 5 Uhr brasilianischer Zeit. Taxi, Haus in Ordnung, bergeweise Post, verwilderter Garten … wie das halt so ist nach 3 1/2 Wochen Urlaub. Richtig gerfreut haben wir uns nicht, wieder in São Paulo zu sein. Die schöne und ruhige Zeit in Köln klingt noch nach und es wird etwas Zeit brauchen, bis wir hier wieder ganz angekommen sind … wie das halt so ist … 😉

Jedenfalls möchten wir uns noch mal bei euch allen bedanken. Ihr habt uns eine tolle Zeit bereitet. Wir haben es sehr genossen, wieder einmal im Kreis unserer Lieben zu sein, mit euch zu reden und zu sehen, wie es euch ergangen ist und geht. Das wird uns noch eine ganze Weile die Seele aufpolstern 🙂 pe&jo