STREIK STATT STRIKE

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Eigentlich sollte das Schiff mit unseren Sachen drauf bereits seit 6 Tagen auf hoher See sein und Jo meinte auch schon, es per GPS-Überwachung in Uruguay entdeckt zu haben, was ich eh etwas merkwürdig fand, weil absolut falsche Richtung.

Aber es ist ganz anders: Die Zollbehörde in Santos streikt und daher konnte unser shipment bisher noch gar nicht abgefertigt werden – befindet sich also immer noch im Santos’ser Hafen. Voraussichtlich soll der Zoll den Container am 29ten Juli inspizieren, was laut Aussage des Agenten bedeuten würde, dass er am 21ten August in Bremerhaven ankommt und „hoffentlich“ eine Woche später in Köln ist. Aber nichts genaues weiss man nicht, weil die Hafenbehörde in Santos scheinbar gerade ihre eigenen Gesetze macht! Ebenso wissen wir noch nicht, ob der Streik Mehrkosten wegen der Lagerung des Gepäcks verursacht. AUWEIA!

Richtiger Einzug also vermutlich erst Ende August und das bedeutet: CAAAAMPING in der Wohnung! Aber das macht nichts, denn damit haben wir ja schon Erfahrung. Und wenn der Container dann endlich ankommt, ist es doppelt so schön! pe

(Ich habe noch ein Glücksbändchen vom „Senhor Bonfim“ aus Bahia und neben dem Grünen für das Finden einer tollen Wohnung (hat geklappt!) kommt da jetzt noch ein orangefarbenes ans Handgelenk: Für das komplikationsfreie und pünktliche Abfertigen, Verschiffen und Ausliefern unseres Gepäcks!)

NEUSTART

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Was so alles erledigt sein will, wenn man irgendwo neu anfängt?

Seit 14 Tagen sind wir nun in Deutschland und können ganz glücklich verkünden, dass die neue Bleibe gefunden ist. Das ging sogar am schnellsten, hatten wir die Wohnung bereits von São Paulo aus im Internet entdeckt und den Kontakt zum Makler aufgenommen, um unser Interesse sehr laut und deutlich zu bekunden.

Künftig werden wir also in Kalk wohnen und ich werde von dort aus arbeiten. Diesen Stadtteil von Köln haben wir in der letzten Zeit ausgiebig erkundet und ich glaube: alles richtig gemacht ;-), denn dort vermischt sich ebenfalls alt mit neu, schäbig mit chic und das Stadtbild ist geprägt von Multikulti … sehr sympathisch und ein bisschen Pinheiros … aber nur ein bisschen …!

Die neue Wohnung ist in einem Altbau untergebracht und wurde gerade renoviert, sodass wir eigentlich nur noch etwas bunte Farbe an die Wände bringen und die Küche organisieren müssen. Küche = IKEA, zumindest mit schmalem Portemonnaie und jetzt habt ihr in etwa eine Idee, wo wir in der letzten Woche relativ häufig anzutreffen waren, neben Elektrogroßmärken, dem Bettenhandel, dem Bezirksamt, der Bank, Net(schie) Cologne und den anderen unglaublichen Telefonläden, die offensichtlich in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden sprossen und die in Kalk sehr speziell sind.

(Ach so: In Kalk gibt es vermutlich auf jeden fünften Einwohner ein Fingernagel-Studio Jasemine, Jaqueline oder Brigitte und ich kann sagen, dass ich noch nie so viele lustige Fingenägel-Designs auf offener Straße gesehen habe.)

Nächste Woche Mittwoch erhalten wir den Wohnungsschlüssel, zwei Tage später werden Möbel und Geräte geliefert und am kommenden Wochenende gestrichen und gebaut, was das Zeug hält! Wer sich als besonders geeignet betrachtet, eine Küche aufzubauen bzw. Wände zu streichen, ist hiermit herzlich zur Mithilfe eingeladen!

Also im Großen und Ganzen läuft der Neustart bisher sehr gut (schnell auf Holz und an den Kopf geklopft). Sicher auch, weil man sich in Deutschland eben doch auf Andere verlassen kann und die Bürokratie nicht ganz so irre ist!

Beispiel Stadthaus und Anmeldung: In São Paulo hätten wir mindestens 1x wiederkommen müssen, da es Unklarheiten in unseren Unterlagen gab – ich zum Beispiel offiziell noch gar nicht verheiratet bin ;-)! Um das nachzuweisen, hätte ich eigentlich die Heiratsurkunde gebraucht, aber die ist im Container, somit hätten wir uns theoretisch noch nicht anmelden können, was bedeutet hätte, dass der Container nicht ankommen kann, weil dazu eine offizielle Meldebescheinigung vorliegen muss! (Nur mal so!)

Aaaaber es ist alles gut, wir sind busy, mittlerweile „entwattiert“ und haben in den letzten Tagen richtig Lust auf Köln und die Kölner bekommen. pe

ABSCHIED

Gerade sitze ich Jo’s altem Kinderzimmer und schaue mir den letzten Blogeintrag an. Das ist alles schon so weit weg und dabei doch erst eine Woche her, seitdem wir das Appartment in São Paulo verlassen haben.

Zwei Nächte haben wir noch im Hotel übernachtet, denn es waren noch einige Formalitäten zu erledigen: die Wohnung musste wieder an den Vermieter übergeben werden, das Auto kam zurück zum Händler, der es nun in unserem Auftrag verkaufen wird, es wurde ein Leihwagen organisiert, die letzte Feijoada musste verspeist werden, das letzte Choppe musste im São Cristovão getrunken werden und nach so vielen letzten Malen lagen wir am letzten Abend in São Paulo schon um 17h im Bett, weil einfach gar nichts mehr ging.

Am Sonntagmorgen gings dann Richtung Trindade, einem alten Hippieort in der Nähe von Parati. Trindade zeichnet sich besonders durch die wunderschönen Strände aus, ansonsten ist da im Winter nicht sonderlich viel los! Zwei Tage waren wir dort und haben eigentlich nur geschlafen und die Seele baumeln lassen. Und nach und nach die Anspannung der vergangenen Tage losgelassen. So heisst es in Brasilien: Jede Welle nimmt ein kleines Stück Sorge oder Last von dir weg. Funktioniert!

Der letzte Tag und die letzte Nacht in Brasilien sollten ganz besonders sein und daher sind wir noch einmal umgezogen. Parati ist ein altes portugiesisches Seefahrernest, mittlerweile UNESCO-Welterbe. Die alten Gassen und Häuser sind extrem malerisch und in einigen befinden sich erstklassige Pousadas. So eine sollte es denn auch sein und im Luxusambiente und mit einem Luxusabendessen haben wir unsere drei Jahre São Paulo angemessen ausklingen lassen.

Mittwoch war  Reisetag und wir sind extra früh aufgebrochen, um auf jeden Fall pünkltich am Flughafen zu sein. Brasilien hatte wohl an diesem Tag beschlossen, sich noch einmal von seiner speziellen Seite zu zeigen, denn etwa 100km entfernt vom Flughafen befanden wir uns auf einmal in einer Straßensperre wegen Sprengarbeiten.

Der Vorarbeiter konnte leider auch nicht so genau sagen, wie lang die Sperrung etwa dauern würde, daher beschlossen wir, uns nicht auf die brasilianischen 1 bis 2 Stunden zu verlassen, sondern zu wenden und eine Straße über Land zu nehmen. 100km mit etwa 60 km/h durch den Wald, ohne zu wissen, ob wir da wirklich durchkommen oder die Straße irgendwann zur Piste wird?! Das ganze mit dem nahenden Abflugtermin im Rücken – ein unbeschreibliches Gefühl 😉

Aber Ende gut, alles gut – irgendwann saßen wir im Flieger der auf die Startbahn zurollte. Da wurde es nochmal ernst, denn unweigerlich kam der Moment, als die Räder den brasilianischen Boden verließen und wir wussten, dass die Zeit nun wirklich und endgültig vorbei ist.

Jetzt sind wir schon ein paar Tage hier, doch es ist noch wie Watte um uns herum. Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass es diesmal kein Urlaub ist und wir wirklich bleiben. Wir haben bisher nur die Familie gesehen und das braucht auch noch eine Weile, bis wir wieder richtig kompatibel werden, denke ich. Aber es wird – ganz sicher und wir freuen uns sehr, euch alle früher oder später zu treffen!

Mein Blog neigt sich nun auch langsam dem Ende zu. Ich habe beschlossen, noch zu schreiben bis der Container in Köln ist, denn das Wiederankommen gehört ja auch zu drei Jahren Auslandsaufenthalt. pe